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Samstag, Juni 05, 2010

Eine Studie und ihre Nachrichten

Gerade wandert eine Studie, die die Folgen der letzten Oberstufenreform in Baden-Württemberg untersucht hat, durch die Medien. Angesichts des großen Tumults, der von allen Seiten zu solch einer Reform produziert wird, freut man sich über jeden objektiven Blick.

Aber wie objektiv ist der Blick, der bei uns Nicht-Bildungswissenschaftlern ankommt, wirklich? Gerne werfen die Lager in erhitzten politischen Diskussionen den Autoren solcher Studien mangelnde Objektivität vor, und sicherlich ist niemand perfekt. Aber auch eine perfekt objektive Studie übersteht den Filter der Berichterstattung selten unbeschadet.

Schön verräterisch ist da die Gegenüberstellung zweier Artikel anlässlich der selben, anfangs erwähnten Studie, einer in der SZ - "Stabil in Englisch, besser in Mathe" - der andere in der ZEIT - "Schlechte Stimmung, schwache Zahlen". (Ja, mir ist bekannt, dass Überschriften nicht unbedingt aus der gleichen Feder stammen wie der Artikel, über dem sie stehen, aber jeder kann sich leicht selbst überzeugen, dass der Grundton der Artikel mit den Überschriften in diesem Fall deutlich korreliert.)

Auch ohne die Artikel oder die Studie ausführlich zu lesen ist klar, dass mindestens einer der beteiligten Redakteure seine persönliche Meinung über die objektive Berichterstattung stellt.

Das Traurige ist, dass wir dieser manipulativen Filterung ständig ausgesetzt sind, und sie sich nur selten durch so offensichtlich widersprüchliche Artikel entlarvt.

Freitag, November 06, 2009

Über Hochbegabung und schwache Prädiktoren

Seit ich mit dem Studium begonnen habe, habe ich immer wieder von Eltern gehört, die furchtbar stolz über ihre hochbegabten dreijährigen Kinder waren. Nun ist natürlich verständlich, dass Eltern auf ihre Kinder stolz sind und jegliche noch so kleine Entwicklung als kleines Wunder wahrnehmen. Auf der anderen Seite hat eine ganze Industrie die Erziehungswünsche der Eltern als Markt entdeckt, und zunehmend strömen "Eliteschulen" selbst für Kleinstkinder auf diesen Markt.

In diesem gesellschaftlichen Klima ist es erfrischend, einmal einen objektiven Blick auf die Entwicklung von Kindern zu werfen. Die Zahlen sprechen nämlich ganz klar gegen die Überbewertung der sogenannten Hochbegabung: von 77 Kindern, die in einem Test als besonders begabt eingestuft wurden, wurde nach nur anderthalb Jahren nicht einmal mehr die Hälfte derart klassifiziert. Umgekehrt lässt sich vermuten, dass wohl auch Kinder, die zunächst nicht als besonders begabt gelten würden, in anderthalb Jahren eine sehr gute Aufholchance haben.

Als gäbe es nicht sowieso schon genug Argumente gegen das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland...