<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><rss xmlns:atom='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:blogger='http://schemas.google.com/blogger/2008' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0' version='2.0'><channel><atom:id>tag:blogger.com,1999:blog-36137506</atom:id><lastBuildDate>Mon, 06 May 2013 17:30:12 +0000</lastBuildDate><category>Peru</category><category>Hochschulpolitik</category><category>Gesellschaft</category><category>Schweiz</category><category>Medien</category><category>Politik</category><category>fdo</category><category>Vollbeschäftigung</category><category>Studium</category><category>English</category><category>Schule</category><category>Deutsch</category><category>FOSS</category><category>Radeon</category><category>Sicherheit</category><category>Mathe</category><category>Math</category><category>Makro</category><category>USA</category><category>Meta</category><category>Sneak</category><title>Tagebuch eines Interplanetaren Botschafters</title><description>Lerne, wie die Welt wirklich ist, aber vergiss niemals, wie sie sein sollte.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/</link><managingEditor>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</managingEditor><generator>Blogger</generator><openSearch:totalResults>168</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-6350509671523187561</guid><pubDate>Mon, 06 May 2013 17:30:00 +0000</pubDate><atom:updated>2013-05-06T19:30:12.676+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Die Verlogenheit des Hans-Werner Sinn</title><description>Leider genießt Prof. Unsinn immer noch ungerechtfertigte Anerkennung in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft. Zum Glück liefert der Mann mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder neue Beweise dafür, dass er nicht von einer objektiven, neutralen Position heraus argumentiert. Als Public Service Announcement und für mein eigenes Archiv will ich einen davon hier kurz dokumentieren, und zwar aus &lt;a href="http://www.project-syndicate.org/commentary/should-germany-exit-the-euro-by-hans-werner-sinn"&gt;diesem Artikel hier&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie so gerne und so oft schreibt Prof. Unsinn darin, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Südländer und auch Frankreichs sei das Kernproblem in der Eurokrise. Die Löhne sind dort zu schnell gestiegen, zumindest gemessen am Anstieg der Produktivität. Einmal abgesehen von der Frage, ob Wettbewerbsfähigkeit so unkommentiert, gewissermaßen als Selbstzweck akzeptiert werden sollte, steckt darin durchaus eine Menge Wahrheit. in der Tat weisen die Unsinn-Apologeten gerne darauf hin, dass das meiste, was der Mann sagt, korrekt ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Problem liegt - wie in nahezu jedem seiner Texte - darin, was der Mann &lt;em&gt;verschweigt&lt;/em&gt;. Denn während in den Südländern die Löhne zu schnell gestiegen sind, sind sie in Deutschland viel zu langsam gestiegen. Jedem, der mit ökonomischem Verstand nach Treu und Glauben die Eurokrise analysiert &lt;em&gt;muss&lt;/em&gt; das auffallen, besonders wenn der Blick sowieso schon auf die Lohnentwicklung gerichtet ist. Da zudem bekannt ist, dass Lohnzuwächse für eine Volkswirtschaft leichter ökonomisch zu verkraften sind als Lohnsenkungen, und die Pflicht des Handelns hier also primär bei Deutschland liegt, muss jeder, der nach Treu und Glauben über die Eurokrise schreibt, dies auch ansprechen. Aber Prof. Unsinn verschweigt es - konsequent, und seit Jahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Verhalten ist schlicht und einfach unlauter. Der Mann müsste schon längst eine persona non grata und aus dem öffentlichen Medienbetrieb ausgeschlossen sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Übrigens: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Großen Teilen der deutschen Wirtschaft ist sicherlich daran gelegen, dass in Deutschland nicht über Lohnerhöhungen diskutiert wird. Bei der Frage, ob und welche Wirtschaftsinstitute man finanziert, freut man sich bestimmt über einen linientreuen Institutsleiter...)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn der Euroraum auseinander brechen sollte und das Kommentariat dann Hände ringend fragt, wie es dazu kommen konnte, werden wir die Antwort schon lange gewusst haben: Weil ihr und eure Kumpanen auf Prof. Unsinn (stellvertretend als lautester Repräsentant für eine ganze Reihe deutscher Ökonomen) gehört habt anstatt auf Leute wie &lt;a href="http://www.flassbeck.de/"&gt;Heiner Flassbeck&lt;/a&gt;.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2013/05/die-verlogenheit-des-hans-werner-sinn.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-1901916873503443708</guid><pubDate>Tue, 26 Feb 2013 18:25:00 +0000</pubDate><atom:updated>2013-02-26T19:25:00.099+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Sparen und Investitionen</title><description>Etwas &lt;a href="https://twitter.com/nhaehnle/status/306107632769454081"&gt;vehement&lt;/a&gt; habe ich gestern einen &lt;a href="http://blog.insm.de/4921-vollgeld-was-es-ist-was-es-kann-und-warum-es-keine-gute-idee-ist/"&gt;Blogeintrag zum Thema Vollgeld&lt;/a&gt; kritisiert. Diese Kritik möchte ich detaillierter erläutern, was mich zu einer Auseinandersetzung mit den kausalen Verbindungen zwischen Sparen und Investition führen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorweg zwei Punkte, die ich &lt;strong&gt;nicht&lt;/strong&gt; kritisiere. Erstens ist meine Kritik keine Kritik am Vollgeld (was wiederum nicht heißt, dass ich Vollgeld ohne Vorbehalte unterstütze; aber das Thema ist komplex und verdient eine ausführlichere Auseinandersetzung in einem anderen Artikel). Zweitens bin ich durchaus glücklich darüber, dass jemand von der BaFin schreibt:&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;Banken "erschaffen" durch ihre Kreditschöpfung Geld - und zwar den überwiegenden Teil der Geldmenge. Vergibt eine Bank einen Kredit und schreibt den korrespondierenden Betrag dem Kreditnehmer auf seinem Konto gut, dann entsteht damit neues Giralgeld.&lt;br /&gt;&lt;/blockquote&gt;Aber damit kommen wir zur Kritik. Denn auf der anderen Seite schreibt er im gleichen Blogeintrag das Folgende:&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;[Die Banken] funktionieren durch ihr Kreditgeschäft als Finanzintermediäre, die eine effiziente Allokation der Ersparnisse für Investitionen sicherstellen.&lt;br /&gt;&lt;/blockquote&gt;Dieser Satz enthält viele Dinge, an denen ich teils sehr grundsätzliche Kritik üben würde, zum Beispiel am Stichwort "effizient".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem aber suggeriert er, dass Banken Ersparnisse einsammeln um es dann für Investitionen weiter verteilen zu können. Aber warum sollten sie das tun, wenn sie doch selbst Geld erschaffen können? Richtig, sie tun es nicht. Ersparnisse werden nicht für Investitionen alloziiert. Von daher ist der Satz schlicht falsch. Wahrscheinlich ist er das Resultat einer makroökonomischen Indoktrination, die durch den Sitz des Autors nahe am Zentrum des Geldwesens zwar aufgeweicht, aber noch nicht abgeworfen wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin gegen solche Sätze besonders allergisch, weil sie im Kern der "intellektuellen" aber falschen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rationalisierung_%28Psychologie%29"&gt;Rationalisierung&lt;/a&gt; von Kürzungspolitik stehen. Diese beruht auf dem Glauben daran, dass sich Sparen über irgendwelche makroökonomischen Transmissionsmechanismen stark positiv auf Investitionen auswirkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Wirklichkeit ist die Kausalität aber umgekehrt: Investitionen wirken sich tendenziell positiv auf Einkommen und Profite und deswegen auch tendenziell positiv auf Sparen aus (diese Einsicht geht wesentlich auf &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Micha%C5%82_Kalecki"&gt;Kalecki&lt;/a&gt; zurück, siehe z.B. &lt;a href="http://www.concertedaction.com/2012/03/12/kaleckis-profit-equation/"&gt;hier&lt;/a&gt;). Auf der anderen Seite sorgt ein makroökonomischer Transmissionsmechanismus dafür, dass sich Sparen tendenziell negativ auf Investitionen auswirkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich sind alle diese Kausalitäten nur Tendenzen, die situationsabhängig stärker oder schwächer ausfallen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Übrigens: Wenn ich von "Sparen" schreibe meine ich nicht nur den Fluss von Geld in das Sparschwein zu Hause oder das Sparbuch bei der Bank, sondern grundsätzlich Geldflüsse in jede Anlageform, bei der nicht real investiert wird (z.B. Kauf von Aktien oder Fondsanteilen).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Einzelwirtschaftliches Denken und die Gesamtwirtschaft&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sparen um zu investieren, das ist ein bekanntes Muster. Familien sparen, um sich eine größere Anschaffung leisten zu können. Ein potentieller Unternehmer spart womöglich, bevor er den Schritt in die Unternehmensgründung wagt. Dieses Verhalten ist real und sinnvoll, wobei man natürlich über die Worte streiten könnte. Spart der Unternehmer wirklich? Oder ändert er nicht in Wirklichkeit einfach sein Ausgabeverhalten von Konsum hin zu Investition, zumindest mittelfristig betrachtet? Aber lassen wir diese Wortklauberei einmal beiseite.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das eigentliche Problem ist, dass diese einzelwirtschaftlichen Betrachtungen nicht auf die Gesamtwirtschaft übertragen werden können. Denn damit Sparen über gesamtwirtschaftliche Mechanismen einen positiven Effekt auf Investitionen haben kann, müsste sich das Sparen von Frau X und Herrn Y von nebenan positiv auf die Investitionsentscheidung eines Unternehmens irgendwo anders im Land auswirken können. Wie soll das gehen? Niemand in dem Unternehmen hat jemals von X und Y gehört!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Eine kurze Geschichte vom Zins&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oben habe ich geschrieben, dass Banken selbst Geld erschaffen können und deshalb nicht Ersparnisse einsammeln um sie als Kredite für Investitionen weiter verteilen zu können. Allerdings beobachten wir, &lt;em&gt;dass&lt;/em&gt; Banken nicht nur Anlagemöglichkeiten für Ersparnisse anbieten, sondern dafür auch noch (Guthaben-)Zinsen bezahlen. Wie passt das zusammen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ganz einfach: Banken machen das, aber aus einem anderen Grund. Sie machen das nicht, um Kredite vergeben zu können, sondern um die mit der Kreditvergabe verbundenen Kosten zu minimieren. Denn es gibt durchaus noch ein paar Spielregeln, an die sich Banken halten müssen. Dazu gehört unter anderem, dass sie sich am &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2012/04/wie-funktionieren-uberweisungen.html"&gt;Zahlungsausgleich bei Überweisungen zwischen Banken&lt;/a&gt; beteiligen und dementsprechend im Zweifelsfall refinanzieren müssen. Banken profitieren davon, dass sie sich bei Nichtbanken meist zu besseren Konditionen refinanzieren können als bei anderen Banken oder der Zentralbank.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber führt deshalb das Sparen von Frau X und Herrn Y von nebenan dazu, dass ein Unternehmen irgendwo anders im Lande sich dazu entschließt, einen Investitionskredit aufzunehmen, und diesen von einer Bank auch zugestanden bekommt? Sicherlich nicht direkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt einen indirekten Transmissionsmechanismus, der prinzipiell funktionieren könnte. Wenn mehr Menschen sparen wollen, so die Überlegung, dann sinkt der Refinanzierungsdruck für Banken, weshalb diese weniger Guthabenzinsen zahlen müssen. Das könnte zu einem Wettbewerb zwischen Banken führen, der auch den verlangten Kreditzins senkt. Die niedrigeren Kreditzinsen könnten Menschen dazu ermutigen, Investitionen zu tätigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieser Mechanismus ist zunächst plausibel. Die Frage ist, wie stark er wirkt. Da muss man zunächst einmal feststellen, dass die endogenen Zinsschwankungen sowieso politisch beschränkt werden: die Zentralbank steuert den Zinssatz für kurzfristige Kredite, der sich natürlich mittelfristig auch auf den Zinssatz für langfristige Kredite auswirkt. Die absolute Größe der Zinsschwankungen ist daher ohnehin sehr klein. Und wie groß ist der Einfluss von Zinsen auf Investitionsentscheidungen überhaupt? Wird ein Prozentpunkt Unterschied in Kreditzinsen nicht sowieso von Faktoren wie dem unternehmerischen Risiko, oder dem Risiko, dass der Zinssatz in Zukunft wieder steigt, dominiert?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die Nachfrageseite&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit die Zinsen bei unveränderter Geldpolitik durch Sparen spürbar sinken können müssen viele Menschen ihr Ausgabeverhalten deutlich ändern (oder weniger Menschen noch deutlicher). Konkret müssen sie ihre Ausgabegeschwindigkeit (gemessen in Euro pro Tag oder Monat) deutlich reduzieren. Das bedeutet aber, dass Verkäufer deutlich geringere Einnahmeströme sehen. In der Folge werden sich Unternehmen die Frage stellen, ob sich Investitionen überhaupt noch lohnen, wenn weniger verkauft werden kann - und Familien werden sich die Frage stellen, ob in Zeiten großer Unsicherheit am Arbeitsmarkt ein Hausbau wirklich das Richtige ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist der makroökonomische Transmissionsmechanismus, über den Sparen dazu führt, dass &lt;em&gt;weniger&lt;/em&gt; investiert wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die eigentliche Frage die beantwortet werden muss ist daher: Welcher der beiden Mechanismen ist stärker? Zumindest in der heutigen Zeit, in der das Zinsniveau sowieso schon extrem niedrig ist und Investitionen begünstigen sollte, aber Investitionen angesichts niedriger Nachfrage trotzdem schwächeln, hat die Frage doch recht rhetorischen Charakter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Fazit&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus makroökonomischer Perspektive ist Sparen tendenziell schädlich. Das gilt ganz besonders in der aktuellen Situation. Ungeachtet dessen gilt:&lt;br /&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;Wer "spart", um persönlich in das eigene Unternehmen oder den eigenen Hausbau zu investieren, der spart nicht im makroökonomischen Sinne. Deswegen trifft das Fazit auf diesen Fall nicht zu.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Ersparnisse können ökonomische Sicherheit und Freiheit ermöglichen. Von daher kann Sparen aus der persönlichen Perspektive auch dann sinnvoll sein, wenn man keine konkrete Investition plant.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Deswegen sollte der Staat eine Wirtschaftspolitik verfolgen, die jedem Menschen das Sparen ermöglicht, aber gleichzeitig die dadurch potentiell entstehenden makroökonomischen Schäden vermeidet (mein &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2012/11/die-job-garantie-ein-jahr-spater.html"&gt;persönlicher Favorit&lt;/a&gt; ist bekannt).&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Dies ist möglich und angemessen, weil ein &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/10/def-souveran-monetarer.html"&gt;monetär souveräner Staat&lt;/a&gt; nicht den gleichen Handlungsbeschränkungen unterliegt wie private Akteure, und deshalb als Symmetrie brechender Stabilisator handeln kann und sollte.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2013/02/sparen-und-investitionen.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-3034337510987024813</guid><pubDate>Tue, 27 Nov 2012 16:33:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-11-27T17:33:00.682+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Vollbeschäftigung</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Gesellschaft</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Die Job-Garantie, ein Jahr später</title><description>Ich bin davon überzeugt, dass &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2012/11/vollbeschaftigung.html"&gt;Vollbeschäftigung&lt;/a&gt; das beste Sozialprogramm ist. Jeder, der arbeiten &lt;em&gt;will&lt;/em&gt; soll auch problemlos eine gesellschaftlich sinnvolle und angemessen bezahlte Arbeit finden. Dadurch wächst die Freiheit in der Wahl der Arbeit, so dass langfristig unser Verständnis von Arbeit insgesamt fundamental transformiert werden kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das hört sich für die meisten Menschen gut an. Leider bezweifeln viele, dass Vollbeschäftigung überhaupt erreicht werden kann. Deshalb will ich noch einmal über die Job-Garantie reflektieren, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html"&gt;die ich vor etwas über einem Jahr schon einmal erklärt habe&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Grundidee der Job-Garantie ist einfach. Sie erzeugt einen Pool an offenen Stellen, der so groß ist, dass jeder eine Arbeit findet. Die Stellen werden von Ländern, Kommunen und gemeinnützigen Organisationen (zum Beispiel Sportvereine, Umweltverbände und wohltätige Organisationen) ausgeschrieben und zu einem gesetzlich festgelegten Stundenlohn mit Mindestlohn-Charakter bezahlt. Die wichtigsten Fakten zur Job-Garantie sind (siehe z.B. &lt;a href="http://www.cfeps.org/pubs/wp-pdf/WP43-Tcherneva-Wray.pdf"&gt;hier&lt;/a&gt;):&lt;ul&gt;&lt;li&gt;Wer arbeiten will und kann erhält von der Job-Garantie eine Stelle, unabhängig von seiner Ausbildung, seinem Lebenslauf, oder von der aktuellen wirtschaftlichen Lage.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Job-Garantie gibt den Menschen eine Möglichkeit, ihren Arbeitswillen konkret zu bezeugen, und wird zudem durch Weiterbildungs-Programme begleitet. Dadurch öffnet sich für die Beschäftigten der Weg in den privaten Arbeitsmarkt, und für private Unternehmen wird es einfacher, qualifizierte Beschäftigte zu finden.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Job-Garantie und der Privatsektor stehen nicht im Wettbewerb zueinander: Die Job-Garantie nimmt genau die Menschen auf, denen vom Privatsektor kein angemessener Arbeitsplatz angeboten wird.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Im Gegensatz zu klassischen Konjunkturprogrammen gibt es bei der Job-Garantie keine Inflationsgefahr, weil der ausgezahlte Lohn gesetzlich fixiert ist.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Richtlinien für die Job-Garantie - also zum Beispiel die Höhe des Lohns und die Kriterien für Ausschreibungen - werden zentral festgelegt, aber die einzelnen Stellen werden vor Ort durch die jeweiligen Ländern, Kommunen und gemeinnützigen Organisationen angeboten und verwaltet.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Job-Garantie wird von zentraler Stelle finanziert.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;Der letzte Punkt ist besonders wichtig. Die Idee der Job-Garantie basiert unter anderem auf der Einsicht, dass es einerseits Millionen von Menschen gibt, die gerne einer sinnvollen Arbeit nachgehen &lt;em&gt;würden&lt;/em&gt;, und dass es andererseits viele für die Gesellschaft sinnvollen Arbeiten gibt, die getan werden &lt;em&gt;könnten&lt;/em&gt;. Das Problem ist, dass den Kommunen und gemeinnützigen Organisationen, die diese Arbeiten normalerweise durchführen würden, das Geld dazu fehlt. Die Job-Garantie überbrückt ganz gezielt diese Finanzierungslücke.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich möchte auch den Unterschied zu klassischen "keynesianischen" Konjunkturprogrammen betonen. Klassische Konjunkturprogramme werden gefordert, wenn produktive Kapazitäten in der Volkswirtschaft brach liegen. Die Politik legt dabei Projekte fest, die umgesetzt werden sollen, und geht dann auf den Markt, um diese Projekte "zu kaufen". Sie legt sich also von vornherein auf die Art und die Anzahl der Projekte fest, nicht aber auf deren Preis. Wenn die Politik dabei das Angebot überschätzt, dann steigt der Preis, und das kann sich auf das allgemeine Preisniveau auswirken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Job-Garantie umgeht dieses Problem, indem sich die Politik nicht auf die Art und Anzahl der Projekte festlegt, sondern auf ihren Preis. Indem der Preis - genauer: der Lohn, der für Beschäftigte in der Job-Garantie gezahlt wird - politisch festgelegt wird, können die Preise nicht überraschend ansteigen, eine Inflationsgefahr gibt es daher nicht. Diese theoretische Überlegung wird auch &lt;a href="http://www.cfeps.org/pubs/wp/wp27.html"&gt;durch ökonometrische Simulationen belegt&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alles in allem bietet uns die Job-Garantie einen aus ökonomischer Perspektive realistischen Weg, um Arbeitslosigkeit grundsätzlich abzuschaffen. Gleichzeitig kann sie eine positive Transformation unserer Gesellschaft auslösen, indem Arbeit, die von gesellschaftlichem Nutzen ist, auch finanziell angemessen honoriert wird.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/11/die-job-garantie-ein-jahr-spater.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-1876282593274951206</guid><pubDate>Wed, 14 Nov 2012 14:00:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-11-14T15:00:17.223+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Vollbeschäftigung</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Vollbeschäftigung</title><description>Ich rede und streite gerne und viel über die Zukunft unserer Gesellschaft. Wie sieht die Zukunft aus? Wie können wir die Zukunft besser machen? In mir wächst die Überzeugung, dass wir ein ganz zentrales Thema im öffentlichen Diskurs permanent verankern müssen, das dort heute fehlt. Dieses Thema ist die Vollbeschäftigung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beim Wort Vollbeschäftigung denkt sich der ein oder andere erfahrungsgemäß: Ist doch Quatsch, dass jeder arbeiten soll. Darum geht es auch gar nicht. Vollbeschäftigung heißt nicht, dass jeder arbeitet. Vollbeschäftigung heißt, dass jeder, der arbeiten &lt;em&gt;will&lt;/em&gt; auch eine reguläre, angemessen bezahlte und nützliche Arbeit findet. Die Gesellschaft soll jedem die Möglichkeit geben, sich sinnvoll und Sinn stiftend einzubringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele glauben, das sei unrealistisch, weil es gar nicht genug zu tun gäbe. Aber nüchtern betrachtet sehen wir auf der einen Seite Millionen von Arbeitslosen und Unterbeschäftigten. Auf der anderen Seite sehen wir so viele nützliche Dinge, die getan werden könnten, in Infrastruktur, in Betreuung, in Bildung, in Kunst und Kultur - diese beiden Seiten müsste man nur zusammen bringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Vorteile wären viele. Der nächstliegende Vorteil ist die Abschaffung der Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit ist auf vielen Ebenen ein Verlust, für die betroffenen Menschen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt. Für die betroffenen Menschen, weil sie in Armut führt, weil sie den Menschen das zermürbende Gefühl gibt, nicht gebraucht zu werden. Die Gesellschaft verliert, weil sie auf die Arbeit dieser Menschen verzichtet. Dadurch geht Potential für reale Wertschöpfung für immer verloren. Im Gegensatz dazu wird dieses Potential durch die Vollbeschäftigung sinnvoll genutzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darüber hinaus gibt es sekundäre Vorteile. Wer eine Arbeit mit einem regulären Einkommen hat wird weniger strafanfällig. Für Kinder macht es einen ganz wesentlichen Unterschied in der Entwicklung, ob die Erwachsenen in ihrer Familie morgens früh aufstehen und zur Arbeit gehen oder nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vollbeschäftigung bietet auch Sicherheit. Wer weiß, dass er im Zweifelsfall leicht wieder eine Arbeit und damit ein reguläres Einkommen finden kann, der hat im Leben weniger Sorgen. Das stärkt auch die Position der Arbeitnehmer in Lohn- und Gehaltsverhandlungen, was wiederum dazu führt, dass sich die Löhne und Gehälter wieder angemessen entwickeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vollbeschäftigung ist ein Thema, das eigentlich auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung stoßen müsste, auch wenn es heute in den Medien kaum ein Thema ist. Warum ist es heute kaum ein Thema? Und was ist also zu tun?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum einen liegt die Erklärung sicherlich in der Funktionsweise der Medien. Damit ein Thema in den Medien erscheint, muss es von außen an die Medien heran getragen werden. Offenbar setzen selbst die Parteien und Verbände, insbesondere Gewerkschaften, die eigentlich natürliche Verbündete sein müssten, das Thema Vollbeschäftigung nicht auf die Agenda. Wir müssen hier selbst aktiv werden und ein breites gesellschaftliches Bündnis für Vollbeschäftigung schaffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum anderen vermute ich - auch wenn ich keine genauen Zahlen kenne - dass viele Menschen nicht mehr an Vollbeschäftigung glauben. Sie denken, dass es unmöglich wäre, diese zu erreichen. Wir müssen den Menschen also auch konkrete Modelle bieten, mit denen Vollbeschäftigung real implementiert werden kann. Mein persönlicher Favorit dafür ist die von Ökonomen wie Bill Mitchell, Randall Wray und Warren Mosler entwickelte &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html"&gt;Job-Garantie&lt;/a&gt;, aber ich würde mich über eine lebhafte Diskussion über verschiedene, ernst gemeinte Modelle freuen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie auch immer die Strategie aussehen mag, ich will Vollbeschäftigung als universelles gesellschaftliches Ziel im Bewusstsein der Menschen verankert sehen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es ist eine Vision für die es zu kämpfen wert ist.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/11/vollbeschaftigung.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>4</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-3942998836870543473</guid><pubDate>Sat, 30 Jun 2012 19:29:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-06-30T21:29:10.915+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>FOSS</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Mikrophon-Ärger mit Skype unter Linux</title><description>&lt;p&gt;Ich verwende auf meinem Laptop Debian, und ich konnte Skype zwar problemlos installieren; leider hat das Mikrophon unter Skype nicht funktioniert. In allen anderen Anwendungen hat das Mikrophon einwandfrei funktioniert, nur in Skype kam aus irgendeinem Grund nichts an.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Lange Zeit war mir das egal, weil ich Skype nur selten benutze, aber jetzt kam der Punkt, an dem ich mich doch auf die Suche begeben habe, und so dokumentiere ich hier meine "Lösung" des Problems für die Zukunft und für andere.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der Hintergrund der Lösung ist folgender. Unter Linux hat sich ein Audiosystem namens Pulseaudio auf dem Desktop de facto durchgesetzt. Pulseaudio kennt Audio-Quellen (z.B. das Mikrophon) und Audio-Senken (z.B. Lautsprecher). Anwendungen verbinden sich mit dem Pulseaudio-System und haken sich entweder an Audio-Quellen, um Ton aufzunehmen oder an Audio-Senken, um Ton auszugeben, oder (wie z.B. im Fall von Skype) beides.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Mein System - und wahrscheinlich so ziemlich jedes System - hat zwei Audio-Quellen. Die eine Quelle ist das Mikrophon, die andere Quelle ist eine Monitor-Quelle. Die Monitor-Quelle ist einfach ein Loopback dessen, was über den Lautsprecher ausgegeben wird. Das ermöglicht es Anwendungen, die Tonausgabe des Rechners aufzuzeichnen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Skype hat den großartigen Bug, dass es sich ausgerechnet auf meinem System nicht an das Mikrophon hängt, sondern an den Monitor. Das kann natürlich nicht funktionieren.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zum Glück gibt es ein Programm, mit dem man die dummen Entscheidungen von Anwendungsprogrammen als Anwender manuell überschreiben kann. Das geht sogar graphisch. Das Tool heißt &lt;code&gt;pavucontrol&lt;/code&gt;. Es ist schnell installiert und hat eine einfache graphische Oberfläche, über die ich Skype nun beibringen kann, dass es bitteschön meinem Mikrophon zuhören soll.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Also: -1 für einen idiotischen Bug in Skype, +1 für Pulseaudio, das einen angemessenen Workaround erlaubt und genau so funktioniert, wie es soll.&lt;/p&gt;</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/06/mikrophon-arger-mit-skype-unter-linux.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-3521459285462521001</guid><pubDate>Wed, 18 Apr 2012 17:20:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-04-18T19:20:00.341+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Warum wir ein langfristiges Haushaltsdefizit brauchen</title><description>&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes"&gt;John Maynard Keynes&lt;/a&gt; ist berühmt für seine Forderung, dass das Haushaltsdefizit des Staates antizyklisch sein soll. In Zeiten der Rezession soll die Nachfrage mit einem hohen Defizit angekurbelt werden, und diese Maßnahmen sollen in Zeiten des Booms wieder zurückgefahren werden. Das ist vernünftig. Aber heute wird oft gefordert, dass während eines Booms Haushaltsüberschüsse gefahren werden sollen, so dass Defizit und Überschuss sich langfristig gegenseitig ausgleichen. Diese Forderung geht hinten und vorne einfach nicht auf, sie ist geradezu gefährlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir brauchen langfristig ein staatliches Haushaltsdefizit von wenigen Prozent des BIP. Das bedeutet in schlechten Zeiten ein noch größeres Haushaltsdefizit und in guten Zeiten ein kleineres Haushaltsdefizit, manchmal vielleicht auch einen Überschuss, aber &lt;em&gt;im langfristigen Mittel&lt;/em&gt; muss ein Defizit herauskommen, und die Begründung ist so einfach, dass sie wirklich jeder verstehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir alle finden es als Privatleute gut, wenn wir Vermögen aufbauen können. Vermögen bedeutet Sicherheit, es bedeutet, dass wir uns ab und zu etwas Größeres leisten können, und es bedeutet zusätzliche Vorsorge fürs Alter. In unserer monetarisierten Welt ist dieses Vermögen zu einem sehr großen Teil Geldvermögen. Jedem Geldvermögen steht per Definition die Verbindlichkeit eines anderen Wirtschaftsteilnehmers gegenüber. Das kann die Verbindlichkeit einer Firma bzw. eines Unternehmers sein in Form eines Bankkredits oder einer Unternehmensanleihe, oder eine Verbindlichkeit des Staates in Form einer &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2010/09/echte-und-imaginare-schuldenprobleme.html"&gt;Staatsanleihe&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser aller privates Streben nach Geldvermögen ist so groß, dass die Verbindlichkeiten des privaten Sektors alleine nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Wenn man alle Geldvermögen im privaten Sektor aufsummiert und die Verbindlichkeiten gegenrechnet, dann bleibt ein Betrag übrig: das Netto-Geldvermögen des privaten Sektors.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erfahrungsgemäß verlangt der private Sektor Netto-Geldvermögen in Höhe von 30% bis 250% des BIP. Ein Teil davon kann durch Verbindlichkeiten des Auslands gedeckt sein, aber am Ende des Tages muss der größte Teil dieser Verbindlichkeiten von der Regierung gehalten werden. Verbindlichkeiten des Staates, vulgo Staatsschulden, sind also notwendig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was würde passieren, wenn der Staatshaushalt wirklich langfristig ausgeglichen wäre? Lasst uns ein Gedankenexperiment wagen, in dem wir die folgenden Beispielzahlen annehmen.&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;br /&gt;BIP im 1. Jahr: &lt;b&gt;1.000 Mrd. #&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;Netto-Geldvermögen des privaten Sektors im 1. Jahr: &lt;b&gt;800 Mrd. # = 80% des BIP&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;Jährliches reales Wirtschaftswachstum im Durchschnitt: &lt;b&gt;1%&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;Inflation im Durchschnitt: &lt;b&gt;1,8%&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Wenn wir mit diesen Annahmen rechnen, also einem sehr moderaten Wirtschaftswachstum und einer Inflation, die der aktuellen Zielsetzung der EZB entspricht, und weiter annehmen, dass der Staatshaushalt im Durchschnitt ausgeglichen ist, erhalten wir folgendes Ergebnis nach 25 Jahren:&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;br /&gt;BIP im 26. Jahr: &lt;b&gt;1.994 Mrd. #&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;Netto-Geldvermögen des privaten Sektors im 26. Jahr: &lt;b&gt;800 Mrd. # = 40% des BIP&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Wir sehen also, dass der private Sektor langfristig deutlich weniger Netto-Geldvermögen zur Verfügung hätte, bezogen auf die wirtschaftliche Gesamtlage. Die Menschen wären wahrscheinlich insgesamt ärmer, und das Schrumpfen der relativen Netto-Geldvermögen von 80% auf 40% wäre wahrscheinlich ein sehr schmerzhafter Anpassungsprozess.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach weiteren 25 Jahren wäre das Netto-Geldvermögen des privaten Sektors nur noch bei 20% des BIP, ein unvorstellbar niedriger Wert. Solange sich der Wunsch des privaten Sektors nach Netto-Geldvermögen nicht ändert, ist ein langfristiges Haushaltsdefizit notwendig, um die Netto-Geldvermögen aufrecht zu erhalten. In unserem konkreten Beispiel ist ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,18% des BIP notwendig, wie in den folgenden Grafiken veranschaulicht wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-align:center;" src="http://3.bp.blogspot.com/-s26-_n68XNc/T4LFxcwJiWI/AAAAAAAAAVI/ZiEQDZf6hgk/s1600/haushaltsdefizit-bip-ngv.jpg" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-algin:center;" src="http://2.bp.blogspot.com/-C3SPk1GmDCc/T4LF7mPDZDI/AAAAAAAAAVU/qeBT_hXs0MA/s1600/haushaltsdefizit-ngv-prozent.jpg" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kann sich der Wunsch nach Netto-Geldvermögen ändern? Natürlich. Aber wir müssen bedenken, dass sich dieser Wunsch zu großen Teilen aus einem Wunsch nach wirtschaftlicher Sicherheit speist. &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/woher-kommt-massenarbeitslosigkeit.html"&gt;Wer einfach blind den Haushalt kürzt, der erzeugt Arbeitslosigkeit&lt;/a&gt;. Dadurch werden die Menschen weiter verunsichert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Alternative wäre die von Vertretern der &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt; vorgeschlagene &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html"&gt;Job-Garantie&lt;/a&gt;. Diese gibt den Menschen Sicherheit, und so ist denkbar, dass der Wunsch nach Netto-Geldvermögen durch ihre Einführung sinken wird. Dann wird für einige Zeit ein kleineres Haushaltsdefizit möglich, während dieser Anpassungsprozess stattfindet. Aber solange der Wunsch nach Netto-Geldvermögen nicht auf Null sinkt, wird langfristig immer im Durchschnitt ein Haushaltsdefizit notwendig sein.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/04/warum-wir-ein-langfristiges.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-s26-_n68XNc/T4LFxcwJiWI/AAAAAAAAAVI/ZiEQDZf6hgk/s72-c/haushaltsdefizit-bip-ngv.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>9</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-1308081725095463035</guid><pubDate>Thu, 12 Apr 2012 10:12:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-04-12T12:12:00.694+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Wie funktionieren Überweisungen?</title><description>Ich schreibe auf diesem Blog immer wieder über volkswirtschaftliche Themen aus der in Deutschland nicht weit verbreiteten Perspektive der &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt;. Damit verbunden sind &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/die-schock-strategie-und-wie-es-anders.html"&gt;neue&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html"&gt;kreative&lt;/a&gt; Lösungsansätze für die wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit. Leider werden die Auswirkungen dieser Lösungsansätze oft falsch analysiert, weil wir einen massiven Bildungsmangel haben. Die wenigsten Menschen wissen, wie unser Geldsystem eigentlich funktioniert. Deshalb widme ich mich heute einem ganz unkontroversen aber grundlegenden und daher wichtigen Thema.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jeder weiß, wie man eine Überweisung tätigt. Man füllt einen Überweisungsträger aus und wirft ihn in den dafür vorgesehenen Briefkasten der Bank. Man geht mit der Bankkarte zum automatischen Bankingterminal und gibt die Überweisungsdaten ein. Oder man nutzt mit dem eigenen Computer das Onlinebanking. Aber was geschieht eigentlich hinter den Kulissen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir wollen das einmal an Hand eines ersten Beispiels verfolgen. Herr Albrecht, Kunde der Berliner Beispielbank BB, möchte 1000€ an Frau Bartel überweisen, die ihr Konto ebenfalls bei der BB führt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Überweisungsdaten werden an ein Rechenzentrum der Bank geschickt und dort verarbeitet. Irgendwo in dem Rechenzentrum gibt es eine große Tabelle mit den Kontoständen aller Kunden der BB-Bank. Da sowohl das Konto von Herrn Albrecht als auch das Konto von Frau Bartel in dieser Tabelle stehen, muss die Bank nur die Einträge in dieser Tabelle ändern, und schon ist die Überweisung abgeschlossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-align:center" src="http://1.bp.blogspot.com/-8QkfofIdNLs/T4K3zMoYUPI/AAAAAAAAAUA/NzMA_RwrgNY/s1600/ueberweisungen-kontostaende.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gesamte Überweisung besteht alleine darin, dass die Bank ihre (elektronischen) Bücher anpasst. Das ist alles. Natürlich werden auch die Details der Überweisung irgendwo gespeichert, damit sie auf dem nächsten Kontoauszug bereitgestellt werden können, und um die rechtlichen Dokumentationspflichten zu erfüllen. Solche Details sind für uns allerdings weniger wichtig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch die Überweisung ändert sich implizit auch die Bilanz der Bank. Einlagen der Kunden stehen auf der Passivseite der Bankbilanz, weil es sich dabei aus Sicht der Bank um Verbindlichkeiten bzw. Schulden handelt. Als Bankkunde mit Einlagen hat man eine Forderung gegenüber der Bank:&lt;br /&gt;man kann gegenüber der Bank einfordern, dass sie Überweisungen im eigenen Namen durchführt oder den Gegenwert als Bargeld auszahlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In unserem Beispiel ändert sich die Summe der Bilanz nicht, aber es werden Einträge auf der Passivseite verschoben, wie die folgende Grafik illustriert (die Flächen in grau stehen für andere Einträge der Bilanz, die von der Überweisung nicht berührt werden).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-align:center" src="http://4.bp.blogspot.com/-MFban9X1hxw/T4K4JSOaG9I/AAAAAAAAAUM/zMVrmJ4JQzA/s1600/ueberweisungen-bilanz-bb.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Überweisungen zwischen Banken&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Betrachten wir ein zweites Beispiel: Frau Bartel will 500# an Herrn Cuhn überweisen, der sein Konto bei der Ersten Exemplarischen Bank EE führt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Überweisungsdaten werden in einem Rechenzentrum der Bank BB, bei der Frau Bartel Kundin ist, verarbeitet. Dort kann in der Tabelle mit den Kontoständen 500# von Frau Bartels Konto abgezogen werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-align:center;" src="http://4.bp.blogspot.com/-r2O9wg6vpwg/T4K4h6Pk8fI/AAAAAAAAAUY/V10R7ESn9o8/s1600/ueberweisungen-kontostaende-bb.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber die Bank BB kann die 500# nicht direkt auf das Konto von Herrn Cuhn gutschreiben, da dessen Kontostand von der Bank EE verwaltet wird. Also kontaktiert die Bank BB die Bank EE und informiert sie über die Überweisung. Nun kann Bank EE ihre Tabelle mit Kontoständen entsprechend anpassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-align:center;" src="http://3.bp.blogspot.com/-UKnShuYDZ7c/T4K49R21IWI/AAAAAAAAAUk/8ImNJ5dBp1c/s1600/ueberweisungen-kontostaende-ee.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber Moment! Jetzt hat Bank EE eine zusätzliche Verbindlichkeit, eine Schuld gegenüber Herrn Cuhn. Warum sollte sie diese Verbindlichkeit eingehen, wenn sie dafür nichts im Gegenzug erhält? Dieses Problem wird auch in den Bankbilanzen sichtbar. Wir haben gesehen, dass die Kontostände auf der Passivseite stehen, und die Passivseite von Bank BB schrumpft jetzt während die Passivseite von Bank EE wächst. Dabei ist die eherne Regel der Buchführung, dass Aktiva und Passiva die gleiche Summe ergeben müssen. Es muss einen &lt;em&gt;Zahlungsausgleich&lt;/em&gt; zwischen Bank BB und Bank EE geben, um das Problem zu lösen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jede Bank hat ein Konto bei der Zentralbank, in Deutschland ist die &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bankleitzahl"&gt;Bankleitzahl&lt;/a&gt; gleichzeitig die Nummer dieses Kontos. Das Geld auf diesem Konto nennt man Zentralbankgeld oder &lt;em&gt;Reserven&lt;/em&gt;,&lt;br /&gt;und es wird für den Zahlungsausgleich verwendet. So wie die Banken eine Tabelle mit den Kontoständen ihrer Kunden verwalten, verwaltet die Zentralbank eine Tabelle mit den Zentralbankkontoständen der Banken. In unserem Beispiel weist Bank BB die Zentralbank an, 500# auf das Zentralbankkonto von Bank EE zu überweisen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-align:center;" src="http://2.bp.blogspot.com/-DuCJ_jtl26c/T4K5QnN3vjI/AAAAAAAAAUw/E0vfOnTd5I8/s1600/ueberweisungen-kontostaende-zentralbank.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Reserven auf dem Zentralbankkonto sind Guthaben der Bank. Es sind also Vermögen, Forderungen gegenüber der Zentralbank, und deshalb stehen sie auf der Aktivseite der Bankbilanz. Jetzt können wir ein vollständiges Bild der Bankbilanzen vor und nach der Überweisung aufstellen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="display:block; text-algin:center;" src="http://4.bp.blogspot.com/-FJ-Y8PJyEjQ/T4K5pOnTkWI/AAAAAAAAAU8/IpvCveKsNY8/s1600/ueberweisungen-bilanz-gesamt.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil Überweisungen natürlich nicht nur in eine Richtung gehen, sondern in beide Richtungen zwischen zwei Banken, und kreuz und quer im gesamten Bankensystem, benötigen die Banken für den Zahlungsausgleich insgesamt weniger Reserven als die Summe aller verwalteten Kontostände. Wenn die Überweisungen doch einmal unausgeglichen sind und eine Bank in Gefahr gerät, zu wenige Reserven zu haben, um die Überweisungen abzudecken, dann muss sie sich &lt;em&gt;refinanzieren&lt;/em&gt;. In der Regel geschieht das, indem sie sich die Reserven von einer anderen Bank ausleiht. Die Details sind aber ein Thema für einen anderen Artikel, und den &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.de/2010/09/echte-und-imaginare-schuldenprobleme.html"&gt;Zusammenhang zu Geldpolitik und Leitzins&lt;/a&gt; habe ich bereits in einem Artikel angerissen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Clearingstellen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich will fair sein: die Darstellung oben ist in ihren Grundprinzipien korrekt, die tatsächlichen Details sehen in der Praxis aber etwas anders aus. Täglich werden Millionen von Überweisungen in Auftrag gegeben, und es wird nicht für jede Überweisung einzeln Zentralbankgeld überwiesen. Stattdessen werden alle Überweisungen täglich in einer &lt;em&gt;Clearingstelle&lt;/em&gt; gesammelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende des Tages werden alle Überweisungen gegen gerechnet. Dabei wird festgestellt, welche Banken insgesamt wie viele Reserven bezahlen müssen, und welche Banken Reserven erhalten. Wenn an einem Tag Überweisungen in der Höhe von 183 Mio. # von Konten der Bank BB auf Konten bei anderen Banken in Auftrag gegeben wurden, und umgekehrt Überweisungen in der Höhe von 175 Mio. # von Konten bei anderen Banken auf Konten bei der Bank BB in Auftrag gegeben wurden, dann muss die Bank BB lediglich 8 Mio. # an Reserven in das Clearingsystem zahlen, und alle Überweisungen des Tages können auf einen Schlag ausgeführt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist gut, dies im Hinterkopf zu behalten. Durch die Clearingstellen werden Schwankungen im Tagesverlauf geglättet, und so wird die Höhe der für den Zahlungsausgleich nötigen Reserven&lt;br /&gt;weiter reduziert. Für die meisten Überlegungen kann man die Clearingstellen aber getrost ignorieren.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/04/wie-funktionieren-uberweisungen.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/-8QkfofIdNLs/T4K3zMoYUPI/AAAAAAAAAUA/NzMA_RwrgNY/s72-c/ueberweisungen-kontostaende.png' height='72' width='72'/><thr:total>3</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-2568602620869700848</guid><pubDate>Fri, 06 Apr 2012 16:44:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-04-06T18:44:00.536+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Von Geld und der Zukunft der Eurozone</title><description>Allerorten hört man Seufzen, wenn die Rede von den Staatsschulden dieser Welt ist. So hoch seien sie. Wer soll das denn jemals bezahlen, fragt man? Die Sorge kommt daher, dass wir unsere eigene Erfahrung mit Geld auf die Situation der Staaten übertragen. Die Analogie ist verlockend. Sie ist aber leider auch falsch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist eigentlich Geld? Als Kinder lernen wir Geld als physikalisches Artefakt kennen. Geld, das sind Münzen und Scheine. Stolz bezahlen wir zum ersten Mal ein Eis selbst &amp;mdash; mit Münzen. Später lernen wir, dass es Geld auch in weniger handfester Form gibt, nämlich als Zahl auf dem Konto. Diese neue Erfahrung erweitert unser Verständnis von Geld. Wir "wissen" nun, dass wir Geld auf die Bank tragen können, die es für uns hütet. Unsere Interaktion mit der Bank, bei der wir als Kinder oder Jugendliche lernen, wie man Scheine und Münzen einzahlt und sich Scheine später am Automaten wieder auszahlen lassen kann, festigt das Bild der Bank als Tresor, in dem unser physikalisches Geld lagert. Wir hören auch, dass die Bank mit unserem Geld mysteriöse Dinge tut, weshalb wir Zinsen bekommen. Wir finden das natürlich gut, auch wenn wir es &amp;mdash; Hand aufs Herz &amp;mdash; nicht so ganz verstehen. Und das, was wir zu verstehen glauben, ist in der Regel falsch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem aber hat Geld für uns nach wie vor primär physikalischen Charakter. Wir sehen Geld als ein Ding, und unsere ursprüngliche Erfahrung mit Geld aus der Kindheit hinterfragen wir nicht. Das ist nicht wirklich unsere Schuld. In der Regel gibt es keinen Erwachsenen, der uns dazu ermuntern würde und dabei anleiten könnte. Das steht im deutlichen Gegensatz zum Beispiel zu unserem intuitiven Verständnis der physikalischen Welt, das im Schulunterricht gehörig auf den Kopf gestellt wird. Wer käme denn als Kind von alleine auf die Idee, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt? In der Schule und anderswo lernt man solche Tatsachen, und erlangt so ein schlüssiges und weitgehend korrektes Bild der physikalischen Welt, das sich vom kindlichen Verständnis in vieler Hinsicht deutlich unterscheidet. Eine äquivalente Bildung in Sachen Geld fehlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daher denken die meisten Menschen leider auch als Erwachsene so über Geld, als wäre es ein physikalisches Artefakt. Für das Privatleben ist das in Ordnung. Menschen sind über Jahrtausende davon ausgegangen, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums steht. Die falsche Annahme hat unseren fernen Vorfahren nicht geschadet, weil sie für ihren Wirkungskreis schlicht egal war. Genauso ist die Vorstellung von Geld als physikalischem Artefakt im Privatleben nicht weiter schädlich, weil sie dort als Analogie gut funktioniert. Aber die Analogie bricht in sich zusammen, sobald man die Mikroökonomie verlässt und über Wirtschafts- und Finanzpolitik auf makroökonomischer Ebene redet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber was ist Geld denn nun wirklich? Es gibt keinen Konsens, der von heute auf morgen als ewige Wahrheit in die Schulbücher aufgenommen werden könnte, aber es gibt hilfreiche Sichtweisen, die unser Verständnis erweitern können. Insbesondere gibt es den Zusammenhang von Geld und Schulden, Vermögen und Verbindlichkeiten, der für mich hier im Vordergrund steht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geld ist Ausdruck einer Beziehung zwischen Menschen oder Institutionen. Jede Form von Geldbesitz ist gleichzeitig die Schuld bzw., mit weniger moralischen Konnotationen gesagt, die Verbindlichkeit eines anderen. Das Geld auf dem Bankkonto ist unser Vermögen und zugleich eine Verbindlichkeit der Bank. Wenn wir eine Anleihe besitzen, wie zum Beispiel einen Bundesschatzbrief, dann ist dieses Vermögen zugleich Verbindlichkeit des Ausgebers der Anleihe. Und die Banknoten, die wir mit uns tragen, sind &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralbankbilanz#Aufbau_einer_Zentralbankbilanz"&gt;Verbindlichkeiten der Zentralbank&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Erkenntnis spiegelt sich in den Prinzipien der Buchführung wieder. Ich will das an einem Beispiel illustrieren. Wenn jemand etwas online auf Rechnung gekauft und noch nicht bezahlt hat, dann hat der Verkäufer ihm gegenüber eine Forderung. Diese Forderung ist eine Form von Geldvermögen. Auf der anderen Seite hält der Käufer eine Verbindlichkeit in seinen Büchern, nämlich die Verpflichtung, die Rechnung zu bezahlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://1.bp.blogspot.com/-O-i4XuCIZr8/T1ZNQLs03jI/AAAAAAAAATc/ldpcNrH-Rws/s1600/kauf-dreiparteien-1.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie bezahlt der Käufer seine Rechnung? In der Regel per Überweisung, also mit Geld von seinem Konto. Dieses Geld auf dem Konto ist eine Forderung, die er gegenüber der Bank hat. In seiner privaten Bilanz löschen sich diese Forderung und die Verbindlichkeit gegenüber dem Verkäufer gegenseitig aus, sobald er die entsprechende Überweisung tätigt. Gleichzeitig wird die Forderung des Verkäufers uns gegenüber in eine Forderung gegenüber der Bank umgewandelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://3.bp.blogspot.com/-mI5NSQUdBzw/T1ZNXPNuLnI/AAAAAAAAATo/DCtCbriOSdU/s1600/kauf-dreiparteien-2.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man erkennt an diesem Beispiel einige zentrale Grundprinzipien eines Geldsystems:&lt;br /&gt;&lt;ol&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;An jeder Transaktion sind, wenn man genau hinsieht, nicht nur zwei, sondern mindestens drei Parteien beteiligt: ein Käufer, ein Verkäufer, und ein Zahlungsdienstleister. In unserem Beispiel wird die letzte Funktion durch die Bank ausgefüllt. Wenn Käufer und Verkäufer ihre Konten bei verschiedenen Banken führen, dann erfüllen die Banken gemeinsam mit einer Clearingstelle (im Zweifelsfall ist das die Zentralbank) diese Funktion. Bei einer Barzahlung ist der Zahlungsdienstleister die Regierung in Form der Zentralbank, deren Dienstleistung in diesem Fall lediglich in der Produktion von Bargeld besteht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In jedem Fall stehen sowohl der Käufer als auch der Verkäufer in einer Geschäftsbeziehung zum Zahlungsdienstleister. Der Käufer hat zu Beginn eine Forderung gegenüber dem Zahlungsdienstleister, die dann als Zahlung in den Besitz des Verkäufers übergeht. Dieses Drei-Parteien-Prinzip wird besonders von den &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Monetary_circuit_theory"&gt;italienischen Circuitists&lt;/a&gt; gerne betont.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Dadurch, dass der Käufer seine Schulden beglichen hat, ist die Bilanzsumme der Volkswirtschaft insgesamt geschrumpft. Vorher war die Bilanzsumme insgesamt gestiegen, als der Verkäufer implizit einen kurzfristigen, zinsfreien Kredit gewährt hat. Gleiches gilt für die Brutto-Geldvermögen, also die Summe aller finanzieller Forderungen ohne Gegenrechnung der Verbindlichkeiten. Durch den impliziten Kredit wurde eine neue Forderung geschaffen, und durch die Rückzahlung des Kredits wurde sie wieder vernichtet.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Anders sieht es beim Netto-Geldvermögen aus, also wenn man die Verbindlichkeiten von den Forderungen abzieht. Das persönliche Netto-Geldvermögen des Käufers schrumpft durch den Kauf, was hoffentlich durch den realen Wert der gekauften Ware ausgeglichen wird. Aber über alle beteiligten Parteien aufsummiert bleibt das Netto-Geldvermögen gleich.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;An dieser Stelle sei der &lt;a href="http://econviz.com/balance-sheet-visualizer.html"&gt;Balance Sheet Visualizer&lt;/a&gt; empfohlen, auf dem man sich die Auswirkungen vieler wirtschaftlicher Transaktionen aus Sicht der Buchführung einmal selbst veranschaulichen kann. Dabei wird auch schnell klar, dass das Netto-Geldvermögen, wenn man es über &lt;em&gt;alle&lt;/em&gt; wirtschaftlichen Akteure summiert, &lt;em&gt;immer&lt;/em&gt; konstant bleibt, weil jeder Forderung eine gleich hohe Verbindlichkeit gegenüber steht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Genauso wird klar, dass Staatsschulden einfach nur das rechnerische Gegenstück zum Netto-Geldvermögen des privaten Sektors plus Ausland sind. Mit dieser Erkenntnis sieht man in der Austeritätsdebatte klarer. Staatsschulden sind nichts Schlechtes, genau wie Geldvermögen im privaten Sektor nichts Schlechtes sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicher, wenn die Vermögen zu ungleich verteilt sind, dann sollte man dagegen etwas tun. Eine daran ausgerichtete Politik sähe aber ganz anders aus als das, was bei uns zur Zeit passiert. Und abgesehen von Verteilungs- und Gerechtigkeitsfragen ist es doch gut, wenn Privatpersonen in der Lage sind, ordentliche Vermögen und die damit verbundene wirtschaftliche Freiheit zu erlangen. Entsprechend sind auch die damit verbundenen Staatsschulden gut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Höhe der Staatsschulden ist in der Eurozone nur deshalb so problematisch, weil die Mitgliedsstaaten nicht mehr &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/10/def-souveran-monetarer.html"&gt;monetär souverän&lt;/a&gt; sind. Ein vergleichender Blick in die USA ist da lehrreich. Der Schuldenstand der meisten US-Bundesstaaten liegt deutlich unter 20% des jeweiligen BIP. Die Finanzmärkte dort würden selbst die Maastricht-Grenze von 60% für die Bundesstaaten nicht akzeptieren. Es ist also kein Wunder, dass sich die Finanzkrise in der Eurozone zu einer Schuldenkrise entwickelt hat. Schließlich sind die Eurostaaten in Geldfragen in der gleichen Situation wie die US-Bundesstaaten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Blick in die USA zeigt aber auch, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/die-schock-strategie-und-wie-es-anders.html"&gt;wie die Eurozone repariert werden kann&lt;/a&gt;. Die dortige Bundesregierung ist monetär souverän und &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/09/echte-und-imaginare-schuldenprobleme.html"&gt;kann daher einen beliebig hohen Schuldenstand erreichen&lt;/a&gt;, ohne von den Finanzmärkten bedrängt zu werden. Man erinnere sich an das totale Desinteresse der Märkte an der Herabstufung durch Standard &amp; Poor's.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies ist der Weg, der auch für die Eurozone vorgezeichnet ist. Eine monetär souveräne europäische Institution wird analog zur US-Bundesregierung auf lange Sicht den größten Teil der Schulden der Mitgliedsstaaten übernehmen, und sie wird auch danach fiskalisch aktiv bleiben, entweder direkt mit einem eigenen Haushalt oder indirekt über Weisungsbefugnisse an die Euromitglieder. Vor einigen Monaten mag das noch utopisch geklungen haben, aber da es der einzige gangbare Weg ist wird er nach vielem Hin und Her gegangen werden. Der Kauf von Anleihen durch die EZB und der Aufbau von EFSF, ESM und Fiskalpakt sind die ersten Schritte in diese Richtung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angesichts dessen möchte ich mit zwei Aufrufen schließen. Erstens, emanzipiert Euch von der kindlich-naiven Vorstellung von Geld als physikalischem Ding, und damit auch von dem Glauben, dass öffentliche Schulden und Defizite inhärent schlecht sind. Natürlich gibt es viele Staatsausgaben, die dumm sind. Aber unabhängig davon, dass einzelne Ausgaben schlecht sein können, ist ein langfristiges öffentliches Defizit meistens eine gute Sache, da es die Wirtschaft und die Menschen im privaten Sektor stützt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An dieser Stelle grenzt sich &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt; ganz bewusst von Keynes ab. Der Staatshaushalt sollte sich antizyklisch bewegen, aber es gibt keinen Grund, einen langfristig ausgeglichenen Haushalt zu fordern. In der Regel ist ein Defizit auch im langfristigen Durchschnitt notwendig und gut, da es dem Verhalten des Privatsektors besser entspricht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überlegt Euch zweitens, welche Machtstrukturen Ihr bei der besagten monetär souveränen Institution für Europa vorfinden wollt. Sie wird über Geldflüsse in einer Größenordnung entscheiden, die die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone nachhaltig fördern, aber auch beschädigen können. Damit wird sie langfristig über das Schicksal von mindestens 300 Millionen Menschen mit bestimmen &amp;mdash; deutlich mehr, wenn die Eurozone planmäßig ausgeweitet wird. Wer soll da am Hebel sitzen? Wie kann gewährleistet werden, dass diese Institution nicht im Interesse der Banken oder der sprichwörtlichen 0,1%, sondern im Interesse der gesamten Bevölkerung handelt? Darüber sollten wir nachdenken, bevor Tatsachen geschaffen werden. Ich wünsche uns allen viel Erfolg.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/04/von-geld-und-der-zukunft-der-eurozone.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/-O-i4XuCIZr8/T1ZNQLs03jI/AAAAAAAAATc/ldpcNrH-Rws/s72-c/kauf-dreiparteien-1.png' height='72' width='72'/><thr:total>3</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-8710073903549879704</guid><pubDate>Wed, 25 Jan 2012 16:10:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-01-25T17:10:01.562+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Warum Geld?</title><description>Geld durchdringt unser Leben. Wenn dann mit dem Geld etwas gehörig schief läuft, wie in der sich nun schon seit Jahren in verschiedenen Formen hinziehenden Krise, dann wird schnell der Ruf laut, das Geld doch am Besten gleich ganz abzuschaffen. Das ist verständlich, wird Geld doch als Wurzel allen Übels wahrgenommen. Es ist aber auch intellektuell faul, da der Ruf nach Geldabschaffung in der Regel nur die eigene Unverständnis und Hilflosigkeit vertuschen will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zugegeben, sich dem Thema ernsthaft zu nähern kostet Zeit und Arbeit, und ab und zu muss man auch die eigenen Vorurteile ablegen. All das kann unangenehm sein. Ich versuche trotzdem, mich dem immer wieder zu stellen. Daraus entstehen dann unter anderem meine Blogeinträge zur &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt;. Und heute will ich mich ganz konkret der Frage widmen, ob Geld nicht vielleicht unausweichlich ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie werden innerhalb einer Gesellschaft die erwirtschafteten Güter verteilt? Man mag sich einen idyllischen kleinen Stammesverband vorstellen, in dem Geld dabei keine Rolle spielt. Es wird gejagt und gesammelt, und danach wird irgendwie verteilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber wer bekommt das größte Stück Fleisch? Wer bekommt die besten Felle? Wie auch immer die Entscheidung getroffen wird, niemand wird gerne übervorteilt. Damit es nicht zu Handgreiflichkeiten kommt, müssen die Stammesmitglieder den Überblick darüber behalten können, was fair und angemessen ist, und darüber Einigkeit herstellen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dafür sind sowohl großer Verstand als auch ein gutes Gedächtnis nötig. Eine beliebte Theorie besagt, dass sich der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neocortex"&gt;Neocortex&lt;/a&gt; im Wesentlichen zur Bewältigung sozialer Aufgaben dieser Art entwickelt hat. Der Anthropologe &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Robin_Dunbar"&gt;Robin Dunbar&lt;/a&gt; hat eine Korrelation zwischen der Größe dieses Teils der Großhirnrinde und der typischen Größe sozialer Gruppen unter anderen Primaten festgestellt. Daraus hat er errechnet, dass die maximale Gruppengröße beim Menschen irgendwo &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Dunbar%27s_number"&gt;zwischen 100 bis 230 Individuen&lt;/a&gt; liegen müsste. Wenn diese Größe überschritten wird, sind wir geistig nicht mehr in der Lage, den Überblick zu behalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit anderen Worten: wenn unser soziales und wirtschaftliches Netzwerk eine bestimmte Größe überschreitet, kann die Verteilung wirtschaftlicher Güter ohne technologischen Fortschritt nicht mehr funktionieren. Dieser Fortschritt bestand, historisch gesehen, in der schrittweisen Entwicklung von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tontafel"&gt;Schrift&lt;/a&gt;, Arithmetik, und Geld. Aber ist Geld unausweichlich?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie werden innerhalb einer Gesellschaft die erwirtschafteten Güter verteilt? Die Entstehungsgeschichte von Geld, die in der VWL meist erzählt wird, ist ziemlich naiv und hält empirischen Untersuchungen nicht stand. Aber sie legt zumindest nahe, dass reiner Tauschhandel für ein hochgradig differenziertes Wirtschaftssystem nicht geeignet ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann in einem Restaurant essen gehen, obwohl ich persönlich der Restaurantbesitzerin keinen realen Wert anbieten kann. Sie benötigt keine meiner besonderen Fähigkeiten, und auch an den Sachwerten, die ich besitze, hat sie wenig akutes Interesse. Aber es gibt in unserer Gesellschaft Personen und Organisationen, die meine Fähigkeiten nutzen wollen. Mittels Geld wird diese Wertschätzung greifbar und, noch wichtiger, übertragbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geld ist eine flexible Abstraktion, die entgegen der Richtung von realen Gütern und Dienstleistungen zirkuliert. Ich bezahle im Restaurant, die Restaurantbesitzerin bezahlt Steuern, ihre Angestellten und Lieferanten, die wiederum ihre Angestellten und Lieferanten bezahlen, und so weiter. Mein Zahlungsstrom verzweigt sich und vermischt sich mit anderen, und irgendwann landet er wieder bei einer Organisation, die mein Gehalt bezahlt. Ohne Geld scheint eine derart komplexe Struktur kaum möglich. Aber geht es wirklich nicht anders?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie werden innerhalb einer Gesellschaft die erwirtschafteten Güter verteilt? Vielleicht hilft ein Beispiel bei der Beantwortung dieser Frage. Sagen wir, 100.000 Menschen in Deutschland hätten gerne ein neues &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tablet_computer"&gt;Tablet&lt;/a&gt;, aber auf Grund beschränkter Produktionskapazitäten sind in naher Zukunft nur 50.000 verfügbar. Diese Einschränkung ist wichtig: die Verteilungsfrage würde sich nicht stellen, wenn wir Tablets einfach herbei zaubern könnten. Aber das können wir leider nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedes Verteilungssystem muss mindestens zwei Dinge leisten:&lt;ol&gt;&lt;li&gt;Besagte 100.000 Menschen müssen kommunizieren können, dass sie gerne ein Tablet hätten.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die 50.000 verfügbaren Einheiten müssen auf die 100.000 Menschen verteilt werden.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;Hier ist die vermutlich einfachste Alternative zu dem heute bei uns praktizierten Verfahren. Wir könnten ein Formular bereitstellen, mit dem sich jeder selbst als Nachfrager eintragen kann. Danach werden die 50.000 verfügbaren Einheiten unter allen 100.000 Angemeldeten verlost.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein jeder mag sich zu den Schwächen und Unzulänglichkeiten dieses Modells seine eigenen Gedanken machen. Hier ist der m.E. größte Haken: das Modell ist unfair. Was jemand von der Gesellschaft bekommt ist &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stochastische_Unabh%C3%A4ngigkeit"&gt;unabhängig&lt;/a&gt; von dem, was er für die Gesellschaft leistet. Selbst die blauäugigsten Verfechter eines &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen"&gt;bedingungslosen Grundeinkommens&lt;/a&gt; werden kaum behaupten, dass alle für unsere Gesellschaft notwendigen Arbeiten erledigt würden, wenn die Verteilung aller Güter allein nach diesem Zufallsprinzip geschähe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwie wollen und müssen wir als Gesellschaft bewerten und dokumentieren, wie viel jemand, idealerweise im rein moralischen Sinne, verdient hat. Wir können uns winden, aber was bleibt uns am Ende anderes übrig, als dafür Zahlen zu verwenden? Und sind diese Zahlen dann nicht zwangsläufig zu Geld de facto äquivalent?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht gäbe es mehr Restriktionen, wann und wie diese Zahlen hin- und hergeschoben werden können. Aber solche Restriktionen gibt es auch für unser heutiges Geld, und im Übrigen gibt es gute Gründe dafür, diese Zahlen prinzipiell für jeden verschiebbar zu machen - für privates Unternehmertum ist das zum Beispiel unabdingbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein anderer Haken des reinen Zufallsprinzips ist, dass es zu zufällig ist. In der Regel werden die meisten Menschen mit der Mischung an Gütern, die sie erhalten haben, nicht zufrieden sein. Es ist naheliegend, mit anderen zu tauschen. Aus diesem Tauschgeschäft wird zwangsläufig etwas entstehen, das zu Geld de facto äquivalent ist. Das kann das reale Äquivalent von &lt;a href="http://www.diablowiki.com/The_Stone_of_Jordan"&gt;Stones of Jordan&lt;/a&gt; sein. Zigaretten wären angesichts der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zigarettenw%C3%A4hrung"&gt;empirischen Erfahrung&lt;/a&gt; ein naheliegender Kandidat. Wahrscheinlich ist auch, dass professionelle Tauschhändler ein eigenes Punktesystem einführen. Dann kommt jemand auf die Idee, dass man doch eigentlich Punkte beim Händler A gegen Punkte beim Händler B tauschen können müsste, und auf diese Weise wird unser modernes Geldsystem schrittweise neu erfunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann das Thema drehen und wenden wie ich will, das Ergebnis ist das Gleiche. Geld, in welcher Form auch immer, ist unausweichlich. Ich habe dafür keinen Beweis, der an mathematische Standards heran reicht, aber wer hat so etwas in diesem Gebiet schon? Und abgesehen davon: wem auch immer ich begegnet bin, der Geld gerne abschaffen würde, keiner hatte bis jetzt auf die hier aufgekommenen Fragen eine durchdachte Antwort.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So bleibt für mich nur ein Schluss möglich. Geld an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist, wie wir damit umgehen, und welchen Regeln wir das Geld unterwerfen. An dieser Stelle müssen wir ansetzen und hartnäckig sein, auch wenn es manchmal kompliziert wird. Denn eins ist ganz klar: Geld ist von Menschen geschaffen, also kann es auch von Menschen geändert werden.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/01/warum-geld.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>9</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-2484381539921730910</guid><pubDate>Mon, 23 Jan 2012 19:55:00 +0000</pubDate><atom:updated>2012-01-23T20:55:00.250+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Mathe</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Zwei Briefumschläge und ein probabilistisches Wunder, Teil 2</title><description>Beim &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/12/zwei-briefumschlage-und-ein.html"&gt;letzten Mal&lt;/a&gt; habe ich ein Rätsel vorgestellt und dessen Lösung versprochen. Wer über das Rätsel noch nicht nachgedacht hat, sollte jetzt schnell in einen anderen Tab wechseln oder die folgenden Spoiler in Kauf nehmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber bevor ich die Lösung präsentiere, hier zunächst noch einmal das Rätsel in Kurzform. Der Quiz-Master M in einer Quiz-Show hat zwei verschlossene Briefumschläge, in denen jeweils ein Zettel mit einer Zahl steckt. Die beiden Zahlen sind verschieden, aber darüber hinaus ist nichts bekannt, und der Quiz-Teilnehmer T muss sich nun festlegen, in welchem Umschlag er die größere Zahl glaubt. Liegt er richtig, so kann er in die nächste Runde weiter rücken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben bereits gesehen, dass ohne ein Blick in die Umschläge die beste Strategie für T ist, einen der Umschläge zufällig auszuwählen. Er rückt dann mit Wahrscheinlichkeit 1/2 weiter. Deswegen denken wir über zwei Varianten nach.&lt;ol&gt;&lt;li&gt;Der Quiz-Master (M) öffnet einen der Umschläge und zeigt T die Zahl darin, bevor dieser sich festlegen muss.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;T darf einen Umschlag seiner Wahl öffnen und die Zahl darin ansehen, bevor er sich festlegen muss.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Dem Quiz-Master ausgeliefert&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der ersten Variante gibt es keine bessere Strategie für T, und der Beweis ist ganz ähnlich zu dem im letzten Beitrag. Wir müssen die Strategie von M nur etwas präzisieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;M schreibt in einen der Umschläge die Zahl 0. Danach entscheidet er mit Hilfe einer Münze, ob er in den anderen Umschlag die Zahl 1 oder -1 schreibt. Während der Show öffnet er immer den Umschlag mit der Zahl 0.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn sich T auf einen Umschlag festlegt, dann geschieht dies &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stochastische_Unabh%C3%A4ngigkeit"&gt;stochastisch unabhängig&lt;/a&gt; vom Münzwurf von M, und damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass T weiter rückt, in jedem Fall 1/2 (denn er liegt mit dieser Wahrscheinlichkeit richtig, egal welchen Umschlag er wählt). Der formale Beweis ist analog zu dem letztes Mal diskutierten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die Wahl des Briefumschlags ist entscheidend&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn der Quiz-Master M die geschilderte Strategie einsetzt, und aber T auswählen kann, welcher Briefumschlag geöffnet werden soll, dann sieht die Situation auf einmal anders aus. Dann wählt T nämlich einen Umschlag zufällig aus. Mit 50%-iger Wahrscheinlichkeit öffnet er dabei den Umschlag, in dem die 0 steht - und dann ist er genau so schlau wie vorher. Ebenfalls mit 50%-iger Wahrscheinlichkeit öffnet er aber den anderen Umschlag, und dann gewinnt er in jedem Fall, weil er weiß, dass der ungeöffnete Umschlag eine 0 enthält. T gewinnt also mit Wahrscheinlichkeit 75%.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Argumentation funktioniert aber nur, weil T weiß, wie sich der Quiz-Master verhält. Wie sieht es aus, wenn man dieses Wissen nicht hat? Erstaunlicherweise gibt es eine Strategie, die ganz allgemein funktioniert: T wählt zunächst eine zufällige Zahl z, gezogen gemäß einer Verteilung, deren &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dichtefunktion"&gt;Dichte&lt;/a&gt; überall positiv ist. Danach öffnet er einen der beiden Umschläge, zufällig gewählt. Wenn z größer als die Zahl im geöffneten Briefumschlag ist, so sagt T, die Zahl im anderen Umschlag sei größer, und umgekehrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie gut ist diese Strategie? Dazu unterscheidet man, ob z sich zwischen den Zahlen in den Umschlägen befindet oder nicht. Liegt z nicht dazwischen, so ist T genau so schlau wie vorher und gewinnt mit Wahrscheinlichkeit 50%. Liegt z aber zwischen den Zahlen in den beiden Umschlägen, so wird T immer richtig liegen. Da dies mit positiver Wahrscheinlichkeit geschieht, liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit von T insgesamt ein wenig über 50%.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2012/01/zwei-briefumschlage-und-ein.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-1407562714802033032</guid><pubDate>Wed, 21 Dec 2011 19:18:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-12-21T20:20:57.862+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Mathe</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Zwei Briefumschläge und ein probabilistisches Wunder</title><description>Zur Abwechslung kommt heute einmal wieder etwas Mathematisches. &lt;a href="http://www2.math.technion.ac.il/~room/"&gt;Rom Pinchasi&lt;/a&gt; hat bei uns zum Abschied heute eine Vorlesung über mathematische Puzzles gehalten, und ein besonders Schönes und Überraschendes möchte ich hier kurz vorstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sind Teilnehmer in einer Quiz-Show. Der Quiz-Master zeigt zwei verschlossene Briefumschläge, A und B. In beiden steckt jeweils ein Papier mit einer Zahl darauf. Wir wissen, dass die beiden Zahlen verschieden sind, aber darüber hinaus haben haben wir keinerlei weitere Informationen. Nun müssen wir ansagen, in welchem Briefumschlag die größere Zahl steckt. Wenn unsere Ansage richtig war, kommen wir in die nächste Runde des Wettbewerbs, andernfalls scheiden wir aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist das Beste, das wir in dieser Situation können?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die naheliegende Strategie ist, zufällig einen der beiden Briefumschläge auszuwählen. Dann kommen wir mit Wahrscheinlichkeit 1/2 in die nächste Runde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gibt es eine bessere Strategie? Die Intuition sagt Nein. Aber können wir das auch beweisen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für einen richtigen Beweis muss das Szenario richtig formalisiert werden. Vor allem müssen wir uns überlegen, was eigentlich zu beweisen ist. Es könnte zum Beispiel sein, dass immer der Umschlag A die größere Zahl enthält. Dann gibt es natürlich eine bessere Strategie. Dies wird auch nicht dadurch ausgeschlossen, dass wir nicht wissen, dass der Umschlag A immer die richtige Antwort ist. Aussagen über Wissen sind &lt;a href="http://terrytao.wordpress.com/2011/04/07/the-blue-eyed-islanders-puzzle-repost/"&gt;notorisch&lt;/a&gt; &lt;a href="http://terrytao.wordpress.com/2011/05/19/epistemic-logic-temporal-epistemic-logic-and-the-blue-eyed-islander-puzzle-lower-bound/"&gt;schwer&lt;/a&gt; handzuhaben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Lösung besteht darin, den Quiz-Master als Gegenspieler zu verstehen. Wir wollen Folgendes beweisen: Der Quiz-Master kann sich so verhalten, dass wir höchstens mit Wahrscheinlichkeit 1/2 in die nächste Runde kommen können, &lt;em&gt;egal&lt;/em&gt; welche Strategie &lt;em&gt;wir&lt;/em&gt; verwenden. Also: &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Quantor"&gt;es existiert&lt;/a&gt; eine Strategie für den Quiz-Master, so dass &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Quantor"&gt;für alle&lt;/a&gt; möglichen Strategien, die wir verwenden können, gilt: wir kommen höchstens mit Wahrscheinlichkeit 1/2 weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und das ist ganz einfach. Der Quiz-Master schreibt die beiden Zahlen auf, und wählt dann zufällig aus, welche Zahl er in welchen Umschlag steckt. Das macht er im Geheimen, so dass unsere Ansage, in welchem Briefumschlag die höhere Zahl steckt, &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stochastische_Unabh%C3%A4ngigkeit"&gt;stochastisch unabhängig&lt;/a&gt; von der zufälligen Wahl des Quiz-Masters ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um unsere Erfolgswahrscheinlichkeit zu analysieren, sollten wir zuerst ein paar &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ereignis_%28Wahrscheinlichkeitstheorie%29"&gt;Wahrscheinlichkeitsereignisse&lt;/a&gt; definieren. Sei QA das Ereignis, dass der Quiz-Master die höhere Zahl in den Umschlag A steckt, und QB das entsprechende Ereignis für den Umschlag B. Sei WA das Ereignis, dass wir ansagen, die höhere Zahl stecke im Umschlag A, und WB entsprechend für Umschlag B. Aus dem Verhalten des Quiz-Master folgt Pr[QA] = Pr[QB] = 1/2. Die Wahrscheinlichkeiten für WA und WB hängen dagegen davon ab, welche Strategie wir verwenden, aber darauf will ich mich in dem Beweis nicht festlegen (siehe oben!).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die stochastische Unabhängigkeit bedeutet, dass Pr[QA und WA] = Pr[QA] * Pr[WA] gilt, und so weiter. Das kann man im Beweis gewinnbringend verwenden. Was ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir weiterkommen? Nun, entweder wir sagen Umschlag A an (WA) und das ist tatsächlich richtig (QA) oder wir sagen Umschlag B an (WB) und das ist richtig (QB). Die Wahrscheinlichkeit ist also:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pr[QA und WA] + Pr[QB und WB] = Pr[QA] * Pr[WA] + Pr[QB] * Pr[WB] = Pr[WA] / 2 + Pr[WB] / 2 = (Pr[WA] + Pr[WB])/2 = 1/2&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit anderen Worten: wenn der Quiz-Master sich wie beschrieben verhält, dann kommen wir &lt;em&gt;immer&lt;/em&gt; mit Wahrscheinlichkeit 1/2 weiter, egal was wir tun! Und das ist der ganze Beweis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Variationen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis jetzt ist nichts Überraschendes passiert. Deswegen wollen wir die Quiz-Show nun ein wenig abändern, und zwar auf zwei leicht verschiedene Weisen:&lt;br /&gt;&lt;ol&gt;&lt;li&gt;Bevor wir uns festlegen, öffnet der Quiz-Master einen Umschlag seiner Wahl und zeigt uns, welche Zahl darin enthalten ist.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Bevor wir uns festlegen, dürfen wir einen Umschlag unserer Wahl öffnen und uns ansehen, welche Zahl darin enthalten ist.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;Was ist in diesen beiden Fällen die beste Strategie für uns? Da ich angekündigt habe, dass etwas Überraschendes passiert, ist klar: in mindestens einem der Fälle gibt es eine Strategie, bei der wir in jedem Fall mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 1/2 in die nächste Runde kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber wie genau soll das gehen? Ich lasse den geneigten Leser darüber nun selbst ein wenig nachdenken, und werde die Lösung in ein paar Tagen hier aufschreiben.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/12/zwei-briefumschlage-und-ein.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-7792373201918030088</guid><pubDate>Tue, 20 Dec 2011 10:25:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-12-20T11:25:29.235+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Die blinden Flecken des ifo-Instituts</title><description>Der &lt;a href="http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2011/12/die-euro-krise-als-glaubensfrage.html"&gt;Oeffinger Freidenker verlinkt heute&lt;/a&gt; auf ein Papier, das aus dem Dunstkreis der ifo-Instituts kommt, und kommentiert dabei gleichzeitig wahrscheinlich den meisten Lesern aus dem Herzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber wie ist es mit den Inhalten des Papiers? Es dürfte für den Leser schon einmal interessant sein, zu wissen, dass das ifo-Institut die Heimat des &lt;a href="http://szwirtschaftswatch.blogspot.com/2010/10/meister-unsinn.html"&gt;allseits beliebten&lt;/a&gt; &lt;a href="http://szwirtschaftswatch.blogspot.com/2011/04/die-weimar-luge-und-mehr-unsinn.html"&gt;Prof. Unsinn&lt;/a&gt; ist. Dementsprechend wenig überraschend werden in &lt;a href="http://www.hogareal.de/Bogenberger_Erklarung.pdf"&gt;dem Papier&lt;/a&gt; einige Dinge geflissentlich ignoriert. Das ist typisch für die Herkunft des Papier, aber leider müssen diese Dinge doch immer wieder dokumentiert werden. Hier sind die drei Wichtigsten:&lt;br /&gt;&lt;ol&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Die Rolle des deutschen Exportwahns wird unterschlagen. Tatsächlich begann die im Papier erwähnte "Kapitalflucht" erst in so richtig überwältigendem Ausmaß, &lt;em&gt;nachdem&lt;/em&gt; Deutschland dank Lohn-Dumping zum Netto-Exporteur wurde. Das ist aber auch wenig überraschend: der Leistungsbilanz müssen zwangsläufig entsprechende Kapitalflüsse gegenüberstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Will man die "Kapitalflucht" beenden, so gibt es dazu also ein ganz einfaches Mittel: beendet den Netto-Exportwahn. Eine solche Lösungsmöglichkeit wird in dem Papier aber nicht erwähnt.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Fast schon ein Klischee ist der Hinweis auf die Hyperinflation der Weimarer Republik, ohne auf die eigentlichen Ursachen einzugehen. Zu Letzeren gibt es ein gutes &lt;a href="http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1799102"&gt;Papier von Cullen Roche&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kurzfassung ist: übertrieben hohe Kriegsschulden kombiniert mit einem Kollaps der produktiven Kapazität in Folge der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrbesetzung"&gt;Ruhrbesetzung&lt;/a&gt; haben die deutsche Situation untragbar gemacht. Die Hyperinflation war dann das kleinere Übel, da man den Siegermächten auf diese Weise klar machen konnte, dass es so nicht weitergehen kann.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Es wird auf Konkurse und die niedrige Verschuldung der Bundesstaaten der USA eingegangen. Das ist richtig. Aber wer auf die USA hinweist, muss auch darauf hinweisen, dass es dort eine zentrale Bundesregierung gibt, deren Haushalt mehr als 20% des BIP ausmacht, und deren Schulden bekanntermaßen auch nicht gerade gering sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Tat erfordert eine solide Korrektur der Eurozone, dass eine zentrale Regierung mit einem zentralen Haushalt für die gesamte Eurozone geschaffen wird. Der schnellste und demokratischste Weg dorthin wäre, dem Europäischen Parlament die Befugnisse des &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/10/def-souveran-monetarer.html"&gt;monetären Souveräns&lt;/a&gt; zu geben. Ich habe über diese Option bereits früher geschrieben, z.B. &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/die-schock-strategie-und-wie-es-anders.html"&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;/ol&gt;Auch von der merkwürdigen Fixierung auf die &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2"&gt;Target&lt;/a&gt;-Salden hat sich das ifo-Institut anscheinend immer noch nicht befreien können. Es ist richtig, dass das &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_System_der_Zentralbanken"&gt;ESZB&lt;/a&gt; nicht vollständig konsolidiert ist und deshalb die nationalen Zentralbanken als Teil des Systems weiter existieren. Genauso richtig ist, dass die Bundesbank innerhalb dieses Systems gigantische Forderungen an andere nationale Zentralbanken angesammelt hat. Das sind Folgen des bereits erwähnten und von mir, nicht aber von den Autoren des Papiers, kritisierten deutschen Netto-Exportwahns. Diese Forderungen würden beim Zerfall des Eurosystems vermutlich wertlos werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Falsch ist aber, dass dies zwangsläufig Kosten für "den Steuerzahler" zur Folge hätte. Es handelt sich schließlich um Forderungen. Niemand in Deutschland hat sich in diesem Kontext für etwas verpflichtet, das er nach einem Zerfall des Eurosystems nicht erfüllen könnte. Sicher, die Bilanz der Bundesbank sähe etwas merkwürdig aus. Aber es ist nur eine Bilanz: im Zuge der Gesetzgebung für eine Wiedereinführen der Mark könnte dieses "Problem" mit einem Federstrich gelöst werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für mehr habe ich im Moment keine Zeit. Nur eine abschließende Bemerkung sei mir noch gestattet. Das Papier arbeitet mit einem typischen Trick der Meinungsmache: die meisten Aussagen die in ihm gemacht werden sind durchaus korrekt. Die politische Lüge liegt in den Dingen, die verschwiegen werden. Genau das macht das ifo-Institut so unsympathisch: seine politisch orientierten Veröffentlichungen sind durchtränkt von intellektueller Unehrlichkeit und Manipulation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Vergleich mit den USA ist das Paradebeispiel dafür. Es kann keiner behaupten, dass er die zentrale Bundesregierung dort bei seinen Überlegungen einfach übersehen hat. Warum wird sie in dem Papier trotzdem nicht einmal erwähnt? Die Antwort ist, für mich, ganz einfach: weil den Autoren klar ist, dass eine Erwähnung ein politisches Umdenken erfordern bzw. auslösen würde, und das will man um jeden Preis vermeiden.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/12/die-blinden-flecken-des-ifo-instituts.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-3038561094225745919</guid><pubDate>Mon, 19 Dec 2011 10:03:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-12-19T11:03:00.739+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Math</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>fdo</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>English</category><title>The AI Challenge - a look back</title><description>For the last four weeks, I have worked on my submission for the &lt;a href="http://aichallenge.org/"&gt;Google AI Challenge&lt;/a&gt;. The deadline has passed this morning, so it is time to relax while the official final tournament is running on the contest servers. Until yesterday, my submission was ranked quite consistently in the top 20. Then I uploaded my final version (which resets the skill) which was quite consistently better on the unofficial TCP servers, but given that everybody else was doing last minute tweaks, too, it's far too early to call.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I enjoyed the spirit of this contest immensely, and now I would like to document some of my thoughts on how my submission works. I have uploaded the source code to Github (&lt;a href="https://github.com/nhaehnle/aiant"&gt;https://github.com/nhaehnle/aiant&lt;/a&gt;) so you can peruse it while following this blog entry if you wish.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;High level structure&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The bot is divided into a number of modules that select high-level goals for the ants it controls. This is done in a very straightforward way. Every ant initially has no direction to go in (the field &lt;code&gt;Ant::assigneddirection&lt;/code&gt; is initialized to &lt;code&gt;false&lt;/code&gt; each turn). The high-level modules then simply assign directions to ants that do not have one yet, and the order in which the modules are called reflects the relative importance I assign to the various tasks. For example, the &lt;code&gt;HillDefense&lt;/code&gt; module will only assign ants that have not been assigned by the &lt;code&gt;FoodSeeker&lt;/code&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;There are two modules that fall outside of this basic structure: The &lt;code&gt;Zoc&lt;/code&gt; ("zone of control") module does not steer any ants. Instead, it keeps track of how fast my ants vs. enemy ants can reach each square of the map. And the &lt;code&gt;Tactical&lt;/code&gt; module overrides the previous decisions if necessary for ants that may be involved in combat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;The strategy modules&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The following strategy modules are used by the bot, assigning jobs to ants in the given order:&lt;ol&gt;&lt;li&gt;&lt;code&gt;FoodSeeker&lt;/code&gt;: Getting enough food is probably the most important problem of the game, and so this module comes first. It greedily sends the closest ant to each item of food that is visible, using several &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Breadth-first_search"&gt;breadth-first-searches&lt;/a&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;code&gt;HillDefense&lt;/code&gt;: When one of the bot's hills can be reached in few turns by the enemy, this module ensures that a few ants (adjusted based on the number of enemy ants in sight) stick close to the hill.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An important tweak of this code is that it does not send ants back to the hill indiscriminately. Instead, it only recalls an ant if it is too far away from the hill relative to the closest enemy. This way, ants are not needlessly wasted on patrol duty. It would probably be a good idea to treat multi-hill maps specially, but this is not done.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;code&gt;OpportunisticAttack&lt;/code&gt;: This rather stupid piece of code ensures that the ants move more aggressively towards enemy hills. After all, that is the only way to win the game.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;code&gt;Scout&lt;/code&gt;: This module assigns a tiny number of ants to re-explore squares that have not been seen in a long time.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;This is needed because the rest of the code uses the &lt;code&gt;Zoc&lt;/code&gt; module to understand that an enemy can never come out of a cul-de-sac once it's been secured. So without some re-scouting logic, the bot would simply ignore the food in those secured locations!&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;code&gt;Diffusion&lt;/code&gt;: This is a very ad-hoc heuristic to spread out my ants better than they would otherwise. There would probably have been some potential for improvement in this part of the code.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Zoc-based movement: any ant that has not been assigned a move up to this point will simply use the &lt;code&gt;Zoc&lt;/code&gt; data to move closer to the enemy. This is done in &lt;code&gt;Bot::makeMoves&lt;/code&gt; rather than in a separate module.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;On a "historical" note, it may be interesting to know that I started out with just the &lt;code&gt;FoodSeeker&lt;/code&gt; and the Zoc-based movement. Together with &lt;code&gt;Tactical&lt;/code&gt;, this was enough to get into the top 100 a bit more than two weeks before the deadline.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;The tactical logic&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The idea behind the &lt;code&gt;TacticalSm&lt;/code&gt; module is simple:&lt;ol&gt;&lt;li&gt;Carve out small &lt;code&gt;Submap&lt;/code&gt;s that contain all the ants that could potentially be involved in combat on the next turn.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Generate potential moves for both my bot and the enemy. The combination of &lt;code&gt;Submap&lt;/code&gt; and associated &lt;code&gt;PlayerMove&lt;/code&gt;s is called a &lt;code&gt;Theater&lt;/code&gt;.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Evaluate those moves using some simple scoring function.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Try to find better moves for both parties.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Repeat until time runs out.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Pick a move using one of two strategies.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;Note that my tactical code doesn't understand situations involving enemy ants of more than one enemy player. This is certainly a limitation, but it's hard to tell how bad it really is.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Most of the tactical code is about engineering, and careful consideration of the scoring function. For example, during a major code reorganization halfway through the competition, the tactical code stopped considering proximity to food in the scoring function. That hurt the performance of my bot quite significantly, and my bot's skill recovered when I turned that part of the scoring function back on.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;There are really only two clever parts. One is to use a scoring function that, by default, assigns a higher value to the own ants, to avoid costly trades of ants, but to turn on &lt;code&gt;aggressive&lt;/code&gt; mode if the own ants overpower the enemy. This switch is done randomly based on the ratio of ants, where the probability to turn on aggressive mode is conceptually a &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Logistic_function"&gt;logistic function&lt;/a&gt; in the log of the ants ratio.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The second clever part is to use a small bit of &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Rock-paper-scissors"&gt;rock-paper-scissors&lt;/a&gt; logic in the final move selection. My first method to select a move is a simple min-max (or rather, max-min): pick the move that maximizes the minimum scoring value I could possibly get, given all enemy moves under consideration. Since this is a rather conservative choice of moves, especially given that there is absolutely no look-ahead, I implemented max-average as a second strategy: choose the move that maximizes the average scoring value, where the average is over all enemy moves, weighted by their max-min value.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Of course, this strategy may sometimes be too aggressive. What's more, the best strategy may depend on the opponent. Therefore, my bot uses a variant of the &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Randomized_weighted_majority_algorithm"&gt;randomized weighted majority algorithm&lt;/a&gt; to pick the move-selection strategy. At the beginning of each turn, my bot determines what the best strategy would have been &lt;em&gt;in hindsight&lt;/em&gt; to update the weights of the strategy. One important tweak is that the weights depend both on which enemy player my bot is facing, and on the number of ants in play.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Discarded experiments&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I experimented with adding more move selection strategies, but the results were not convincing at all, perhaps because it takes longer for the bot to learn which strategy to choose, so I scrapped that again.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I also implemented map symmetry detection to guess unseen enemy hills and a corresponding module for a coordinated offense against enemy hills. The code is still there, but I have disabled it. The simple implementation I have is far too aggressive and wasteful, and I didn't feel like trying to tweak it to a point where it becomes useful.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I also did some experiments with an alternative move generation method for my tactical system, as well as a very simple implementation of the sampling-based combat system described by a1k0n on the &lt;a href="http://forums.aichallenge.org/viewtopic.php?f=24&amp;t=2044"&gt;challenge forums&lt;/a&gt;. This simple method performed worse than my tactical code; I have some ideas for improving it (just like a1k0n obviously did), but ultimately did not have the time to try them out. Those experiments can still be found in the Git history if you feel like digging through it.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I tried some automatic tuning of parameters using meta-heuristics (see the &lt;code&gt;test/tune.py&lt;/code&gt; script), but somehow that didn't yield very convincing results either.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Code quality?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I have to admit that the code is not very well documented, and some of it is rather hackish. I hope you'll forgive me for this type of one-off code.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;There is one thing that I did consistently that I would never do in another type of project, and that is keeping STL containers around as long as possible to avoid re-allocation. I intensively rely on the fact that &lt;code&gt;std::vector::clear&lt;/code&gt; does not free the allocated memory, at least in the default implementation of g++. By keeping those vectors around, I want to avoid unpleasant surprises in the performance of memory management.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I don't think this is strictly necessary, given that the bot actually uses surprisingly little memory, but it didn't hurt in this case. It reduces the maintainability of the code, which is why I wouldn't do it on other projects, but maintainability was obviously never a goal for a competition like this one.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;A neat randomization trick&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"When in doubt, throw a coin" is perhaps the most important lesson that Theoretical Compute Science teaches. When there are several directions to go in that all score the same, which one should you choose? The best approach is to choose randomly.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;To facilitate this, I pre-generated all 24 permutations of the 4 directions, and all 120 permutation of the 5 possible moves of an ant, and I randomly choose one of those permutation whenever I have a loop through directions to choose from.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sometimes, however, I have a loop through variable-sized vectors, for example, when choosing ants for an offensive move in the tactical logic. I would like to have a random permutation for those cases as well, and of course there are algorithms to generate them. But they take time, and the benefit of a perfectly uniform distribution is not that clear.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So here's a little trick I use to permute variable-sized vector of size &lt;code&gt;N&lt;/code&gt;. I pick a random prime &lt;code&gt;p&lt;/code&gt; out of a decently sized pre-generated list of large primes (larger than any &lt;code&gt;N&lt;/code&gt; the code is ever going to see), as well as a random offset &lt;code&gt;ofs&lt;/code&gt; and loop through the numbers &lt;code&gt;0..N-1&lt;/code&gt;. But instead of using these numbers &lt;code&gt;i&lt;/code&gt; as an index, I use &lt;code&gt;(p*i + ofs) % N&lt;/code&gt; as index. Since &lt;code&gt;p&lt;/code&gt; is prime different from &lt;code&gt;N&lt;/code&gt;, it is invertible &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Modular_arithmetic"&gt;modulo&lt;/a&gt; &lt;code&gt;N&lt;/code&gt;, and therefore the map &lt;code&gt;i -&gt; p*i + ofs&lt;/code&gt; is a bijection, aka a permutation. Of course, this is far from a uniformly distributed permutation: there are &lt;code&gt;N!&lt;/code&gt; potential permutations, out of which this method can generate at most &lt;code&gt;N * &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Euler%27s_totient_function"&gt;&amp;phi;&lt;/a&gt;(N)&lt;/code&gt;. But hey: it's good enough for what I need.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/12/ai-challenge-look-back.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-380672849896186142</guid><pubDate>Fri, 18 Nov 2011 17:12:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-11-18T18:12:00.468+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Gesellschaft</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Was ist und was sein soll</title><description>Die Funken des arabischen Frühlings und der Indignados sind weit über den Mittelmeerraum hinaus geflogen und haben in New York ein Feuer entfacht, dessen Funken in Form der Occupy-Bewegung nun wiederum bei uns angekommen sind. Ich nehme dies zum Anlass, ein paar Gedanken zu veröffentlichen, die ich vor langer Zeit aufgeschrieben habe. Seit etwa drei Jahren verwende ich eine E-Mail-Signatur, die seit einiger Zeit auch als Untertitel mein Blog ziert: &lt;i&gt;Lerne, wie die Welt wirklich ist, aber vergiss niemals, wie sie sein sollte.&lt;/i&gt; Dies ist der Hintergrund dieser Signatur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jeder, der schon einmal mit politischen Protesten im weitesten Sinne in Kontakt kam, dürfte ein in der ein oder anderen Form immer wiederkehrendes Schema kennen. Ein paar "aufmüpfige junge Leute" haben eine gute, vielleicht sogar etwas revolutionäre Idee, wie die Welt aussehen oder funktionieren sollte. Sie schwingen mehr oder weniger kohärente Reden voll Idealismus und verstehen nicht, wie der Rest der Welt so blind sein kann, die Wichtigkeit ihrer Ideale nicht zu sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn es schwierig wird, sie zu ignorieren, geben irgendwann die im Geiste Älteren &amp;mdash; sie sind die Vertreter des Establishments, so sehr das nach Klischee klingen mag &amp;mdash; ihre Statements ab. Man habe ja Verständnis für das, was die jungen Leute sagen, aber ihre Ideen sind vollkommen unrealistisch. Die Proteste werden diskreditiert, indem man sie naiv nennt, und der ein oder andere mimt den alterserfahrenen Weisen, obwohl die Dinge, die er sagt, nicht weise sind, sondern einfach nur zynisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das langfristige Ergebnis ist von Protest zu Protest anders. In den meisten Fällen werden die Jungen vom entgegengebrachten Widerstand einfach nur entmutigt und entpolitisiert. In einigen Fällen werden sie radikalisiert. Und manchmal bleiben sie hartnäckig, lernen dazu und setzen ihre Ideen am Ende, in der Regel in abgewandelter Form, um. Wenn dies geschieht wird die Welt meistens zu einem besseren Ort.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinter diesem Konflikt stehen zwei grundlegend verschiedene Sichtweisen auf die Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der einen Seite gibt es den Blick auf die Welt &lt;i&gt;wie sie ist&lt;/i&gt;. Dieser Blick ist essentiell um in der Welt zurechtzukommen, und jeder Mensch schult ihn mehr oder weniger bewusst sein Leben lang. Mit wachsender Erfahrung wird dieser Blick auf ganz natürliche Weise schärfer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der anderen Seite gibt es den Blick auf die Welt &lt;i&gt;wie sie sein soll&lt;/i&gt;. Wir Menschen sind einzigartig in unserer Fähigkeit, flexibel Einfluss auf unsere Umwelt zu nehmen. Unser Erfolg als Spezies liegt darin, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Aber dazu benötigen wir einen Blick dafür, wie die Welt anders aussehen könnte um dann zu entscheiden, wie wir sie verändern wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese beiden Sichtweisen sind Gegensätze, die sich ergänzen. Wer zu sehr nur für das schwelgt was sein soll, schätzt womöglich falsch ein, in wie weit seine Ideale überhaupt realisierbar sind, und wie sie &amp;mdash; womöglich in angepasster Form &amp;mdash; erreicht werden können. Wer im Gegenzug nur den Blick dafür hat, was ist, der steht der Verbesserung der Welt einfach nur im Weg. Wir müssen die beiden Sichtweisen in Einklang bringen, um langfristig erfolgreich zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist leider gar nicht so einfach, weil die typische Persönlichkeitsentwicklung dem entgegensteht. Mir fällt dazu immer wieder ein Satz aus &lt;i&gt;&lt;a href="http://www.imdb.com/title/tt0408777/"&gt;Die Fetten Jahre sind vorbei&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; ein: "Wer unter dreißig ist und nicht links, hat kein Herz, und wer über dreißig ist und immer noch links, hat keinen Verstand". Dieser Satz ist natürlich falsch. Er ist genau die Art von Pseudoweisheit, mit der das Establishment so gerne versucht, jugendlichen Idealismus zu zerstören. Aber gerade dadurch bringt er das Problem auf den Punkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir lernen erst im Laufe unseres Lebens, die Komplexität der Welt zu verstehen. Sich ernsthaft mit ihr auseinanderzusetzen erfordert geistiges Engagement und Demut vor den Grenzen des eigenen Wissens. Trotzdem müssen wir uns dem stellen &amp;mdash; viele meiner Texte entstehen letztlich aus diesem Prozess heraus. Die Gefahr ist aber, dass wir vor lauter Verständnis für das, was ist, plötzlich den Blick dafür verlieren, was sein soll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sehe kein einfaches Rezept um das zu verhindern, sondern kann nur immer wieder einen Rat wiederholen, der ganz besonders auch an mein zukünftiges Ich gerichtet ist: &lt;i&gt;Lerne, wie die Welt wirklich ist, aber vergiss niemals, wie sie sein sollte.&lt;/i&gt;</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/11/was-ist-und-was-sein-soll.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>1</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-1935503394517487153</guid><pubDate>Wed, 09 Nov 2011 18:24:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-11-09T19:24:00.178+01:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Gesellschaft</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Die Marktlogik der Popkultur</title><description>Was haben Lady Gaga, Günter Jauch, und andere Stars gemeinsam? Sie alle verdienen mehr, als ihr Talent eigentlich wert ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Frage: ganz talentfrei werden die wenigsten zum Star, zumindest nicht für lange. Vielleicht sind viele der Stars sogar deshalb zum Star geworden, weil sie tatsächlich zu den Besten in ihrem jeweiligen Gebiet gehören. Darauf kommt es mir aber hier nicht an. Worauf es ankommt ist ganz einfach. Es gibt viele, viele andere Menschen, die einer Lady Gaga oder einem Günter Jauch in deren jeweiligen Beschäftigungsfeld das Wasser reichen können, was das reine Talent angeht. Lady Gaga ist in dem, was sie tut, um Größenordnungen besser als ich, aber sie steht mit ihrem Talent nicht allein da. Warum verdient sie dann soviel mehr als andere Musiker?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um es anders zu formulieren: Talent ist in praktisch jedem Bereich und in praktisch jeder Hinsicht ungefähr &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Normalverteilung"&gt;normalverteilt&lt;/a&gt;. Einkommen ist aber -- besonders in Bereichen, die im weitesten Sinne der populären Kultur zugeordnet werden können -- &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Exponentialverteilung"&gt;exponentialverteilt&lt;/a&gt;. Woher kommt diese Diskrepanz?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieses Phänomen hat mich immer wieder gewundert. Denn zum einen läuft es dem Fairness-Verständnis der meisten Menschen zuwider. Wenn Leistung angemessen bezahlt werden soll, und die Fähigkeiten der Menschen ungefähr normalverteilt sind, sollte dann nicht auch das Einkommen ungefähr normalverteilt sein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum anderen stellt sich die Frage, warum eigentlich nicht der Wettbewerb auf "dem Markt" dieses Missverhältnis zwischen Leistung und Einkommen korrigiert. Was läuft da schief?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier ist eine Sichtweise gerade auf diese letzte Frage. Lady Gaga verkauft sich nicht auf dem Markt für Musiker. Sie verkauft sich auf dem Markt für Lady Gagas (oder Ladies Gaga?). Auf diesem Markt gibt es aber nur einen Anbieter, und dementsprechend profitiert Lady Gaga von ihrer Stellung als Monopolist. In ihrem Fall wird dieses Monopol sogar noch über das Urheberrecht staatlich gestützt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Genauso sieht es bei Günter Jauch aus, und bei praktisch jedem anderen Star der populären Kultur, sei es im Fernsehen, im Kino, in der Musik oder sonstwo. Die Stars werden nicht für ihre Leistung bezahlt, sondern für die Marke, zu der sie entweder durch Zufall geworden sind, oder zu der sie sich ganz bewusst stilisiert haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Dynamik ist heutzutage stärker als noch vor zweihundert Jahren. Auch damals konnten Stars ihre Marke monopolisieren, aber mit einer sehr viel kleineren Reichweite. Mangels moderner Kommunikationstechnologie gab es, im Vergleich zu heute, nur kleinere, dafür aber viel mehr "Kulturkreise", in denen sich jeweils lokale Stars etablieren konnten. Heute ist es schwieriger für Künstler, sich lokal zu etablieren, weil sie von den globalen Stars so leicht übertönt werden können. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach den wenigen Stars, die noch existieren, sehr viel größer. Die Verzerrung des Verhältnisses von Einkommen zu Talent wird also ebenfalls stärker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ist das gut oder schlecht? Und nach welchem Maßstab bewertet man das überhaupt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letztlich muss darauf jeder seine eigene Antwort finden. Ich persönlich finde den ganzen Zirkus zutiefst unsympathisch. Da er in vieler Hinsicht auf natürliche Weise entsteht, ja, viele Menschen es offenbar genau so und nicht anders wollen, muss man wohl damit leben. Allerdings muss man ihn nicht auch noch fördern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Insbesondere muss man ihn nicht noch &lt;a href="http://daserste.ndr.de/guentherjauch/index.html"&gt;mit öffentlichen Mitteln fördern&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor diesem Hintergrund sollten gerade die Öffentlich-Rechtlichen Sender in sich gehen und reflektieren, ob nicht vielleicht zu viele ihrer Sendungen den Namen eines Stars im Titel haben. Sollen doch von mir aus die privaten Sender ihre Stars überbezahlen. Die Öffentlich-Rechtlichen sollten einfach Wert auf gutes Programm und gute Sendungen legen (und das bedeutet übrigens nicht einfach nur verstaubte Kultursendungen!).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn dann die Schausteller oder Moderatoren dieser Sendungen im Laufe der Zeit zu Stars werden, dann ist das in Ordnung, solange die Sender sich nicht zu übertriebenen Gagen verleiten lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Grunde ist es sogar gut, wenn die Öffentlich-Rechtlichen auf diese Weise zu einer Quelle neuer Stars werden. Dann  besteht zumindest die geringe Hoffnung, dass sich die Aufmerksamkeit der Popkultur etwas weniger stark konzentriert, und dadurch die ungleiche Einkommensverteilung zumindest ein klein wenig abgeflacht werden kann.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/11/die-marktlogik-der-popkultur.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>1</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-6598942594659540138</guid><pubDate>Thu, 20 Oct 2011 19:53:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-10-20T22:02:07.298+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Der Rettungsplan der Troika wird fehlschlagen. Zeit für das Endspiel</title><description>&lt;em&gt;Von L. Randall Wray. Aus dem Englischen übersetzt von Nicolai Hähnle.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wieder zieht ein Rettungsplan für die Währungsunion seine Runden durch Mitteleuropa&amp;mdash;das verfügbare Gesamtvolumen wird auf umgerechnet 600 Milliarden Dollar erhöht. Deutschland hat zugestimmt, seinen Beitrag zum Fonds um mehr als umgerechnet 100 Milliarden Dollar zu erhöhen. Aber die Slowakei hat ihr Veto gegen die Rettung ausgesprochen, und alle Augen richten sich nun auf den kommenden Gipfel am 23. Oktober. (Anm. d. Ü.: Seit Erscheinen des Originalartikels hat das slowakische Parlament dem Rettungsplan &lt;a href="http://www.taz.de/!79891/"&gt;zugestimmt&lt;/a&gt;.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Sorge: irgendein Rettungspaket wird kommen, egal was geschieht, weil das Zentrum Europas seine Banken retten will&amp;mdash;und diese halten Milliarden von Euros in den gefährdeten Staatsanleihen. Niemand ist dumm genug um zu glauben, dass der jetzige Plan reichen wird. Zuletzt hat es die Dexia Group getroffen, einen belgisch-französischen Giganten, der sich auf Staatsschulden spezialisiert hat. Er wurde bereits einmal gerettet und muss jetzt wieder gerettet werden. Aber Dexia is nur der Dominostein des Tages&amp;mdash;auch die anderen europäischen Banken werden fallen. Das ist kein griechisches Problem. Es ist kein irisches Problem. Es ist kein portugiesisches Problem. Es ist kein spanisches Problem. Es ist kein italienisches Problem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist ein Problem der Währungsunion selbst, und einfach nur Löcher zu stopfen wird niemals ausreichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Konstruktionsfehler der Währungsunion ist die Trennung der Staaten von ihren Währungen, wie ich, zusammen mit Charles Goodhart, Warren Mosler und Wynne Godley, seit langem argumentiere. (&lt;a href="http://www.levyinstitute.org/pubs/ppb_106.pdf"&gt;Hier&lt;/a&gt; ist ein neuerer Policy Brief zum Thema.) Und wie ich vor wenigen Wochen gesagt habe ist die Währungsunion ein System, dessen Scheitern bereits im Entwurf veranlagt war. Es gibt keine zentrale Regierung, von der die Währung ausgegeben wird. Deshalb gibt es niemanden, der in hinreichend großem Umfang Fiskalpolitik machen kann, um Wirtschaftszyklen entgegenzutreten, geschweige denn um eine Finanzkrise in der Größenordnung, wie wir sie seit 2007 sehen, in den Griff zu kriegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der nahende Sturm&amp;mdash;wenn die Finanzinstitute gezwungen werden, sich dem wahren Ausmaß ihrer Verluste zu stellen&amp;mdash;wird die Eurostaaten überwältigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selbst wenn die Eurostaaten nicht alle Hände voll damit zu tun hätten, mit den Fingern aufeinander zu zeigen und über die verschwenderische Ausgabenpolitik der jeweils anderen zu schimpfen, würde die gegenwärtige Konstruktion der Eurozone eine wirksame Antwort auf die Krise verhindern. Wenn Finanzmärkte ein Mitglied der Währungsunion angreifen, dann gerät es schnell in eine teuflischen Schuldenfalle, weil seine Zinssätze steigen und ein Loch in den Haushalt reißen. Die anderen Staaten können bestensfalls ein Schuldenpaket zusammenstellen, bei dem zu etwas besseren Bedingungen Geld verliehen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber was die hoch verschuldeten Staaten brauchen sind nicht noch mehr Schulden, sondern ein Schuldenerlass und Wirtschafswachstum. Der Sparkurs, der ihnen im Gegenzug für den niedrigeren Zinssatz abverlangt wird, schädigt ihre Wirtschaft, wodurch das Defizit größer wird und noch mehr Schulden gemacht werden müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist die Falle, in die der verschuldete Staat rutscht: wenn er sich Geld von den Märkten leiht, dann steigen die Zinssätze; wenn er von den anderen Eurostaaten oder dem IWF leiht, geht sein Wirtschaftswachstum zurück und die Steuereinkünfte sinken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist eine Zwickmühle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Lösung für die in Schwierigkeit geratenen Staaten ist, die Währungsunion zu verlassen und zu einer eigenen, von der dann souveränen Regierung ausgegebenen Währung zurückzukehren&amp;mdash;also die Drachme für Griechenland, Lira für Italien, und so weiter. Die Umstellung wird für kurzfristig für Chaos und damit verbundene Kosten sorgen. Aber die Staaten könnten danach ihre innere Handlungsfähigkeit wieder herstellen und die Krise bekämpfen. Ein Zahlungsausfall bei Anleihen, die in Euro laufen, wäre notwendig. Die EU könnte mit Sanktionen reagieren. Aber das wäre besser als das Konzept von Nord- vs. Süd-Euro, "Teutonic vs. Latin", das vorgeschlagen wurde, und die Staaten einfach nur an eine andere externe Währung binden würde. Ein Staat wie Griechenland wäre genauso handlungsunfähig wie jetzt, wenn auch mit einer abgeschwächten Währung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Auflösung der Währungsunion nicht gewollt ist, dann ist die einzige echte Lösung, sie grundlegend zu umzubauen. Viele Kritiker machten die EZB für das schleppende Wachstum vor allem der Peripherie verantwortlich. Die EZB habe den Leitzins zu hoch gehalten, als dass Vollbeschäftigung hätte erreicht werden können. Ich war immer der Ansicht, dass dieses Argument falsch ist&amp;mdash;nicht weil ein niedriger Leitzins nicht wünschenswert gewesen wäre, sondern weil selbst mit der perfekten Zentralbank das wahre Problem immer noch bei der beschränkten Handlungsfähigkeit der Politik in Sachen Fiskalpolitik gelegen hätte. Tatsächlich haben Claudio Sardoni und ich vor ein paar Jahren gezeigt, dass die Geldpolitik der EZB nicht wesentlich strenger war als die der Fed. Trotzdem hat sich die US-Wirtschaft durchwegs besser entwickelt. (&lt;a href="http://www.levyinstitute.org/pubs/wp_431.pdf"&gt;Working Paper&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war die Fiskalpolitik, in der sich die beiden Währungszonen unterscheiden. Der Haushalt der Regierung in Washington macht mehr als 20% des BIP aus, und das üblicherweise bei einem Defizit von mehreren Prozent des BIP. Im Unterschied dazu macht der Haushalt des EU-Parlaments weniger als 1% des BIP aus. Die einzelnen Eurostaaten haben zwar versucht, diese Lücke durch Defizite der eigenen Regierungen füllen, aber das hat zu genau den Problemen geführt, die wir heute sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Defizite und Schulden stiegen, haben die Märkte die Zinssätze erhöht. Sie haben erkannt, dass die Eurostaaten&amp;mdash;im Gegensatz zu souveränen Staaten wie die USA, Japan oder Großbritannien&amp;mdash;die Nutzer einer externen Währung sind. Wie ich schon früher argumentiert habe ist ihre Situation eher mit der von US-Bundesstaaten vergleichbar. Sie könnten zwar einerseits viel größere Defizite haben als US-Bundesstaaten (die alle bis auf zwei durch ihre Verfassung dazu gezwungen werden, den Haushalt auszugleichen)&amp;mdash;teilweise auch wegen der Erwartung, dass die EZB den Zentralbanken der Länder aushelfen würde, wenn die Dinge schlecht laufen. Andererseits unterstützt Washington die US-Bundesstaaten mit seiner Fiskalpolitik&amp;mdash;diese Stütze fehlt den Eurostaaten. Bestenfalls könnten sie Euro von europäischen Institutionen oder dem IWF leihen. Aber das erhöht nur die Zinssätze und führt in die teuflische Schuldenfalle. Als Folge fließt ein größerer Teil der Defizite in der Währungsunion in Zinszahlungen, die nicht gerade der beste Konjunkturimpuls sind. Amerika vermeidet dies zu einem gewissen Grad, indem die Bundesstaaten von den Märkten zu ausgeglichenen Haushalten gezwungen werden, während Washington die Folgeschäden durch Ausgleichszahlungen dämpft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sobald die Schwäche der Währungsunion verstanden ist, ist es nicht schwer, die Lösungen zu sehen. Eine besteht darin, den fiskalpolitischen Handlungsspielraum des EU-Parlaments zu vergrößern, zum Beispiel indem sein Budget auf 15% des BIP erweitert wird und ihm die Möglichkeit gegeben wird, Schulden aufzunehmen. Ob die Entscheidungen über die Ausgaben zentral gefällt werden sollen ist eine politische Frage&amp;mdash;das Geld könnte einfach auf pro-Kopf-Basis an die einzelnen Eurostaaten überwiesen werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die EZB kann dies tun. Man kann die Regeln zum Beispiel so ändern, dass die EZB Anleihen der Mitgliedstaaten im Wert von bis zu 6% des BIP der gesamten Eurozone kaufen kann. Als Käufer kann sie den Zinssatz festlegen, am besten wohl auf den Leitzins der EZB oder auf einen festen Spread darüber. Auch hier würden die Kontingente auf die Mitgliedsstaaten auf einer pro-Kopf-Basis verteilt. Dies ist ähnlich zu dem Vorschlag der "Blue Bonds" und "Red Bonds", &lt;a href="http://www.economonitor.com/lrwray/2011/09/29/euro-toast-anyone-the-meltdown-picks-up-speed/"&gt;den ich vor einigen Wochen besprochen habe&lt;/a&gt;. Die Staaten könnten auch weiterhin Anleihen auf dem freien Markt ausgeben, so dass sie mehr als die von der EZB getragenen Schulden aufnehmen könnten&amp;mdash;so wie auch US-Bundesstaaten Anleihen ausgeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann sich Varianten dieser Idee ausdenken, zum Beispiel die Schaffung einer Euro-weiten Finanzierungsbehörde, die von der EZB abgesicherte Schulden ausgibt um die Schulden der Regierungen aufzukaufen&amp;mdash;wiederum vergleichbar mit den "Blue Bonds". Essentiell ist aber, dass die Schulden zentral garantiert werden, dass also die EZB oder die EU als Ganzes hinter den Schulden steht. Dadurch bleiben die Zinssätze niedrig und die "Marktdisziplin" sowie der Teufelskreis der Schulden wird entfernt. Indem die Anleihen nach einer Formel (d.h. pro Kopf) auf die Mitgliedsstaaten verteilt werden, sollte jeder den gleichen Zinssatz erhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;All diese Vorschläge sind technisch einfach und wirtschaftlich vernünftig. Sie sind politisch schwer umsetzbar. Je länger die EU wartet, um so schwieriger wird es. Krisen verstärken die Rufe nach Auflösung, vergrößern die Wahrscheinlichkeit einer Trennung und vergrößern gegenseitige Feindseligkeiten. Dies wiederum verzögert eine echte Lösung, wodurch eine "Great Depression 2.0"&amp;mdash;die Kombination eines Abschwungs zusammen mit Schuldendeflation à la Fisher&amp;mdash;immer wahrscheinlicher wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich werde mein Argument, &lt;a href="http://www.economonitor.com/lrwray/2011/10/05/are-the-big-banks-insolvent/"&gt;dass auch die US-Banken auch am Ende sind&lt;/a&gt;, hier nicht wiederholen: platzende Blasen auf den Kapital- und Rohstoffmärkten, der fortlaufende Niedergang des US-Immobilienmarktes und der Tsunami aus Klagen gegen der Betrug der Bankster werden sie übel treffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kapitalismus der Money Manager ist dem Untergang geweiht. Wir müssen uns entscheiden, welches Endspiel wir möchten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;L. Randall Wray ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der University of Missouri-Kansas City und Senior Scholar am Levy Economics Institute in Bard College, NY. Er ist unter anderem der Autor von&lt;/em&gt; Understanding Modern Money: The Key to Full Employment and Price Stability (Elgar, 1998) &lt;em&gt;und&lt;/em&gt; Money and Credit in Capitalist Economies (Elgar, 1990). &lt;em&gt;Er hat seinen B.A. von der University of the Pacific, und einen M.A. und Ph.D. von der Washington University in St. Louis. Er bloggt regelmässig auf &lt;a href="http://www.economonitor.com/lrwray/"&gt;Great Leap Forward&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://neweconomicperspectives.blogspot.com/"&gt;New Economic Perspectives&lt;/a&gt;, wo er den &lt;a href="http://neweconomicperspectives.blogspot.com/p/modern-money-primer.html"&gt;Modern Money Primer&lt;/a&gt; schreibt.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors. &lt;a href="http://www.economonitor.com/lrwray/2011/10/12/the-european-troika%E2%80%99s-rescue-plan-will-fail-time-to-choose-an-endgame/"&gt;Link zur Originalfassung&lt;/a&gt;.&lt;/em&gt;</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/10/der-rettungsplan-der-troika-wird.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>1</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-835602134937675352</guid><pubDate>Wed, 05 Oct 2011 17:40:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-10-05T19:40:00.273+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Def.: Souverän, monetärer</title><description>Monetär souveräne Regierungen sind nicht wie du und ich, und sie sind auch nicht wie andere Regierungen. Dieser zentrale Punkt wird von &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt; immer wieder betont, während ihn andere volkswirtschaftliche Theorien praktisch vollständig unterschlagen. Aber was bedeutet das eigentlich, monetäre Souveränität?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es bedeutet, dass die Regierung ihre eigene Währung ausgibt und nur diese für die Begleichung von Steuerschulden akzeptiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Regierung kann ihre Souveränität auf verschiedene Art und Weise freiwillig einschränken:&lt;ul&gt;&lt;li&gt;Sie kann ihre Währung an eine andere Währung, an einen Korb anderer Währungen, oder an eine Handelsware wie Gold koppeln.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Sie kann &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/09/echte-und-imaginare-schuldenprobleme.html"&gt;Schulden in einer Fremdwährung&lt;/a&gt; aufnehmen.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Sie kann sich selbst Regeln auferlegen, die z.B. die &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/03/nein-zur-schuldenbremse-in-hessen.html"&gt;Größe des Haushaltsdefizits beschränken&lt;/a&gt;.&lt;/ul&gt;In diesen Fällen kann die Regierung ihre Souveränität zwar jederzeit zurück erlangen, indem sie diese freiwilligen Einschränkungen aufhebt. Das ist zum Beispiel 1971 unter &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nixon_shock"&gt;Richard Nixon&lt;/a&gt; in den USA passiert. Für die Analyse betrachten wir sie aber oft als &lt;em&gt;nicht&lt;/em&gt; monetär souverän, einfach weil sie sich so verhält als ob.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn hier ist der Kern der Sache. Eine monetär souveräne Regierung ist in ihrer eigenen Währung &lt;b&gt;immer&lt;/b&gt; zahlungsfähig. Und nicht nur das. Eine monetär souveräne Regierung finanziert sich nicht. Nicht durch Steuern, nicht durch Schulden, nicht durch irgendetwas anderes. Im Kontext einer monetär souveränen Regierung ist es schlicht bedeutungslos, von Finanzierung zu sprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du und ich, wir sind nicht unbegrenzt zahlungsfähig. Wenn das Guthaben auf unserem Konto erschöpft bzw. der Dispokredit ausgereizt ist und wir eine Überweisung tätigen wollen, dann sagt die Bank "Nein". Deswegen müssen wir uns irgendwie finanzieren, sei es über Einkommen oder über Darlehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit einer Regierung, die zwar eine eigene Währung hat, diese aber freiwillig zum Beispiel an den US$ koppelt, verhält es sich ähnlich. Sie kann zwar prinzipiell beliebig viel Geld in der eigenen Währung ausgeben. Aber sie hat versprochen, alles ausgegebene Geld aus der eigenen Währung im Zweifelsfall in US$ umzutauschen. Diese US$ müssen irgendwo herkommen, oder sie muss das Versprechen brechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine monetär souveräne Regierung ist in einer grundsätzlich anderen Situation. Sie schreibt die Regeln, nach denen ihr Geldsystem funktioniert. Wenn sie sagt, dass an jemanden Geld überwiesen werden soll, dann gibt es niemanden, der "Nein" sagen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Kleiner Einschub am Rande: Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind sowohl Legislative als auch Exekutive inklusive Zentralbank Teil der Regierung. Wenn die Legislative der Exekutiven eine Zahlung verbietet, dann ist die Regierung aus volkswirtschaftlicher Perspektive nicht zahlungsun&lt;em&gt;fähig&lt;/em&gt;, sondern zahlungsun&lt;em&gt;willig&lt;/em&gt;. Solche Vorgänge sind interessant für Politikwissenschaft und Verhaltenspsychologie, aber mit Volkswirtschaft haben sie herzlich wenig zu tun.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Warum Steuern und Schulden?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du und ich, wir müssen uns finanzieren, um zahlungsfähig zu sein. Eine monetär souveräne Regierung ist sowieso immer zahlungsfähig. Es ist also unsinnig, von ihrer Finanzierung zu sprechen. Wenn Steuern und Schulden aber nicht zur Finanzierung benötigt werden, wozu braucht man sie dann?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steuern, die nur mit der Währung der Regierung bezahlt werden können, erzeugen Nachfrage nach dieser Währung und geben ihr dadurch überhaupt erst einen Wert. Man kann sich das an &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/09/modern-monetary-theory.html"&gt;einem Gedankenexperiment&lt;/a&gt; überlegen. Es wird auch an ganz konkreten &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hut_tax"&gt;Beispielen aus der jüngeren Geschichte&lt;/a&gt; deutlich. Zudem scheinen Steuern auch in der &lt;a href="http://www.nakedcapitalism.com/2011/08/what-is-debt-%E2%80%93-an-interview-with-economic-anthropologist-david-graeber.html"&gt;viel älteren Geschichte&lt;/a&gt; ganz zentral zur Verbreitung von Geld beigetragen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gibt die Regierung zu viel Geld aus, so dass die Nachfrage insgesamt die produktiven Kapazitäten der Wirtschaft übersteigt, dann kann es zur erhöhten Inflation kommen. In diesem Fall gibt es eine politische Wahl. Wenn die Regierung der Ansicht ist, dass mehr öffentliche Leistungen zur Verfügung gestellt werden sollen, dann kann sie die Steuern erhöhen und dem privaten Sektor auf diese Weise Kaufkraft entziehen. Dadurch sinkt die Gesamtnachfrage, und die Inflation wird gedämpft. Alternativ kann die Regierung ihre Ausgaben senken, wenn weniger öffentliche Leistungen gewünscht werden. Die treibende Kraft von Steuern zur Stabilisierung des Werts der Währung ist jedenfalls klar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schulden sind dagegen unnötig. Eine monetär souveräne Regierungen müsste keine Schulden im Sinne von Anleihen ausgeben. Haushaltsdefizite würden dann einfach zu wachsenden Reserven bei der Zentralbank führen. Diese sind aus Sicht der Bilanz natürlich immer noch &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verbindlichkeiten"&gt;Verbindlichkeiten&lt;/a&gt; der Regierung, repräsentiert in diesem Fall durch die Zentralbank. Sie werden aber nicht als Staatsschulden betrachtet. (Warum das so ist ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Vermutlich ist das alles eine Frage des &lt;a href="http://www.economonitor.com/lrwray/2011/09/14/framing-morality-trumps-reason-when-it-comes-to-vampire-squids-and-other-blood-suckers-3/"&gt;Framings&lt;/a&gt;.) Das hat &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/09/echte-und-imaginare-schuldenprobleme.html"&gt;technische Folgen für die Geldpolitik&lt;/a&gt;, aber ansonsten ändert sich nichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Moralische Pflichten des monetären Souveräns&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jede Regierung ist dem Wohl der Bevölkerung verpflichtet. Wenn sie sich dieser Pflicht verweigert, dann sollte die Bevölkerung die &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Four_boxes_of_liberty"&gt;Kisten der Freiheit&lt;/a&gt; (bzw. eine schlussendlich unblutigere Variante!) benutzen. Zum Wohl der Bevölkerung gehört nicht nur, aber eben auch, das wirtschaftlich-materielle Wohl. Eine monetär souveräne Regierung hat dafür besonders mächtige Hebel zur Verfügung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monetäre Souveränität setzt die Gesetze der Physik nicht außer Kraft. Was die natürlichen Ressourcen und produktiven Kapazitäten eines Landes nicht hergeben, kann auch vom monetären Souverän nicht herbei gezaubert werden. Aber die Regierung muss dafür sorgen, dass die bestehenden Kapazitäten zum Wohl der Bevölkerung genutzt und für die Zukunft gepflegt und ausgebaut werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Regierung hat noch eine weitere Pflicht. Arbeit ist ein ganz zentraler Bestandteil menschlichen Lebens und sozialer Gemeinschaft. Dadurch, dass unsere Wirtschaft durch und durch monetarisiert ist, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/woher-kommt-massenarbeitslosigkeit.html"&gt;entsteht Arbeitslosigkeit&lt;/a&gt;, und es gibt im freien Markt keinen Mechanismus, um sie zu verhindern. Also muss die Regierung, stellvertretend für die Gesellschaft insgesamt, jedem eine reguläre Arbeit zu ermöglichen, zum Beispiel über eine &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html"&gt;Job-Garantie&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Schöne ist, dass die Regierung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Indem sie den Menschen eine Arbeit gibt, kann sie gleichzeitig dafür sorgen, dass die bestehenden Kapazitäten des Landes besser zum Wohl der Bevölkerung genutzt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An dieser Stelle kommt die monetäre Souveränität wieder ins Spiel. Eine nicht souveräne Regierung könnte bei der Umsetzung einer Job-Garantie oder anderer Konjunkturmaßnahmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Eine monetär souveräne Regierung ist frei von solchen Problemen, und sie hat die moralische Pflicht, diese Freiheit auch zu nutzen.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/10/def-souveran-monetarer.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-2422307731207684038</guid><pubDate>Sun, 02 Oct 2011 10:59:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-10-02T12:59:00.144+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Geld drucken ist nicht inflationär</title><description>... aber Geld &lt;em&gt;ausgeben&lt;/em&gt; kann inflationär sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich rede und schreibe oft über die &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html"&gt;wirtschaftlichen Möglichkeiten&lt;/a&gt;, die eine monetär souveräne Regierung hat, um die Lebensqualität der Bürger zu verbessern. Die meisten Menschen, egal ob on- oder offline, glauben anfangs nicht so recht, was alles möglich wäre, wenn man nur das Geldsystem richtig verstehen und nutzen würde, auch wenn gar kein &lt;a href="http://www.jargon.net/jargonfile/t/TANSTAAFL.html"&gt;free lunch&lt;/a&gt; versprochen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der häufigste Einwand ist, dass es inflationär wäre, die von &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt; aufgezeigten Möglichkeiten zu nutzen. Und ja: Es ist wichtig, ernste Diskussionen darüber zu führen, wie viel Inflation für eine gut laufende Wirtschaft notwendig ist, und wodurch Inflation ausgelöst wird und wodurch nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies ist mein heutiger Beitrag: Hört auf damit, von "Geld drucken" zu reden, das hat in den Diskussionen über Inflation nämlich nichts zu suchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Geld drucken ist Bargeldmanagement&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Begriff "Geld drucken" hat eine ganz klare, wörtliche Bedeutung, nämlich die Produktion von Geldscheinen und, im etwas erweiterten Sinn, Münzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geld muss immer mal wieder gedruckt werden, damit das Geldsystem reibungslos funktionieren kann. Erstens halten Geldscheine nicht ewig. Alte Scheine müssen irgendwann durch neue ersetzt werden. Zweitens führen auch sehr niedrige Inflationsraten dazu, dass die Menschen langfristig mehr Geld zur Verfügung haben. Einen Teil davon wollen sie im Geldbeutel mit sich führen, und daraus speist sich ein langfristig wachsender Bedarf an Bargeld. Irgendwann muss mehr Geld gedruckt werden, alleine damit die Menschen das Geld, das sie sowieso als Guthaben auf dem Konto haben, auch am Automaten abheben können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, die Kausalität läuft in der Praxis moderner Geldsysteme genau anders herum, als der Volksmund behauptet. &lt;em&gt;Wegen&lt;/em&gt; Inflation muss &lt;em&gt;als Konsequenz&lt;/em&gt; Geld gedruckt werden. Die Situation in Argentinien im Januar 2011 hat das &lt;a href="http://www.laht.com/article.asp?ArticleId=383634&amp;CategoryId=10718"&gt;sehr eindrucksvoll demonstriert&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch aus theoretischer Perspektive ist es unsinnig, von einer Kausalität von Geld drucken hin zu Inflation zu sprechen. Es hilft, sich zu vergegenwärtigen, welche Transaktionen mit dem Drucken von Geld verbunden sind.&lt;ol&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Eine Geschäftsbank fordert bei der Zentralbank Bargeld an. Die Zentralbank zieht den entsprechenden Betrag von den Reserven der Bank ab und schickt dann einen gepanzerten Wagen mit frisch gedruckten Geldscheinen los. Die beteiligten Bilanzen ändern sich wie folgt. Zunächst hat die Geschäftsbank Reserven bei der Zentralbank (nicht beteiligte Teile der Bilanzen sind grau dargestellt, und die Größen der Bilanzen sind natürlich nur qualitativ zu verstehen):&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://3.bp.blogspot.com/-_cWSRCWzX-w/Tob5upvkCHI/AAAAAAAAASg/aHAGUNJqg2E/s1600/gelddrucken-bilanz-1.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach dem Tausch von Reserven gegen Bargeld sehen die Bilanzen so aus:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://2.bp.blogspot.com/-HTYNSclRxC4/Tob7iEYdWEI/AAAAAAAAASo/7WVbaz_XD70/s1600/gelddrucken-bilanz-2.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es hat sich also nur die &lt;em&gt;Zusammensetzung&lt;/em&gt; des Geldvermögens verändert, die &lt;em&gt;Menge&lt;/em&gt; an Geldvermögen und auch die Größe der Bilanzen bleiben gleich.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Irgendwann kommt dann ein Kunde der Bank auf die Idee, Geld am Automaten abzuheben. Er tauscht also sein Guthaben bei der Bank gegen Bargeld, und die Bilanzen ändern sich entsprechend:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://4.bp.blogspot.com/-nOx-_ZLs4ao/Tob88tJ9LYI/AAAAAAAAASw/PClttWzUH9k/s1600/gelddrucken-bilanz-3.png" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bilanz der Geschäftsbank schrumpft, weil ihre Rolle als Vermittler im Geldsystem reduziert wurde. Aber ansonsten ändert sich wieder nur die Zusammensetzung. Insbesondere ist der Kunde, der Geld abgehoben hat, genauso reich oder arm wie vorher.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;/ol&gt;Diese Illustration hat hoffentlich klar gezeigt, dass sich durch das Drucken von Geld keine Vermögen ändern. Es ändert sich nur die Form der Vermögen auf vernachlässigbare Weise. Somit kann es sich auch nicht auf die Inflation auswirken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Aber "Geld drucken" ist eine Metapher!&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist die vermutlich beliebteste Ausrede, gegen die ich zwei Einwände vorbringen möchte.&lt;ol&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Metaphern sind gut, wenn sie einen Begriff aus einem anderen Themenbereich übertragen, um Sachverhalte anschaulich aufzuklären. Der Begriff "Geld drucken" hat aber bereits eine ganz klare wörtliche Bedeutung. Ihn zusätzlich mit einer anderen Bedeutung zu überladen schadet einer seriösen Diskussion nur.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Wer Metaphern benutzt, der sollte genau erklären können, wofür sie stehen. Wenn aber "Geld drucken" in der wörtlichen Bedeutung nicht inflationär ist, was ist es dann, das als inflationär kritisiert wird?&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;/ol&gt;Der geneigte Leser wird auf der Suche nach einer Antwort auf diese letzte Frage hoffentlich zu dem Schluss kommen, dass Geld &lt;em&gt;ausgeben&lt;/em&gt; für die Diskussion sehr viel relevanter ist als Geld &lt;em&gt;drucken&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das wirft dann wieder neue Fragen auf. Unterscheiden sich private und staatliche Ausgaben im Hinblick auf Inflation? Und: es werden andauernd gigantische Mengen an Ausgaben getätigt, auch wenn die Inflationsrate niedrig ist. Es kann also nicht jede Ausgabe inflationär sein. Vielleicht nur, wenn &lt;em&gt;insgesamt&lt;/em&gt; zu viel ausgegeben wird? Aber wie viel ist zu viel, und woran erkennt man das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Bessere Qualität in (wirtschafts-)politischen Diskussionen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht mir hier und jetzt nicht darum, diese Fragen zu &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/10/spiel-mir-das-lied-von-der-inflation.html"&gt;beantworten&lt;/a&gt;, sondern ein klein wenig auf eine bessere Diskussionskultur zu pochen. Folgendes Muster beobachte ich immer wieder: Person A schlägt eine politische Maßnahme vor. Person B kritisiert den Vorschlag mit der Begründung, dass dann Geld gedruckt würde und die Maßnahme deshalb inflationär wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, Person B findet den Vorschlag eigentlich aus einem ganz anderen Grund schlecht, vielleicht weil er seinen persönlichen Moralvorstellung widerspricht. Das ist in Ordnung. Meinungsvielfalt ist gut, wenn auch manchmal etwas anstrengend. Aber in diesem Fall sollte Person B einfach offen und ehrlich zu dieser grundlegenden Meinungsverschiedenheit stehen. Der Versuch, sie mit Quatsch wie "Geld drucken" zu vertuschen, ist &lt;a href="http://lesswrong.com/lw/1p1/logical_rudeness/"&gt;unanständig&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Alternative ist, dass Person B den Vorschlag prinzipiell gut findet, aber ganz ehrlich befürchtet, dass er zu zu hoher Inflation führen würde. Das muss man ernst nehmen. Aber die Tatsache, dass Person B von "Geld drucken" spricht, ist ein sehr starkes Indiz dafür, dass er das nicht richtig durchdacht hat. Dann sollten die Beteiligten innehalten und sich daran erinnern, dass Geld drucken nicht inflationär ist. Person B sollte versuchen, seine Kritik noch einmal zu durchdenken und anders zu formulieren. Welcher Aspekt der vorgeschlagenen Politik ist seiner Ansicht nach wirklich für die befürchtete Inflation verantwortlich, und über welche Mechanismen wird sie ausgelöst? Indem er sich diese Fragen stellt, kann Person B implizit selbst prüfen, ob er nicht womöglich einen Denkfehler begangen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In jedem Fall gewinnt die Diskussion an Qualität, wenn auf den irreführenden Begriff "Geld drucken" verzichtet wird. Und jetzt gibt es wenigstens eine Seite, auf die ich (und vielleicht auch der geneigte Leser?) zukünftig linken kann, wenn wieder einmal jemand mit "Geld drucken" kommt.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/10/geld-drucken-ist-nicht-inflationar.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-_cWSRCWzX-w/Tob5upvkCHI/AAAAAAAAASg/aHAGUNJqg2E/s72-c/gelddrucken-bilanz-1.png' height='72' width='72'/><thr:total>6</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-2523381890026330787</guid><pubDate>Fri, 30 Sep 2011 06:45:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-09-30T08:45:01.625+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Gesellschaft</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Die Schock-Strategie, und wie es anders geht</title><description>Es ist der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schock-Strategie"&gt;Klassiker&lt;/a&gt; schlechthin: eine Wirtschaftskrise wird von den Reichen verwendet, um Klassenkampf zu betreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stellvertretend untertitelt zum Beispiel Nikolaus Piper in der SZ am 29.9. das "Thema des Tages" wie folgt:&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;br /&gt;Mit der Schuldenkrise verliert Europa seine Rolle als Vorbild: Das Modell des Sozialstaats gerät in Misskredit&lt;br /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Auch im Rest des Artikels wird insinuiert, dass die aktuelle Schuldenkrise in der Eurozone irgendwas mit den sowieso schon zurückgefahrenen Sozialstaaten in Europa zu tun habe. Unsere neoliberale Elite frohlockt über die Gelegenheit, unter diesem und ähnlichen Vorwänden die sozialen Netze weiter zu zerfleddern und die wirtschaftlichen Ungleichheiten zu vergrößern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber was ist die Wahrheit? Lassen wir uns einmal aus der Perspektive von &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt; zusammenfassen:&lt;ol&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Der private Sektor will netto finanzielles Vermögen sparen, sei es aus reiner Lust am Horten, zum Aufbau einer "Kriegskasse" im Fall von Unternehmen, oder für die Altersvorsoge (übrigens, zum Thema Vermögen: ein Blick auf die &lt;a href="http://draketo.de/proj/schuldenuhr-vermoegensuhr/"&gt;Vermögensuhr&lt;/a&gt; kann ab und zu nicht schaden).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Finanziellem Vermögen muss per Definition immer irgendwo eine finanzielle Schuld gegenüberstehen. Wenn der private Sektor netto im Plus sein soll, dann muss rein rechnerisch entweder das Ausland oder der Staat im Minus sein. Staatsschulden sind also zunächst einmal eine &lt;em&gt;gute&lt;/em&gt; Sache, weil sie den Aufbau von privatem Geldvermögen ermöglichen.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;In &lt;em&gt;jedem&lt;/em&gt; gut funktionierenden Geldsystem gibt es genau einen großen Herausgeber von öffentlichen Anleihen - und zwar die Regierung, die das jeweilige Geldsystem betreibt. In den USA ist das deren Bundesregierung, in Schweden ist es die Regierung in Stockholm, und so weiter. Der Rest der öffentlichen Anleihen, der von Kommunen und Bundesländern herausgegeben wird, macht einen deutlich kleineren Teil aus. Zudem greift die jeweils nächstgrößere Instanz im Zweifelsfall helfend unter die Arme. Beides sorgt für Stabilität.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;In der Eurozone gibt es im Gegensatz dazu 17 konzeptionell gleichrangige Herausgeber von öffentlichen Anleihen. Deshalb war die Eurozone von Anfang an &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichgewicht_%28Physik%29#Gleichgewichtslagen:_stabil.2C_labil.2C_indifferent"&gt;labil&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sobald hinreichend große Anleger einen Anlass sehen, ihr Vermögen von einem Herausgeber von Anleihen zu einem anderen zu verschieben, lösen sie dadurch eine Änderung der Preise der Anleihen und damit der Yields aus. Dadurch muss dann der betroffene Staat auf neue Anleihen einen höheren Zinssatz bezahlen. Das wiederum erhöht dessen Defizit, und es wird von höheren Ausfallwahrscheinlichkeiten gemunkelt. Das wiederum ist für Anleger ein neuer Anlass, ihr Vermögen von den Anleihen dieses Staates hin zu einem anderen Herausgeber von Anleihen zu verschieben, und der Kreis schließt sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein anfänglicher Impuls kann also in einen Teufelskreis ausarten, für den es keine Dämpfung gibt. Der erste größere Schock, den die Eurozone erlebt hat, hat genau diese Dynamik losgetreten.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;Dieser grundlegende Konstruktionsfehler der Eurozone hat überhaupt nichts mit dem Sozialstaat zu tun, das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Aber diese Feststellung reich nicht aus. Wenn man immer nur gegen einen Mythos wettert (in diesem Fall der Mythos, der Sozialstaat habe zur Eurokrise geführt) gibt man ihm womöglich nur noch mehr Brennstoff.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine positive Botschaft muss also auch sein. Wie kann man den grundlegenden Konstruktionsfehler &lt;em&gt;wirklich&lt;/em&gt; beheben?&lt;ol&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Da das eigentliche Problem ist, dass dem Großteil des privaten finanziellen Vermögens heutzutage Anleihen von 17 verschiedenen Herausgebern gegenüberstehen, muss zukünftig eben ein großer, zentraler Herausgeber diese Rolle übernehmen. Es kann sich dabei um europäische Anleihen handeln, es könnten aber auch einfach Passiva der EZB sein (also Reserven).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, richtig, es ist durchaus plausibel, dass zukünftig der größte Teil des Netto-Geldvermögens in Form von Reserven bei der EZB gehalten wird anstatt in Anleihen. Immerhin bezahlt die EZB auch &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einlagefazilit%C3%A4t"&gt;Zinsen auf Reserven&lt;/a&gt;, der Unterschied zu Anleihen ist also ohnehin eher oberflächlich.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Der zentrale Unterschied zwischen diesem Vorschlag und &lt;a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/6878/warum-eurobonds"&gt;Eurobonds&lt;/a&gt; ist, dass bei Eurobonds nach wie vor die Euro-Staaten Schuldner sind. Ich dagegen bevorzuge den Weg der weitgehenden Entschuldung der Euro-Staaten ohne Zahlungsausfall, bei dem die Schulden einfach in eine zentrale Bilanz verschoben werden, weil das ehrlicher und einfacher ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerdem erleichtert es den Weg hin zum Aufbau einer fiskalpolitisch schlagkräftigen Gemeinschaftsregierung. Ohne eine solche Regierung ist es schwierig, die Wirtschaftskrise, die sich unter der Schuldenkrise versteckt, zu bekämpfen.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Auf dem Weg hin zu diesem Ziel gibt es zwei große Fragen. Erstens: Wie gelingt die Umstellung? Zweitens: Wenn die Umstellung erst einmal gelungen ist, wie kann dann dafür gesorgt werden, dass es auch so bleibt?&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Die Umstellung gelingt, indem man Schritt für Schritt beim Rollover der Staatsschulden diese nicht durch neue Staatsanleihen ersetzt. Bisher läuft der Rollover so: alte Anleihen laufen aus und werden durch den jeweiligen Staat zurückgezahlt. Ungefähr gleichzeitig werden in einer Auktion neue Anleihen ausgegeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieser Prozess wird ersetzt durch: alte Anleihen laufen aus und werden mit Geld zurückgezahlt, das direkt von einer Euro-zentralen Instanz überwiesen wird. Diese Euro-zentrale Instanz könnte zum Beispiel die EZB sein, die die nötigen Reserven einfach "per Knopfdruck" bereitstellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich muss irgendwie dafür gesorgt werden, dass das gerecht abläuft, zum Beispiel indem das Volumen für diesen neuen Prozess auf einen bestimmten Betrag pro Kopf beschränkt wird (ein Bezug auf das BIP wäre gegenüber den Menschen in wirtschaftlich schwächeren Staaten ungerecht).&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Stellen wir uns nun eine hypothetische Zukunft vor, in der sagen wir 70% der öffentlichen Schulden durch eine zentrale Instanz herausgegeben werden. Wie kann dafür gesorgt werden, dass das so bleibt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der private Sektor will typischerweise netto finanzielle Vermögen aufbauen. Langfristig ist es schwierig, dies gegenüber dem externen Sektor zu tun. Also müssen die öffentlichen Schulden langfristig steigen, und 70% der Neuschulden müssen von der zentralen Instanz kommen, um den Status Quo zu erhalten. Aber wer entscheidet, wie viel und wofür das Geld, das diesen Schulden gegenübersteht, ausgegeben werden soll?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich denke, dass dies letztlich höchst politische Entscheidungen sind und sein müssen. Automatismen, zum Beispiel solche die ans BIP gekoppelt sind, taugen wenig. Schließlich sind 3% Defizit bezogen aufs BIP in vielen Staaten heute &lt;em&gt;viel zu wenig&lt;/em&gt;, während prinzipiell - in ferner Zukunft - Zeiten auf uns zukommen könnten, in denen bereits ein ausgeglichener Haushalt gegen die Inflationsbarriere stößt, und ein staatlicher &lt;em&gt;Überschuss&lt;/em&gt; wirtschaftlich am sinnvollsten wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sind also politische Entscheidungen von großer Tragweite zu treffen, die der entsprechenden Legitimation bedürfen. Ja, ich &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/lang-lebe-die-seilschaft.html"&gt;wiederhole&lt;/a&gt; &lt;a href="http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2011/09/lang-lebe-die-seilschaft.html"&gt;mich&lt;/a&gt;, aber im Grunde darf diese Macht nur beim Europäischen Parlament (evtl. beschränkt auf MEPs aus der Eurozone) liegen. Dieses kann dann die politische Entscheidung treffen, entweder selbst Geld auszugeben, oder Geld an die Mitgliedsstaaten zu verteilen, damit diese das notwendige Defizit erzielen können, ohne dass es zu Ungleichgewichten bei der Zusammensetzung der öffentlichen Schulden kommt.&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;Ach ja, und lasst gefälligst den Internationalen Währungsfonds aus dem Spiel. Einmischung durch den IWF hat noch niemandem wirklich gut getan. Er hat keine Legitimation, um in der Eurozone mitzumischen, und wir brauchen ihn auch nicht.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;Es gibt noch mehr zu tun, als ich angesprochen habe. Mit einer Umstrukturierung der öffentlichen Schulden kann nämlich die zugrunde liegende Wirtschaftskrise nicht beendet werden. Dafür muss das &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/07/adorf-bedorf-und-der-euro.html"&gt;deutsche Lohndumping&lt;/a&gt; beendet werden, und die Eurozone braucht einen kräftigen Konjunkturimpuls, zum Beispiel über eine &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html"&gt;Job-Garantie&lt;/a&gt;. Genauso ist es eine gute Idee, die Umverteilung von Einkommen und Vermögen wieder etwas zurück zu drehen, indem stark progressive Einkommenssteuern (auch auf Kapitalerträge!) und Vermögenssteuern eingeführt oder ausgeweitet werden. Aber diese Maßnahmen alleine können den fundamentalen Konstruktionsfehler der Eurozone eben auch nicht beheben: es braucht beides.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am wichtigsten aber bleibt, dass wir denjenigen, die die Schuldenkrise nutzen wollen, um den Sozialstaat abzubauen, Paroli bieten. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, und diese so sinnvolle und hart erkämpfte Institution muss erhalten bleiben.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/die-schock-strategie-und-wie-es-anders.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-1442429058382731602</guid><pubDate>Mon, 19 Sep 2011 14:25:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-09-19T16:25:00.257+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Die Job-Garantie: Kernstück einer alternativen Wirtschaftspolitik</title><description>Ich möchte heute ein wenig bekanntes Konzept vorstellen, das seit der Mitte des letzten Jahrhunderts in der ein oder anderen Form durch die Volkswirtschaftslehre geistert und in den letzten zwanzig Jahren einen deutlichen Entwicklungsschub erhalten hat. Es handelt sich um die Job Guarantee, wie sie unter anderem in &lt;em&gt;&lt;a href="http://books.google.com/books?id=6PMuExCtMe8C&amp;printsec=frontcover#v=onepage&amp;q&amp;f=false"&gt;Understanding Modern Money&lt;/a&gt;&lt;/em&gt; von Randall Wray ausführlich vorgestellt wird. Vom gleichen Autor gibt es auch ein neueres &lt;a href="http://www.econstor.eu/dspace/handle/10419/31675"&gt;Working Paper&lt;/a&gt;, das einen kurzen Überblick über die Literatur gibt. Aber zunächst hole ich ein wenig aus, um die Motivation zu erklären.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Massenarbeitslosigkeit entsteht durch mangelnde Nachfrage. Wenn das Geschäft in der Kneipe so richtig gut läuft, dann wird eine zusätzliche Bedienung eingestellt. Wenn ein Produkt gut läuft, dann wird mit Neueinstellungen die Produktion ausgeweitet. Umgekehrt wirkt die gleiche Logik. Schwinden der Kneipe die Besucher weg, dann wird irgendwann das Personal gekürzt. Genauso läuft es in der Produktion.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Wenn die Produktivität, also die Menge pro Arbeitsstunde real erzeugter Güter und Dienstleistungen, steigt, dann kann die gleiche Nachfrage mit weniger Arbeitnehmern bedient werden. Produktivitätssteigerungen sind eine gute Sache, aber sie bedeuten eben auch, dass die (reale) Nachfrage gleich schnell wie die Produktivität wachsen muss, wenn die Anzahl der Arbeitsplätze gleich bleiben soll. Wächst die reale Nachfrage langsamer, oder sinkt sie gar, so gehen Arbeitsplätze verloren. Wächst sie schneller, so können neue Arbeitsplätze entstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowohl die Nachfrage als auch die Produktivität sind aggregierte Größen unserer Volkswirtschaft, eines extrem komplexen dynamischen Systems. Dass darin zyklische Schwankungen entstehen ist ganz natürlich, und es gibt keinen Grund, weshalb die reale Nachfrage immer von alleine mit genau der richtigen Geschwindigkeit wachsen sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitslosen sind ein Puffer gegen diese Schwankungen. Geht die Nachfrage zurück, so wächst der Puffer an Arbeitslosen. Wenn die Nachfrage wieder steigt, dann können Firmen aus diesem Pool heraus Menschen einstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Arbeitslosigkeit ist ein schlechter Puffer&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitslosigkeit ist aus einer ganzen Reihe an Gründen für die Gesellschaft nicht wünschenswert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erstens ist Arbeitslosigkeit für die Betroffenen ein schwerer Schlag, sowohl wirtschaftlich als auch psychisch. Die Arbeitslosen &lt;em&gt;als Gruppe&lt;/em&gt; sind nicht für ihr Schicksal verantwortlich, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/woher-kommt-massenarbeitslosigkeit.html"&gt;da hohe Arbeitslosigkeit ein makro-ökonomisches Phänomen ist&lt;/a&gt;. Es liegt also in der Verantwortung der Gesellschaft, an dieser Stelle zu helfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens ist Arbeitslosigkeit verschwendetes Potenzial. Eine Gesellschaft, die Menschen keine Möglichkeit gibt, einer produktiven Tätigkeit nachzugehen, nimmt damit eine geringere Wirtschaftsleistung und einen niedrigeren Lebensstandard insgesamt in Kauf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drittens bedeutet Arbeitslosigkeit in der Praxis heutzutage überall auch, dass viele Menschen über einen sehr langen Zeitraum arbeitslos sind. In dieser Zeit kommen sie aus der Übung, und dadurch gehen Fähigkeiten verloren. Arbeitslosigkeit verschwendet Potenzial also nicht nur, sie zerstört es auch und reduziert damit die Fähigkeit der Gesellschaft, zukünftige Probleme zu lösen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viertens verteilt sich Arbeitslosigkeit nicht gleichmäßig, sondern betrifft verschiedene Regionen und soziale Milieus unterschiedlich hart. So bedeutet eine Arbeitslosenrate von 10% eben auch, dass es einzelne Milieus gibt, in denen die Rate über einem Drittel liegt. Das hat Folgen für die soziale Realität dieser Milieus. Es ändert zum Beispiel die persönlichen Einstellungen gegenüber Arbeit und Arbeitslosigkeit, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/08/konfrontation-oder-kooperation-mit.html"&gt;was in einen Teufelskreis führen kann&lt;/a&gt;. Zudem verarmt das Milieu und wird zur Brutstätte für Kriminalität, Gewalt, und Unruhen aller Art.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die Job-Garantie: ein besserer Puffer&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Genau hier haben Ökonomen wie &lt;a href="http://bilbo.economicoutlook.net/blog/"&gt;Bill Mitchell&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.economonitor.com/lrwray/"&gt;Randall Wray&lt;/a&gt; angesetzt und die Job-Garantie als bessere Alternative zur Arbeitslosigkeit entwickelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kurz zusammengefasst sieht sie so aus: ein Regierungsprogramm wird eingerichtet, das jedem arbeitswilligen und -fähigen Bürger einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Dieser Arbeitsplatz wird zu einem gesetzlich festgelegten Lohn bezahlt und verlangt dem Arbeitnehmer eine mit anderen Arbeitsplätzen vergleichbare Leistung ab. Er ist unbefristet und für jeden ohne Malträtierung durch Arbeitsagenturen zugänglich. Die Arbeitsplätze decken gesellschaftliche Aufgaben ab, wobei die genaue Zuteilung immer auch eine politische Entscheidung ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieses Programm ersetzt die Arbeitslosigkeit als Puffer. Wenn die private Wirtschaft schlecht läuft und Arbeitsplätze abschafft werden die Arbeiter aufgefangen. Sie erhalten weiterhin ein (wenn auch reduziertes) Einkommen in einem sozialversicherungspflichtigen Job und können einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Wenn die private Wirtschaft wieder an Geschwindigkeit gewinnt und neue Arbeitsplätze schafft, kann sie Arbeiter aus dem Pool der Job-Garantie abwerben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zudem holt die Job-Garantie die Arbeitnehmer dort ab, wo sie mit ihren Fähigkeiten stehen, beinhaltet aber auch begleitende Fortbildungen. Diese sind den heutigen Weiterbildungsmaßnahmen der Arbeitsagenturen überlegen, weil sie mit einer echten Arbeit in Verbindung stehen und damit nicht nur sinnlose Beschäftigungstherapie sind. Anstatt in Zeiten der Arbeitslosigkeit wichtige Fähigkeiten zu verlieren kann also im Idealfall sogar das Gegenteil geschehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das hat einen weiteren Vorteil. Private Firmen haben eine natürliche Abneigung dagegen, Arbeitslose einzustellen. Einerseits lautet das Vorurteil, dass Arbeitslose grundsätzlich weniger zur Arbeit fähig oder willens sind (ein jeder möge sich selbst überlegen, wie viel er von diesem Vorurteil hält). Andererseits haben Arbeitslose per Definition keinen Arbeitgeber, der ihnen ein Zeugnis ausstellen könnte. In der Job-Garantie haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, ihre Leistung klar zu demonstrieren, und so sind private Arbeitgeber besser in der Lage, die Leistung der Kandidaten einzuschätzen. Etwaige angebotsseitige Hürden zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft werden also kleiner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist leicht zu sehen, dass die Job-Garantie in jedem der oben genannten vier Punkte gegen die Arbeitslosigkeit gewinnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erstens wird der persönliche Schock der Arbeitslosigkeit gedämpft. Der Lohn wird in der Job-Garantie zwar in der Regel geringer sein als an einem privatwirtschaftlichen Arbeitsplatz, aber zumindest bleibt ein geregeltes, reguläres Arbeitsverhältnis bestehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens wird den heutigen Arbeitslosen eine für die Gesellschaft sinnvolle Tätigkeit gegeben. Selbst wenn rein markwirtschaftlich gesehen die ein oder andere individuelle Job-Garantie-Stelle  nicht so produktiv sein sollte wie die ein oder andere Stelle in der Privatwirtschaft gilt immer noch ein ganz einfaches Prinzip: fast alles ist produktiver als Nichtstun. Und abgesehen davon: sobald die Privatwirtschaft sich berappelt und wieder Arbeitsplätze schafft, kann sie die Job-Garantie-Nehmer leicht abwerben. Die Job-Garantie tritt nicht mit der Privatwirtschaft in Konkurrenz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drittens können Arbeitnehmer in der Job-Garantie ihre Fähigkeiten erhalten und sogar weiter ausbauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viertens kann die Leichtigkeit, mit der ein Arbeitsplatz in der Job-Garantie erhalten werden kann, auch die Entwicklung von sozial abgehängten Milieus positiv beeinflussen. Menschen werden wieder in reguläre Arbeitsverhältnisse eingebunden und finden so leichter zum Rest der Gesellschaft zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Wo sollen die ganzen Arbeitsplätze herkommen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Eurozone sind &lt;a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/3-31082011-BP/EN/3-31082011-BP-EN.PDF"&gt;mehr als 15 Millionen Menschen arbeitslos&lt;/a&gt;. Es ist sinnvoll, groß angelegte zentrale Projekte zum Aufbau von Infrastruktur für die Zukunft zu starten, um so Arbeitsplätze zu schaffen. Aber der wahre Schlüssel zum Erfolg liegt in einer dezentralen Organisation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dazu wird jedem Land, jeder Kommune, und auch qualifizierten Non-Profit-Organisationen die Möglichkeit gegeben, Job-Garantie-Stellen auszuschreiben. Solange die zentral festgelegten Richtlinien eingehalten werden, werden die Stellen zu 100% über das Job-Garantie-Programm finanziert und schonen damit die ohnehin gestressten Haushalte von Kommunen und Ländern. Eine solche dezentrale Organisation kann effizient und unbürokratisch arbeiten. Es versteht sich natürlich von selbst, dass die Einhaltung der Spielregeln mit regelmässigen, aber unangekündigten Stichproben kontrolliert wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den ersten Jahren mit der Job-Garantie werden wir Erfahrungen sammeln, die nicht vorhergesagt werden können. Es besteht aber kein Zweifel, dass genügend sinnvolle Projekte existieren um Arbeitsplätze zu schaffen. Ein jeder mag sich seine Lieblingsbeschwerde in Sachen Mängel in Infrastruktur oder öffentlichen Diensten überlegen und dies mit der gesamten Eurozone multiplizieren. Gerade die Einbindung von lokalen Organisationen hilft ja dabei, dass nicht (nur) die Prestigeprojekte von Europa-Politikern in Angriff genommen werden, sondern ganz konkrete Probleme vor Ort. Davon gibt es wahrlich genügend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Wie soll das alles bezahlt werden?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich könnte jede Regierung, selbst auf kommunaler Ebene, eine Job-Garantie einführen. Allerdings besteht die Gefahr, dass es zu finanziellen Engpässen kommt wenn das Land, das die Job-Garantie einführt, ein &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsbilanz"&gt;Leistungsbilanzdefizit&lt;/a&gt; hat. Gerade für die am härtesten von Arbeitslosigkeit betroffenen Länder, wie zum Beispiel Spanien, wäre es also besonders schwierig, die Job-Garantie wirklich durchzusetzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deswegen soll sie von einer Regierung eingeführt werden, die im Sinne der &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt; monetär souverän ist, also eine eigene Währung mit flexiblen Wechselkursen ausgibt. Diese Regierung kann dann, ungestört durch irrationale Märkte, die notwendigen Ausgaben zur Bezahlung der Löhne einfach so tätigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An dieser Stelle geraten viele Menschen in die Nähe des Herzinfarkts. Zumindest fangen sie an, zu hyperventilieren. Das wäre doch Geld drucken! Dann gibt es &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/10/spiel-mir-das-lied-von-der-inflation.html"&gt;Hyperinflation&lt;/a&gt;! Die Welt geht unter!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich haben die Entwickler der Job-Garantie diese Problematik bedacht. Im Gegensatz zu anderen möglichen Konjunkturprogrammen sagt die Job-Garantie nicht "Wir wollen X Bahnhöfe bauen, koste es was es wolle". Bei dieser Herangehensweise bestünde tatsächlich die Gefahr, dass Engpässe auf der Angebotsseite überlastet und Preise nach oben gedrückt werden. Stattdessen sagt die Job-Garantie: "Jeder der will, kann für Y Lohn eine Arbeit bekommen". Da dieses Y gesetzlich festgelegt ist, kann der Preis der Arbeit durch die Job-Garantie gar nicht weiter nach oben gedrückt werden. Wenn aber der Preis der Arbeit nicht nach oben gedrückt wird, dann bleiben auch weitere Effekte auf Preise in der Wirtschaft insgesamt aus. Zur Inflation kommt es also nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Marktwirtschaftlich durchgesetzte Mindeststandards&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines ist bezüglich des Preis der Arbeit aber auch klar. Der von der Job-Garantie bezahlte Lohn wird de facto zum Mindestlohn. Das Elegante dabei ist, dass es sich nicht um einen gesetzlichen Mindestlohn handelt. Stattdessen erklärt sich die Regierung über das Job-Garantie-Programm bereit, beliebig viele Arbeitsstunden zu einem festen Preis zu kaufen. Alles weitere regelt der Markt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An einigen Stellen wird deshalb auch von einem "Job-Standard" gesprochen, im Kontrast zum Gold-Standard. Beim Gold-Standard fixiert die Regierung den Preis von Gold. Mit dem "Job-Standard" fixiert die Regierung den Preis von ungelernter Arbeit. Im Gegensatz zum gesetzlichen Stundenlohn ist es dabei als Ergebnis des Marktes durchaus denkbar, dass einige besonders attraktive Stellen geringer entlohnt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieser Effekt kann auch für andere normative Zwecke genutzt werden. Wenn die Regierung der Ansicht ist, dass jenseits des Lohns zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers zum Mindeststandard eines jeden Arbeitsplatz gehören sollte (seien es Weiterbildungsangebote, Kinderbetreuung, längerer Urlaub, etc.), dann kann sie diese Leistungen zunächst Job-Garantie-Nehmern anbieten. Dadurch übt sie marktwirtschaftlichen Druck auf private Arbeitgeber aus, mit vergleichbaren Angeboten nach zu ziehen, ohne dabei auf komplexe Regulierungen zu setzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die Job-Garantie und der private Sektor&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Einführung der Job-Garantie sagt nichts darüber aus, wie groß der Anteil des Staates an der Wirtschaft insgesamt sein soll. Auch nach der Einführung der Job-Garantie bleibt es das Ziel, die Beschäftigung im privaten Sektor zu erhöhen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Job-Garantie springt aber ein, wenn der private Sektor versagt. Auch mit der Job-Garantie muss es nach einem Abschwung das wirtschaftspolitische Ziel sein, die Privatwirtschaft wieder auf Trab zu bringen. Aber bis das gelingt vergeht in der Regel ein längerer Zeitraum. Aktuell versagt die Privatwirtschaft sogar seit über 30 Jahren dabei, genügend Arbeitsplätze zu schaffen. Es geht einfach darum, diesen Zeitraum zu überbrücken, indem die negativen Folgen der Arbeitslosigkeit durch die positiven Effekte der Job-Garantie ersetzt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die aktuelle Eurokrise zeichnet sich letztendlich vor allem dadurch aus, dass es den Mechanismen in der Privatwirtschaft nicht gelingt, die produktiven Kapazitäten unserer Gesellschaft vollständig zu nutzen - die hohe Arbeitslosigkeit ist nur eines von mehreren Indizien dafür. Die Scharmützel, über die in den Medien berichtet wird, sind zum größten Teil nur Symptome. Eine Euro-weite Job-Garantie würde viele unserer Probleme von der Wurzel her lösen. In wie weit sie &lt;em&gt;politisch&lt;/em&gt; realisierbar ist ist aber eine andere Geschichte, und die soll ein andermal erzählt werden.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/die-job-garantie-kernstuck-einer.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>1</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-7168134426551708055</guid><pubDate>Sat, 17 Sep 2011 15:55:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-09-17T17:55:00.138+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Modern Monetary Theory - eine Zwischenbilanz</title><description>Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ich auf die Modern Monetary Theory gestoßen. Das war eine großartige Erfahrung, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben den Eindruck hatte, dass hier wirklich jemand von Grund auf erklärt, wie unser Geldsystem tatsächlich funktioniert, ausgehend davon, welche Transaktionen die Zentralbanken und Geschäftsbanken dieser Welt tagtäglich durchführen. Was ist Geld eigentlich? Woher kommt es? Auf Fragen dieser Art hat MMT sehr klare und plausible Antworten. Es war, als würde ein Schleier von meinen Augen entfernt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinen ersten Kontakt und erste Erkenntnisse daraus habe ich daraufhin in diesem Blog dokumentiert (&lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/09/modern-monetary-theory.html"&gt;#1&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/09/echte-und-imaginare-schuldenprobleme.html"&gt;#2&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/10/spiel-mir-das-lied-von-der-inflation.html"&gt;#3&lt;/a&gt;). In diesen ersten Einträgen ist auch noch Skepsis zu erkennen, denn tatsächlich ist MMT immer noch eher eine Randerscheinung. In der Zwischenzeit habe ich weiter nach Lücken im Gebilde gesucht, und dabei viel gelernt und auch viele Flamewars mit erlebt. Inzwischen hat sich meine Überzeugung aber gefestigt, dass MMT die richtige Sichtweise auf makro-ökonomische Zusammenhänge liefert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sind dann noch eine Reihe weiterer Einträge gefolgt, z.B. über Arbeitslosigkeit (&lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/12/das-dreckige-geheimnis-der.html"&gt;#1&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/08/konfrontation-oder-kooperation-mit.html"&gt;#2&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/woher-kommt-massenarbeitslosigkeit.html"&gt;#3&lt;/a&gt;) und über die Zusammenhänge in der Eurozone (&lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/07/adorf-bedorf-und-der-euro.html"&gt;#1&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/lang-lebe-die-seilschaft.html"&gt;#2&lt;/a&gt;). Viele dieser Einsichten sind nicht exklusiv der MMT zuzuordnen, sondern kommen aus einem insgesamt besseren Verständnis der makro-ökonomischen Zusammenhänge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich will nun einmal Zwischenbilanz ziehen, indem ich noch einmal explizit auf einige besonders hilfreiche Quellen zum Einstieg in MMT verlinke.&lt;br /&gt;&lt;ul&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="http://neweconomicperspectives.blogspot.com/p/modern-money-primer.html"&gt;Modern Money Primer&lt;/a&gt;: eine verständliche, ausführliche Einführung von Randall Wray; ich empfehle auch sein Buch &lt;a href="http://books.google.com/books?id=6PMuExCtMe8C"&gt;Understanding Modern Money&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="http://moslereconomics.com/wp-content/powerpoints/7DIF.pdf"&gt;Seven Deadly Innocent Frauds in Economic Policy&lt;/a&gt;: speziell auf die USA zugeschnitten, mit vielen köstlichen Anekdoten&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="http://pragcap.com/resources/understanding-modern-monetary-system"&gt;Understanding the Modern Monetary System&lt;/a&gt; auf Pragmatic Capitalism&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?page_id=1667"&gt;billy blog's Debriefing 101&lt;/a&gt; von Bill Mitchell&lt;/li&gt;&lt;br /&gt;&lt;/ul&gt;Zu jeden dieser Seiten gehört auch jeweils ein Blog, in dem Vertreter von MMT schreiben, teilweise mit wissenschaftlichem Hintergrund, teilweise aus Laienperspektive. Ich wünsche viel Spaß und Aha-Effekt beim Lesen!</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/modern-monetary-theory-eine.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>5</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-4366170738870051770</guid><pubDate>Thu, 15 Sep 2011 18:13:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-09-15T20:13:00.162+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Woher kommt Massenarbeitslosigkeit?</title><description>Vor einiger Zeit habe ich über einige Aspekte dessen geschrieben, &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/08/konfrontation-oder-kooperation-mit.html"&gt;wie man mit Arbeitslosigkeit umgehen soll&lt;/a&gt;. Aber woher kommt Arbeitslosigkeit eigentlich? Diese harmlos wirkende Frage ist, zusammen mit der ebenso harmlos wirkenden Frage danach, wo eigentlich Profite herkommen, konstituierend für die Makro-Ökonomie als eigenständiges Forschungsgebiet. Das Gesamtsystem verhält sich nämlich eben nicht so wie ein mikro-ökonomischer Haushalt, der auf größere Dimensionen aufgeblasen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In grauer Vorzeit gab es keine Arbeitslosigkeit. Jeder konnte sich im Zweifelsfall selbst mit Jagd oder Ackerbau beschäftigen. Selbst die Expansion der Siedler in Nordamerika kann man aus dieser Perspektive heraus noch als Flucht vor der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit betrachten. Heutzutage funktioniert das nicht mehr so, und zwar nicht nur, weil die meisten von uns vom Ackerbau keine Ahnung mehr haben. Selbst wer das nötige Wissen besitzt kann nicht einfach auf eigene Faust Ackerbau betreiben, weil die geeigneten Grundflächen alle schon vergeben sind. Dies ist der erste Schritt zum Verständnis von Arbeitslosigkeit als Massenphänomen: Wenn die Besitzer der Produktionsmittel nicht genügend Arbeiter einstellen, dann entsteht Arbeitslosigkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer hier mit der Analyse aufhört greift aber zu kurz. Erstens gibt es in unserer heutigen Wirtschaft mit ihrem sehr großen Dienstleistungssektor viele Arbeitsplätze, die wenig kapitalintensiv sind. Es wäre denkbar, dass Arbeitslose sich die notwendigen Produktionsmittel zumindest in diesen Bereichen einfach selbst besorgen, und das geschieht auch regelmäßig. Aber es reicht offenbar nicht aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens hilft eine Verteufelung der Besitzer der Produktionsmittel auch nicht weiter. Wenn sie keine zusätzlichen Arbeiter einstellen geschieht das ja in der Regel nicht aus Boshaftigkeit. Wenn ein Unternehmer die Möglichkeit hätte, durch Verdoppelung der Belegschaft die Produktion &lt;em&gt;und den Absatz&lt;/em&gt; zu verdoppeln und so nach Berücksichtigung der Fixkosten und &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Economies_of_scale"&gt;Economies of Scale&lt;/a&gt; den Gewinn mehr als zu verdoppeln, dann würde er das natürlich tun. Aber der Absatz lässt sich eben nicht unbedingt verdoppeln, und hier liegt der Hund begraben: &lt;em&gt;Wenn die effektive Gesamtnachfrage zu gering ist, dann entsteht Arbeitslosigkeit.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Übrigens: wenn die Produktivität steigt - also die pro Arbeitsstunde produzierten Güter und Dienstleistungen - dann muss die effektive Gesamtnachfrage genauso schnell steigen, damit die Anzahl der Arbeitsplätze gleich bleiben kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerdings wächst die Gesamtnachfrage nicht immer mit dem "richtigen" Tempo. Mal wächst sie schneller (dann können Arbeitsplätze entstehen), und mal wächst sie langsamer oder geht sogar zurück. Das sind ganz normale zyklische Bewegungen, wie sie in komplexen dynamischen Systemen zwangsläufig auftreten, wenn nicht dagegen gesteuert wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die anderen Theorien&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich will nicht verschweigen, dass es noch eine andere Familie an Erklärungsansätzen für Arbeitslosigkeit gibt. In den Medien wird uns ständig implizit erzählt, es gebe Arbeitslosigkeit, weil die Arbeitslosen wahlweise zu dumm oder zu faul sind oder nicht die passenden Qualifikationen haben. Es wird niemanden überraschen, dass ich das für Unsinn halte, und zwar aus einer ganzen Reihe an Gründen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum einen entstammen diese Theorien einer verengten, mikro-ökonomischen Weltsicht. In der Tat ist es so, dass ein einzelner Arbeitsloser, nennen wir ihn A, seine persönlichen Einstellungschancen verbessern kann, indem er an seinen Qualifikationen arbeitet. Wenn er sich, zusammen mit einem Dutzend anderen, auf eine neue Stelle bewirbt, und er leider nur die zweite Wahl war hinter B, dann hätte ihm die Fortbildung vielleicht dabei geholfen, an die erste Stelle zu rücken. Nur: in dem Fall wäre dann eben nicht mehr A, sondern B weiterhin arbeitslos. An der Gesamtzahl der Arbeitsplätze, und damit der Gesamtzahl der Arbeitslosen, ändert sich dadurch ja nichts. Massenarbeitslosigkeit ist ein makro-ökonomisches Phänomen, an dem der Einzelne nichts ändern kann. Die "&lt;a href="http://e1.newcastle.edu.au/coffee/education/education_view.cfm?ID=1"&gt;Tale of 100 Dogs and 95 Bones&lt;/a&gt;" veranschaulicht dies sehr schön.[1]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum anderen stimmen diese Theorien nicht mit der beobachteten Realität überein. Die Arbeitslosenquote reagiert mit leichter Verzögerung tatsächlich auf Schwankungen in der Nachfrage. Wer glaubt, man könne dies dadurch erklären, dass die Menschen plötzlich dümmer und/oder fauler werden, oder von heute auf morgen nicht mehr die richtigen Qualifikationen haben wenn die Nachfrage sinkt, der leidet an einem klaren Realitätsdefizit. Eine veränderte Einstellung zur Arbeit kommt höchstens als &lt;em&gt;Folge&lt;/em&gt; von langfristiger Arbeitslosigkeit in Frage, nicht aber als deren &lt;em&gt;Ursache&lt;/em&gt;, wie ich &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2011/08/konfrontation-oder-kooperation-mit.html"&gt;hier&lt;/a&gt; argumentiert habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein weiterer Sargnagel für diese Theorien ist, dass sie in praktisch allen westlichen Ländern in den letzten 15 Jahren als Begründung zum Umbau der Arbeitsmärkte hergehalten haben. Aber ohne Erfolg: Massenarbeitslosigkeit gehört immer noch zu unserer gesellschaftlichen Realität. Dies steht in klarem Gegensatz zu den Nachfrage-orientierten Theorien, deren Anwendung nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen westlichen Ländern - auch solchen, die nicht durch den Krieg zerstört wurden - zu &lt;a href="http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=11941"&gt;Arbeitslosenquoten unter 2%&lt;/a&gt; geführt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich will dabei gar nicht behaupten, dass die mikro-ökonomischen Überlegungen vollkommen falsch sind. Sie helfen nur nicht dabei, die heutige Massenarbeitslosigkeit zu erklären.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Beispiel beim Thema Qualifikationen. Es ist ja durchaus richtig, dass Verschiebungen in der Zusammensetzung der Wirtschaft auch eine Verschiebung der benötigten Qualifikationen bedeutet. Diese erreicht man aber nicht durch sinnlose Maßnahmen von Arbeitsagenturen, sondern nur, indem man den Menschen eine Weiterbildung in Verknüpfung mit einer echten Arbeit gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies spricht für die Betonung der Rolle der Nachfrage. Wenn die Nachfrage nur hoch genug ist, dass Firmen einfach mehr qualifizierte Arbeitnehmer benötigen, dann werden sie die entsprechenden Bildungsmaßnahmen selbst in die Hand nehmen. Solange sich die Nachfrage nur schleppend entwickelt bleibt es bei Lippenbekenntnissen auf Sonntagsreden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es liegt auf der Hand: Steht die Wirtschaft ordentlich unter Dampf und läuft gut warm, dann ist sie anpassungsfähig. Solange die Nachfrage hoch ist fällt es leichter, neue Betriebe zu gründen, und das Geld ist da für Weiterbildungen - und genau dies sind die wichtigsten Mechanismen, über die sich die Wirtschaft an veränderte Gegebenheiten anpassen kann. Bleibt die Nachfrage aber aus und die Wirtschaft läuft eher schleppend und kühl, dann ist sie auch starr und kann nicht flexibel reagieren. Der Schmied schmiedet das Eisen ja auch dann, wenn es heiß ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Fußnoten&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[1] Natürlich sind solche Veranschaulichungen nie zu 100% korrekt. Es gibt durchaus Fälle, in denen Firmen neue Arbeitsplätze speziell für "Superstars" schaffen, die sich bei ihnen bewerben. Allerdings ist das Budget für die Einstellung solcher "Superstars" auch immer begrenzt. Wenn von heute auf morgen alle Arbeitslosen zu hoch gebildeten 25-jährigen Intelligenzbestien mit 50 Jahren Berufserfahrung würden, würde sich an der Arbeitslosenquote trotzdem nichts wesentlich ändern.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/woher-kommt-massenarbeitslosigkeit.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-8144098804058512969</guid><pubDate>Tue, 13 Sep 2011 18:07:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-09-13T20:07:00.141+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Gesellschaft</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Erbschaftssteuer und Machtverhältnisse</title><description>Seit langem erstaunt mich, dass wir als Gesellschaft zwar die Vererbung politischer Macht weitgehend überwunden haben, aber die Vererbung wirtschaftlicher Macht nicht hinterfragen. Gerade angesichts des Ideals, dass die eigene Position in der Gesellschaft primär durch die eigene Leistung begründet sein sollte, ist Erbschaft ein hoch problematisches Konzept. Ab einem gewissen Freibetrag sollte eine ziemlich hohe und progressive Erbschaftssteuer, also eine Erbschaftssteuer, bei der der Steuersatz mit wachsendem Erbe steigt, eigentlich selbstverständlich sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich kann man die Erbschaftssteuer nicht ganz isoliert betrachten. Ist sie zu hoch, wird sie womöglich durch Schenkungen vor dem Tod hintergangen. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass einerseits der rein vererbten Finanzmacht ein Riegel vorgeschoben wird, und andererseits Firmen im Laufe der Generationen zum Gemeinschaftsbesitz werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn einerseits gibt es zwar positive Beispiele von Unternehmerfamilien, die über mehrere Generationen einen mittelständischen Betrieb sinnvoll weiterführen. Deshalb bin ich auch nicht für eine vollständige Enteignung im Erbfall. Andererseits muss auch die Tatsache anerkannt werden, dass eine erfolgreiche Firmengeschichte nicht im Vakuum entsteht, sondern durch das gesellschaftliche und regionale Umfeld erst ermöglicht wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deswegen, so mein ursprünglicher Gedanke, sollte ein Großteil der Besitzrechte in öffentlich-rechtliche Stiftungen überführt werden, die politisch kontrolliert werden, z.B. gerade bei kleineren Betrieben durch kommunale Regierungen. Diese dienen, da sie von den Bürgern gewählt werden, als Mittler des politischen Willens bei der Verwaltung von Gemeinschaftsbesitz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einem &lt;a href="http://www.woz.ch/artikel/2011/nr36/wirtschaft/21119.html"&gt;Interview mit Sahra Wagenknecht&lt;/a&gt; habe ich nun eine weitere gute Idee dazu gelesen. Sie schlägt vor, den Besitz in eine Stiftung zu überführen, die von der Belegschaft selbst kontrolliert wird. Es gibt einiges, das dafür spricht. Zum einen ist die Belegschaft ein ganz zentraler Grund für den Erfolg eines Betriebs, weshalb es nur logisch ist, ihr über diesen Mechanismus einen noch konkreteren Einfluss zu geben. Andererseits ist damit garantiert, dass der Einfluss fachfremder Außenseiter auf die Firmenpolitik nicht zu groß werden kann. Das so typische Phänomen des generischen Managers, der von der konkreten Tätigkeit des Betriebs keine Ahnung hat und deshalb dumme Entscheidungen trifft, kann also vermieden werden. Das führt langfristig nicht nur zu gerechterem, sondern auch zu effizienterem Wirtschaften.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt natürlich trotzdem noch Gründe, die für die erste, politikgebundene Variante sprechen, und ich bin mir nicht sicher, welche davon nun wirklich die Bessere ist. Vielleicht ist ja auch eine Mischung denkbar. Sicher bin ich mir aber darin, dass beides besser ist als der Status Quo. Ein graduelles Verschieben der Machtverhältnisse über eine hohe Erbschaftssteuer erscheint mir der beste Weg zu einer effizienteren und menschlicheren Wirtschaftsform.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/erbschaftssteuer-und-machtverhaltnisse.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-9222172327911847457</guid><pubDate>Sun, 11 Sep 2011 14:11:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-09-11T16:11:00.483+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Remember, remember...</title><description>... the &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Putsch_in_Chile_1973"&gt;eleventh of September&lt;/a&gt;:&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;br /&gt;Am 11. September 1973 putschte das Militär in Chile. Der drei Jahre zuvor demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende nahm sich das Leben, nachdem die Luftwaffe begonnen hatte, den Präsidentenpalast La Moneda zu bombardieren. Eine Militärjunta unter der Führung von Augusto Pinochet regierte Chile daraufhin bis zum 11. März 1990 als Diktatur. Der Putsch wurde von den USA politisch und finanziell unterstützt und war ein zentrales Ereignis im Kalten Krieg, mit ähnlich symbolhafter Bedeutung wie die Revolution in Kuba.&lt;br /&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Ist es die Ironie des Schicksals, dass die Daten so schön zusammenpassen? Oder haben die Vereinigten Staaten in ihrer Geschichte einfach so viel Terrorismus in anderen Ländern unterstützt, dass es sich um keinen großen Zufall handelt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Mitleid gilt nicht nur dem chilenischen, sondern auch dem US-ischen Volk. Beiden wurde an einem 11. September großes Unrecht angetan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber bei aller Ausgeglichenheit auf Ebene der Opfer fällt es mir doch schwer, die entsprechende Ausgeglichenheit auch auf Ebene der Täter zu finden. Denn wer stark ist hat automatisch eine größere moralische Pflicht, seine Stärke nicht zu missbrauchen.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/remember-remember.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink='false'>tag:blogger.com,1999:blog-36137506.post-4244903146821571244</guid><pubDate>Sat, 10 Sep 2011 12:15:00 +0000</pubDate><atom:updated>2011-09-10T14:15:00.920+02:00</atom:updated><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Politik</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Makro</category><category domain='http://www.blogger.com/atom/ns#'>Deutsch</category><title>Lang lebe die Seilschaft</title><description>Nun &lt;a href="http://www.sueddeutsche.de/geld/2.220/ezb-chefvolkswirt-stark-tritt-zurueck-schwarzer-freitag-fuer-den-euro-1.1141290"&gt;verlässt also der zweite Deutsche die EZB&lt;/a&gt;, weil seine Ideologie mit der Realität nicht mehr kompatibel ist. Im Grunde würde ich dem keine Träne nachweinen, würde es nicht so aussehen, als würde Jörg Asmussen ihn ersetzen. Ja, &lt;em&gt;der&lt;/em&gt; Asmussen &lt;a href="http://www.heise.de/tp/artikel/33/33455/1.html"&gt;von der neoliberalen Asmussen-Weidmann-Weber Seilschaft&lt;/a&gt;. Das hätte nun wirklich nicht sein müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber wenden wir uns den Inhalten zu. Der große Streit geht um die Tatsache, dass die EZB Anleihen einiger Euro-Mitgliedsstaaten kauft. Folglich steigt der Preis dieser Papiere, und ihre &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rendite"&gt;Rendite&lt;/a&gt; sinkt. Dadurch gelingt es einerseits den jetzigen Inhabern dieser Anleihen diese zu verkaufen, umgangssprachlich: los zu werden. Andererseits wird es den Staaten ermöglicht, neue Anleihen zu niedrigeren Zinssätzen auszugeben (der Zins, den die Staaten auf bereits ausgegebene Anleihen bezahlen, ändert sich natürlich nicht).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rein pragmatisch gesehen ist das vermutlich notwendig, weil die betroffenen Staaten sonst durch einen Teufelskreis in den Bankrott getrieben würden, auch wenn sie ansonsten eigentlich solide dastehen würden. Hohe Renditen von Anleihen werden als Anzeichen interpretiert, dass diese Anleihen ein höheres Ausfallrisiko besitzen. Das verleitet Anleger dazu, diese Anleihen zu verkaufen (und sich von dem erlösten Geld Anleihen eines anderen Staats zu kaufen - dass die Rendite deutscher Anleihen seit Beginn der Finanzkrise im Schnitt deutlich gesunken ist hat mit unserer Wirtschaftspolitik herzlich wenig zu tun). Dadurch sinkt der Preis der Anleihen, was einem Anstieg der Rendite entspricht. Und damit erneuert sich der Kreislauf. Ein Herdentrieb, dem die EZB entgegenwirken kann, indem sie Anleihen der betroffenen Staaten kauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschen wie Axel Weber und Jürgen Stark (die beiden EZB-Deserteure) vertreten aber nun implizit eine Ideologie, laut der die Regierungen dem Diktat der Finanzmärkte unterworfen werden müssten, weil sie sonst durch ausufernde Staatsdefizite die Inflation beschleunigen würden. Da ihre Ideologie außerdem eine Begrenzung der Inflation über alles stellt - im Gegensatz zum &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Viereck"&gt;Magischen Viereck&lt;/a&gt; einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik - gehen ihnen die Anleihekäufe gegen den Strich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Tat ist die EZB für solche Aktionen denkbar ungeeignet. Es muss das Prinzip gelten, dass eine größere Regierungseinheit einspringt, wenn eine kleinere Einheit strauchelt. So ist es selbstverständlich, dass das Land eingreift, wenn eine seiner Kommunen in Finanzschwierigkeiten gerät. Der Haushalt der Kommune wird dann streng kontrolliert, aber die Kommune wird nicht den Haien zum Fraß vorgeworfen. Stattdessen greift das Land fördernd ein - auch mit zusätzlichen Ausgaben - um die Kommune wieder auf die Beine zu stellen. Genau dies muss nun auf europäischer Ebene geschehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerdings ist das ein höchst politischer Akt. Die Form des Eingriffs muss politisch entschieden werden, und die politische Entscheidung bedarf einer soliden demokratischen Legitimation. Der Ministerrat oder die in den Medien ausdiskutierten mehr oder weniger automatischen Mechanismen können dies nicht leisten, und die EZB schon gar nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die beste Lösung wäre, das Europäische Parlament zum monetären Souverän der Eurozone im Sinne der &lt;a href="http://nhaehnle.blogspot.com/2010/09/echte-und-imaginare-schuldenprobleme.html"&gt;Modern Monetary Theory&lt;/a&gt; zu küren. Es ist hinreichend legitimiert, um mit einem eigenen Budget die notwendigen demokratischen Entscheidungen für Konjunkturpakete zu treffen. Diese Einsicht wird den Politikern auf nationaler Ebene leider schwer fallen, und so muss sich die EZB mit der Realität abfinden, bis diese oder eine vergleichbare Lösung implementiert ist, und weiter Feuerwehr spielen.</description><link>http://nhaehnle.blogspot.com/2011/09/lang-lebe-die-seilschaft.html</link><author>noreply@blogger.com (Nicolai Hähnle)</author><thr:total>0</thr:total></item></channel></rss>