Donnerstag, November 15, 2007
All the leaves are brown
... and the sky is blue! Heute geht's los nach Kalifornien - über Kansas, Colorado, Utah und Nevada. Über Thanksgiving, bis zum nächsten Sonntag, bin ich mit einem Haufen cooler Leute in einem Minivan unterwegs. Jetzt muss ich aber erst noch ein paar Dinge packen, und mir noch eine letzte Vorlesung Zahlentheorie reinziehen, bevor ich am Montag und Dienstag die Uni schwänze...
Dienstag, November 13, 2007
Dies ist ein Liebesbrief
Über ein Auslandssemester in einem Blog zu berichten ist schwierig. Natürlich will ich euch auf dem Laufenden halten, was alles so passiert. Aber ich muss zugeben, dass mir schon vor längerem aufgefallen ist, dass meine Berichte oberflächlich sind. Ich erzähle von den Orten, an denen ich war, und von kulturellen Unterschieden, die mir besonders ins Auge gestochen sind. Ganz klar, dass vieles davon zu den für mich persönlich besonderen Eindrücken gehört. Jedoch bleibt ein Großteil dessen, was mich wirklich im Innersten bewegt, unausgesprochen.
Dafür gibt es gute Gründe. Zum einen ist ein Blog kein Tagebuch. Es gibt Menschen, die ihre privatesten Gefühle und Erlebnisse in die weite Welt posaunen. Ich dagegen denke, dass dies in der Regel dem klassischen Tagebuch vorbehalten bleiben sollte.
Zum anderen sind oberflächliche Themen sowohl für mich als Autor als auch für euch als Leser einfacher. Denn alle wirklich wichtigen Erlebnisse sind sehr subjektiv. Jeder kann nach Tulsa oder nach New York oder an die Cliffs of Moher fahren. (Ich persönlich würde im Anschluss am ehesten die Cliffs of Moher als wertvolle Erfahrung in Erinnerung behalten, jemand anderes vielleicht nur New York.) Davon kann man gut berichten, aber im Grunde ist es eben oberflächlich. Die wirklich bedeutenden und bleibenden Erinnerungen können so unscheinbar sein wie die Silhouette einer Leserin am Rande eines Teichs. Denn sie haben beinahe nie mit Orten oder offiziellen Anlässen zu tun, und falls doch, so dient der Ort oder Anlass meist nur als Katalysator. Wirklich wichtig sind nämlich nur andere Menschen. Und solange ihr als Leser diese Menschen nicht selbst kennt, ist es mir kaum möglich, von meinen Erfahrungen so zu berichten, dass ihr sie hinreichend nachvollziehen könnt.
Ich würde daran auch nichts ändern wenn mir meine Privatsphäre (und die meiner Mitmenschen hier!) egal wäre. Sicherlich könnte ich versuchen, euch mit schriftstellerischen Ausschweifungen wie in einem Roman an die Protagonisten meines Abenteuers hier heranzuführen. Aber - ich bitte um Entschuldigung - dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich verwende schon jetzt genügend Zeit mit dem Schreiben dieses Blogs, da ich nicht einfach nur meine erstbesten Gedanken zu Protokoll geben will. Trotzdem will ich euch ein paar der tollen Menschen, die ich hier kennengelernt habe, kurz vorstellen. Der wirklich spannende Tratsch bleibt aber privat!
Da wäre zum Beispiel Mohammed, mein algerisch-französischer Mitbewohner, der hier seinen Master macht. Es ist zum großen Teil ihm zu verdanken, dass unser Apartment trotz kolumbianischer Küchenbenutzung noch nicht ganz verwahrlost ist (das hört sich jetzt schlimmer an, als es ist). Er hat eine freundliche und bedachte Art, die er auch in seinen im Überfluss vorhandenen Humor einfließen lässt. Kombiniert mit seinem Akzent hat das schon dazu geführt, dass Besucher im Wortsinn vor Lachen auf dem Boden gelegen haben. Und ich habe noch nicht ganz aufgegeben, ihm "Pfüati" beizubringen (wie schreibt man das eigentlich?), aber bis jetzt hört es sich mehr wie "fifty" an.

Wer vor Lachen auf dem Boden lag war übrigens nicht irgendwer, sondern Phoebe ("Can't you hear I'm from England?"), die selbst im Swimmingpool noch am Tanzen ist, wenn die Musik passt. Es gab eine Phase, in der wir ständig Südstaatenakzente ("Howdyall") und die absurden Rufe der Fraternities und Sororities imitiert haben. Auch sonst haben wir jede Menge Spaß, nicht zuletzt mit so tiefgreifenden Erkenntnissen wie der, dass es doch tatsächlich Eltern gibt, die ihr Kind Shithead nennen (der Name wird Shutheed ausgesprochen).

Für Heroes und andere Serien ist Aissata ("Oooohhhh, Shasha!") aus Mali Expertin. Sie ist außer ihrer Schwester Seina übrigens die einzige Studentin aus Mali hier, und immer wieder für Parties und ähnliches zu haben. Ich darf daran erinnern, dass der Elf ihre Idee war. Auf dem Bild sind Aissata, ihre Energie geladene Mitbewohnerin Yan und Lukas.

Ein ganz anderer Typ Mensch ist Sachiyo aus Japan durch die ich gelernt habe, wie mit etwas Aufmerksamkeit aus einem schönen Abend ein besonderer Abend werden kann. Sie entspricht viel mehr dem Klischee von fernöstlicher Zurückhaltung, aber jedes Mal, wenn ich mich mit mir unterhalten habe, war eine Bereicherung. Leider habe ich nicht mehr viel mit ihr zu tun.

Neben ihr auf dem Sofa sitzt Dominik, den ich in diesem Blog schon öfter erwähnt habe. Er wird von (fast?) allen geliebt, nicht nur für seinen grandiosen deutschen Akzent. Durch seine Arbeit bei OU Nightly hat er immer wieder interessante Einblicke parat. Leider versagt Dominik genau diese Arbeit die Mitfahrt bei unserem Thanksgiving-Roadtrip. Es ist übrigens einfach angenehm, ab und zu wieder mit einem anderen Deutschen zu reden. Denn ich habe hier mit den wenigsten anderen Deutschen viel zu tun, und das ist auch gut so.
Überhaupt nicht dem fernöstlichen Klischee der Zurückhaltung entsprechen übrigens Südkoreaner. Fast alle, die ich von ihnen getroffen habe, waren total offen und eine Freude beim gegenseitigen Austausch. 아름 (Areum), die ich zum ersten Mal vor ein paar Wochen richtig kennengelernt habe, hat mir auch gleich eine südkoreanische Fernsehsendung gezeigt. Areum ist übrigens Mitbewohnerin von Theresia aus Paderborn. Manchmal sind sie auch einfach nur süß, zum Beispiel als 예리 (Ye Li) mir vom im koreanischen Singsang ausgesprochenen "ree-sal" erzählt hat. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass damit eine Orchesterprobe gemeint war. Ich habe mir schon seit Jahren immer wieder überlegt, eine "ganz andere" Sprache zu lernen. Sieht aus, als hätte ich meine Entscheidung getroffen. Hier sind Cindy und Ye Li. Wie viele andere Koreaner heißt Cindy nicht wirklich Cindy, sondern hat sich diesen Namen zugelegt, weil er einfacher auszusprechen ist. Ihren echten Namen weiß ich nicht mehr, aber er klang ganz ähnlich.

Damit sind leider immer noch nicht alle erwähnt, die ich erwähnen wollte, und erst recht sind nicht alle erwähnt, die eine Erwähnung verdient haben. Aber es ist an der Zeit, dass ich diesen Eintrag abschließe. Vielleicht kommt ja noch ein Nachtrag... und wer wirklich mehr wissen will, wird dazu auch Gelegenheit bekommen.
Dafür gibt es gute Gründe. Zum einen ist ein Blog kein Tagebuch. Es gibt Menschen, die ihre privatesten Gefühle und Erlebnisse in die weite Welt posaunen. Ich dagegen denke, dass dies in der Regel dem klassischen Tagebuch vorbehalten bleiben sollte.
Zum anderen sind oberflächliche Themen sowohl für mich als Autor als auch für euch als Leser einfacher. Denn alle wirklich wichtigen Erlebnisse sind sehr subjektiv. Jeder kann nach Tulsa oder nach New York oder an die Cliffs of Moher fahren. (Ich persönlich würde im Anschluss am ehesten die Cliffs of Moher als wertvolle Erfahrung in Erinnerung behalten, jemand anderes vielleicht nur New York.) Davon kann man gut berichten, aber im Grunde ist es eben oberflächlich. Die wirklich bedeutenden und bleibenden Erinnerungen können so unscheinbar sein wie die Silhouette einer Leserin am Rande eines Teichs. Denn sie haben beinahe nie mit Orten oder offiziellen Anlässen zu tun, und falls doch, so dient der Ort oder Anlass meist nur als Katalysator. Wirklich wichtig sind nämlich nur andere Menschen. Und solange ihr als Leser diese Menschen nicht selbst kennt, ist es mir kaum möglich, von meinen Erfahrungen so zu berichten, dass ihr sie hinreichend nachvollziehen könnt.
Ich würde daran auch nichts ändern wenn mir meine Privatsphäre (und die meiner Mitmenschen hier!) egal wäre. Sicherlich könnte ich versuchen, euch mit schriftstellerischen Ausschweifungen wie in einem Roman an die Protagonisten meines Abenteuers hier heranzuführen. Aber - ich bitte um Entschuldigung - dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich verwende schon jetzt genügend Zeit mit dem Schreiben dieses Blogs, da ich nicht einfach nur meine erstbesten Gedanken zu Protokoll geben will. Trotzdem will ich euch ein paar der tollen Menschen, die ich hier kennengelernt habe, kurz vorstellen. Der wirklich spannende Tratsch bleibt aber privat!
Da wäre zum Beispiel Mohammed, mein algerisch-französischer Mitbewohner, der hier seinen Master macht. Es ist zum großen Teil ihm zu verdanken, dass unser Apartment trotz kolumbianischer Küchenbenutzung noch nicht ganz verwahrlost ist (das hört sich jetzt schlimmer an, als es ist). Er hat eine freundliche und bedachte Art, die er auch in seinen im Überfluss vorhandenen Humor einfließen lässt. Kombiniert mit seinem Akzent hat das schon dazu geführt, dass Besucher im Wortsinn vor Lachen auf dem Boden gelegen haben. Und ich habe noch nicht ganz aufgegeben, ihm "Pfüati" beizubringen (wie schreibt man das eigentlich?), aber bis jetzt hört es sich mehr wie "fifty" an.

Wer vor Lachen auf dem Boden lag war übrigens nicht irgendwer, sondern Phoebe ("Can't you hear I'm from England?"), die selbst im Swimmingpool noch am Tanzen ist, wenn die Musik passt. Es gab eine Phase, in der wir ständig Südstaatenakzente ("Howdyall") und die absurden Rufe der Fraternities und Sororities imitiert haben. Auch sonst haben wir jede Menge Spaß, nicht zuletzt mit so tiefgreifenden Erkenntnissen wie der, dass es doch tatsächlich Eltern gibt, die ihr Kind Shithead nennen (der Name wird Shutheed ausgesprochen).

Für Heroes und andere Serien ist Aissata ("Oooohhhh, Shasha!") aus Mali Expertin. Sie ist außer ihrer Schwester Seina übrigens die einzige Studentin aus Mali hier, und immer wieder für Parties und ähnliches zu haben. Ich darf daran erinnern, dass der Elf ihre Idee war. Auf dem Bild sind Aissata, ihre Energie geladene Mitbewohnerin Yan und Lukas.

Ein ganz anderer Typ Mensch ist Sachiyo aus Japan durch die ich gelernt habe, wie mit etwas Aufmerksamkeit aus einem schönen Abend ein besonderer Abend werden kann. Sie entspricht viel mehr dem Klischee von fernöstlicher Zurückhaltung, aber jedes Mal, wenn ich mich mit mir unterhalten habe, war eine Bereicherung. Leider habe ich nicht mehr viel mit ihr zu tun.

Neben ihr auf dem Sofa sitzt Dominik, den ich in diesem Blog schon öfter erwähnt habe. Er wird von (fast?) allen geliebt, nicht nur für seinen grandiosen deutschen Akzent. Durch seine Arbeit bei OU Nightly hat er immer wieder interessante Einblicke parat. Leider versagt Dominik genau diese Arbeit die Mitfahrt bei unserem Thanksgiving-Roadtrip. Es ist übrigens einfach angenehm, ab und zu wieder mit einem anderen Deutschen zu reden. Denn ich habe hier mit den wenigsten anderen Deutschen viel zu tun, und das ist auch gut so.
Überhaupt nicht dem fernöstlichen Klischee der Zurückhaltung entsprechen übrigens Südkoreaner. Fast alle, die ich von ihnen getroffen habe, waren total offen und eine Freude beim gegenseitigen Austausch. 아름 (Areum), die ich zum ersten Mal vor ein paar Wochen richtig kennengelernt habe, hat mir auch gleich eine südkoreanische Fernsehsendung gezeigt. Areum ist übrigens Mitbewohnerin von Theresia aus Paderborn. Manchmal sind sie auch einfach nur süß, zum Beispiel als 예리 (Ye Li) mir vom im koreanischen Singsang ausgesprochenen "ree-sal" erzählt hat. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass damit eine Orchesterprobe gemeint war. Ich habe mir schon seit Jahren immer wieder überlegt, eine "ganz andere" Sprache zu lernen. Sieht aus, als hätte ich meine Entscheidung getroffen. Hier sind Cindy und Ye Li. Wie viele andere Koreaner heißt Cindy nicht wirklich Cindy, sondern hat sich diesen Namen zugelegt, weil er einfacher auszusprechen ist. Ihren echten Namen weiß ich nicht mehr, aber er klang ganz ähnlich.

Damit sind leider immer noch nicht alle erwähnt, die ich erwähnen wollte, und erst recht sind nicht alle erwähnt, die eine Erwähnung verdient haben. Aber es ist an der Zeit, dass ich diesen Eintrag abschließe. Vielleicht kommt ja noch ein Nachtrag... und wer wirklich mehr wissen will, wird dazu auch Gelegenheit bekommen.
Sonntag, November 11, 2007
Interview
Es gibt wenig Irritierenderes, als vor einer Kamera zu stehen, aber spassig war's trotzdem. Dominik ist ein Journalismusstudent, der für einen seiner Kurse als Projekt einen Kurzbericht über Reisen zu Thanksgiving produzieren muss, und da hat er mich anlässlich unsereres dräuenden Westküsten-Roadtrips um ein Interview gebeten.
Der Auf- und Abbau von Kamera & co. hat übrigens mindestens fünfmal so lange gedauert wie das eigentliche Interview, und von dem Interview wird letztendlich nur ein Bruchteil in seinem Bericht landen. Ich bin mal gespannt, ob ich das Video von meinem Interview noch zu sehen bekomme. Ich habe das Gefühl, nur totalen Blödsinn gelabert zu haben...
Im Anschluss haben wir uns noch gut über die Verantwortung von Reportern, ihre Arbeitsweise beim Schneiden und den Bericht über die Klimaerwärmung, an dem er arbeitet, unterhalten. Es gibt ja tatsächlich noch Amerikaner, die das alles leugnen, aber er will sich auf diese Diskussion in seinem Bericht nicht einlassen.
Wo ich gerade dabei bin: Es gibt auch mindestens einen Amerikaner, der Clinton die Verantwortung für 9/11 gibt. Er ist Reserve-Footballspieler , und ich habe ihn letzten Freitag getroffen, als ich mit Ty, meinem "host dad", zum Mittagessen gegangen bin. Die gesamte Diskussion über amerikanische Politik war durchaus interessant, denn (abgesehen von der Sache mit Clinton, die ich nun wirklich nicht nachvollziehen konnte) war seine Denkweise und Argumentation durchaus schlüssig - wenn man sich für den Rest der Welt nicht wirklich interessiert. Wenn doch nur solche Menschen auch mal ein Auslandssemester machen würden... das betrifft übrigens nicht nur Amerikaner. Ich kenne auch ein paar Deutschen, denen die Erfahrung nicht schaden würde.
Der Auf- und Abbau von Kamera & co. hat übrigens mindestens fünfmal so lange gedauert wie das eigentliche Interview, und von dem Interview wird letztendlich nur ein Bruchteil in seinem Bericht landen. Ich bin mal gespannt, ob ich das Video von meinem Interview noch zu sehen bekomme. Ich habe das Gefühl, nur totalen Blödsinn gelabert zu haben...
Im Anschluss haben wir uns noch gut über die Verantwortung von Reportern, ihre Arbeitsweise beim Schneiden und den Bericht über die Klimaerwärmung, an dem er arbeitet, unterhalten. Es gibt ja tatsächlich noch Amerikaner, die das alles leugnen, aber er will sich auf diese Diskussion in seinem Bericht nicht einlassen.
Wo ich gerade dabei bin: Es gibt auch mindestens einen Amerikaner, der Clinton die Verantwortung für 9/11 gibt. Er ist Reserve-Footballspieler , und ich habe ihn letzten Freitag getroffen, als ich mit Ty, meinem "host dad", zum Mittagessen gegangen bin. Die gesamte Diskussion über amerikanische Politik war durchaus interessant, denn (abgesehen von der Sache mit Clinton, die ich nun wirklich nicht nachvollziehen konnte) war seine Denkweise und Argumentation durchaus schlüssig - wenn man sich für den Rest der Welt nicht wirklich interessiert. Wenn doch nur solche Menschen auch mal ein Auslandssemester machen würden... das betrifft übrigens nicht nur Amerikaner. Ich kenne auch ein paar Deutschen, denen die Erfahrung nicht schaden würde.
Samstag, November 10, 2007
Mile High
Ich wollte schon lange nach Colorado in die Rocky Mountains fahren, hatte das aber immer wieder aus verschiedensten Gründen verschoben. Nicht zuletzt, weil die Idee von Wanderungen nur auf begrenztes Interesse stößt. Als ich letzten Mittwoch den Wetterbericht fürs Wochenende sah, habe ich spontan beschlossen, dieses Wochenende einfach zu handeln und habe einen Flug nach Denver und einen Mietwagen gebucht - und zwar von Samstag bis Montag, da das so spontan sonst recht teuer geworden wäre.
Der Flug nach Denver war äußerst ereignislos. Colorado, einer der rechteckigsten Bundesstaaten der Welt, sieht von oben ziemlich skurril aus. Zunächst ist das Land einfach nur flach. Dann kommt Denver, und westlich von Denver fangen die Berge an, und zwar so gut wie ohne Übergang. Es wirkt beinahe so, als hätten die Designer vom östlichen und vom westlichen Colorado nicht miteinander geredet.
Mit einem Shuttle ging es dann zum Autoverleih. Auf einer Fläche gigantischen Ausmaßes steht dort ein Auto neben dem anderen. Der arme Mensch am Schalter hat eine Weile gebraucht um zu verstehen, wie deutsche Führerscheine funktionieren ("They don't have an expiry date?") und war auch sonst etwas mit meiner Identifikation überfordert (letztendlich haben wir uns darauf geeinigt, dass er eine Kopie des Visas haben kann). War ganz amüsant, aber eigentlich würde ich erwarten, dass die Leute sich zumindest an einem Flughafen auskennen.

Ich bin dann über die Umgehungsstraße 470 nördlich um Denver herum nach Boulder gefahren. Das war nicht ganz so klever, wie ich mir eigentlich hätte denken können, denn Boulder ist Heimat des Hauptcampus der University of Colorado, und samstags ist Footballtag. Nach viel Stop and Go habe ich dann aber doch einen günstigen, wenn auch zeitbegrenzten Parkplatz gefunden, und das sogar im Stadtinneren in der Nähe der Fußgängerzone. Ja, man glaubt es kaum, aber Boulder hat tatsächlich eine Fußgängerzone. Das war so furchtbar interessant, an jeder Ecke steht ein Musikant. Und auch sonst war einiges geboten. Am beeindruckendsten war der Zipcode Man, der tatsächlich bis auf eine Ausnahme jedem der auf der mit einer Kette ausgelegten USA-Karte stehenden Personen zur Postleitzahl den Namen des Ortes sagen konnte.

Überhaupt ist diese Fußgängerzone der wohl sympathischste von Menschenhand geschaffene Ort, den ich bis jetzt in den USA gesehen habe. An mehreren Stellen gibt es Spielbereiche, an denen sich Familien mit kleinen Kindern getummelt haben. Nach Didgeridoo- und Geigenspieler musste man nicht lange suchen. Und mit dem vereinzelten Scientologen muss man in so einer Umgebung wohl leben können.

Nur mit dem Begriff der Fußgängerzone an sich tun sich die Amerikaner offensichtlich schwer. Da "pedestrian" hierzulande ja schon beinahe eine Beleidigung ist, behelfen sie sich mit dem etwas irreführenden Begriff der "outdoor mall". Aber alles in allem: Wenn man noch die Faktoren "Unistadt" und "nahe Berge" berücksichtigt ist Boulder tatsächlich ein Ort, an dem ich mir vorstellen könnte, länger zu wohnen.
In Boulder habe ich mich mit Vorräten versorgt. Supermärkte zu finden ist zum Glück einfach, da man nur an den Highways entlang suchen muss. Danach ging es nach Estes Park, der letzten Stadt außerhalb des Rocky Mountain National Parks. Auf den Highways in den Bergen Colorados sind erstaunlich viele Radfahrer unterwegs, und die Straßen sind mit zusätzlichem Platz am Rand sogar dafür ausgelegt. Nach einem kurzen Abstecher nach Frankreich bin ich irgendwo in der Pampa in den Abend gewandert. Und dann war ich in den Bergen!

Es ist übrigens ganz interessant, wie sich in einer Stadt wie Estes Park der Stil einer amerikanischen Stadt an den Stil von Städten in den Alpen anpasst.
Früh am nächsten Morgen (vor Sonnenaufgang hab ich's leider doch nicht geschafft...) bin ich in den Rocky Mountain National Park gefahren, und das lässt sich nicht mehr adäquat mit Worten beschreiben.







Ganz besondere Erwähnung verdienen vielleicht noch die Fauna und der Lake Bierstadt, an dessen merkwürdiger Schreibweise ich leider nichts ändern kann.


Es hatte übrigens, zumindest außerhalb der Wälder, ganz angenehme Temperaturen. Schließlich kommt man bei den raschen Anstiegen doch schnell ins Schwitzen. Nur die dünne Luft ist etwas gewöhnungsbedürftig, was aber kein Wunder ist, wenn selbst die Ausgangspunkte der Wanderungen schon über 2500m liegen. Das einzige, was gefehlt hat, war richtige Schokolade. Leider musste ich mich mit Hershey's behelfen.
In einem Schockmoment habe ich dann festgestellt, dass ich die Adresse des Hostels in Denver nicht aufgeschrieben hatte. Zur Mittagszeit habe ich daher einen Abstecher nach Estes Park gemacht und den öffentlichen Internetzugang in der Public Library genutzt.
Als die Sonne dann am Untergehen war, bin ich Highway 7, 72 und 119 nach Süden bis zur Interstate 70, und diese dann zurück nach Denver gefahren. Bei Nacht bietet das Lichtermeer einer großen amerikanischen Stadt schon einen faszinierenden Anblick, und ich war für den monotonen Aufbau von Denver dann doch dankbar. Selbst ohne vernünftigen Stadtplan habe ich mich nur einmal auf dem Weg verfahren. Überhaupt merkt man, dass eine Stadt wie Denver nicht um Geschichte, sondern um Autos herum gebaut wurde. Insbesondere die Praxis, den Namen der Querstraße auf Kreuzungen an prominenter Stelle anzuzeigen, könnten wir in Deutschland ruhig übernehmen.
Am Montag habe ich dann in Denver die United States Mint besucht und bin durch die Innenstadt gebummelt.

Denver ist sicherlich ein schönes Städtchen, aber mit den Bergen kann es nicht mithalten - dafür bin ich zu sehr Freund der Natur. Übrigens hat auch Denver sowas wie eine Fußgängerzone, die aber eher wie eine schlechte Kopie von Boulder wirkt. Etwas erstaunt war ich, als ich in einem Virgin Superstore in der internationalen DVD-Sektion Triumph des Willens gefunden habe.

Mein Glaube an das Gute im Menschen lässt mich vermuten, dass im "Bonusmaterial" der DVD auch der geschichtliche Kontext erklärt wird, aber zumindest an der äußeren Präsentation war nicht zu erkennen, dass man den Film nicht wirklich in eine Reihe mit Das Leben der Anderen und Lola rennt stellen kann...
Die Wanderungen des Vortags haben letztendlich doch ihren Zoll in Form von schweren Beinen gefordert, und so habe ich mich irgendwann nur noch in den nächstbesten Film gesetzt, bevor ich zurück zum Flughafen gefahren bin, dem Ende meines Kurzurlaubs entgegen.
Der Flug nach Denver war äußerst ereignislos. Colorado, einer der rechteckigsten Bundesstaaten der Welt, sieht von oben ziemlich skurril aus. Zunächst ist das Land einfach nur flach. Dann kommt Denver, und westlich von Denver fangen die Berge an, und zwar so gut wie ohne Übergang. Es wirkt beinahe so, als hätten die Designer vom östlichen und vom westlichen Colorado nicht miteinander geredet.
Mit einem Shuttle ging es dann zum Autoverleih. Auf einer Fläche gigantischen Ausmaßes steht dort ein Auto neben dem anderen. Der arme Mensch am Schalter hat eine Weile gebraucht um zu verstehen, wie deutsche Führerscheine funktionieren ("They don't have an expiry date?") und war auch sonst etwas mit meiner Identifikation überfordert (letztendlich haben wir uns darauf geeinigt, dass er eine Kopie des Visas haben kann). War ganz amüsant, aber eigentlich würde ich erwarten, dass die Leute sich zumindest an einem Flughafen auskennen.

Ich bin dann über die Umgehungsstraße 470 nördlich um Denver herum nach Boulder gefahren. Das war nicht ganz so klever, wie ich mir eigentlich hätte denken können, denn Boulder ist Heimat des Hauptcampus der University of Colorado, und samstags ist Footballtag. Nach viel Stop and Go habe ich dann aber doch einen günstigen, wenn auch zeitbegrenzten Parkplatz gefunden, und das sogar im Stadtinneren in der Nähe der Fußgängerzone. Ja, man glaubt es kaum, aber Boulder hat tatsächlich eine Fußgängerzone. Das war so furchtbar interessant, an jeder Ecke steht ein Musikant. Und auch sonst war einiges geboten. Am beeindruckendsten war der Zipcode Man, der tatsächlich bis auf eine Ausnahme jedem der auf der mit einer Kette ausgelegten USA-Karte stehenden Personen zur Postleitzahl den Namen des Ortes sagen konnte.

Überhaupt ist diese Fußgängerzone der wohl sympathischste von Menschenhand geschaffene Ort, den ich bis jetzt in den USA gesehen habe. An mehreren Stellen gibt es Spielbereiche, an denen sich Familien mit kleinen Kindern getummelt haben. Nach Didgeridoo- und Geigenspieler musste man nicht lange suchen. Und mit dem vereinzelten Scientologen muss man in so einer Umgebung wohl leben können.

Nur mit dem Begriff der Fußgängerzone an sich tun sich die Amerikaner offensichtlich schwer. Da "pedestrian" hierzulande ja schon beinahe eine Beleidigung ist, behelfen sie sich mit dem etwas irreführenden Begriff der "outdoor mall". Aber alles in allem: Wenn man noch die Faktoren "Unistadt" und "nahe Berge" berücksichtigt ist Boulder tatsächlich ein Ort, an dem ich mir vorstellen könnte, länger zu wohnen.
In Boulder habe ich mich mit Vorräten versorgt. Supermärkte zu finden ist zum Glück einfach, da man nur an den Highways entlang suchen muss. Danach ging es nach Estes Park, der letzten Stadt außerhalb des Rocky Mountain National Parks. Auf den Highways in den Bergen Colorados sind erstaunlich viele Radfahrer unterwegs, und die Straßen sind mit zusätzlichem Platz am Rand sogar dafür ausgelegt. Nach einem kurzen Abstecher nach Frankreich bin ich irgendwo in der Pampa in den Abend gewandert. Und dann war ich in den Bergen!

Es ist übrigens ganz interessant, wie sich in einer Stadt wie Estes Park der Stil einer amerikanischen Stadt an den Stil von Städten in den Alpen anpasst.
Früh am nächsten Morgen (vor Sonnenaufgang hab ich's leider doch nicht geschafft...) bin ich in den Rocky Mountain National Park gefahren, und das lässt sich nicht mehr adäquat mit Worten beschreiben.







Ganz besondere Erwähnung verdienen vielleicht noch die Fauna und der Lake Bierstadt, an dessen merkwürdiger Schreibweise ich leider nichts ändern kann.


Es hatte übrigens, zumindest außerhalb der Wälder, ganz angenehme Temperaturen. Schließlich kommt man bei den raschen Anstiegen doch schnell ins Schwitzen. Nur die dünne Luft ist etwas gewöhnungsbedürftig, was aber kein Wunder ist, wenn selbst die Ausgangspunkte der Wanderungen schon über 2500m liegen. Das einzige, was gefehlt hat, war richtige Schokolade. Leider musste ich mich mit Hershey's behelfen.
In einem Schockmoment habe ich dann festgestellt, dass ich die Adresse des Hostels in Denver nicht aufgeschrieben hatte. Zur Mittagszeit habe ich daher einen Abstecher nach Estes Park gemacht und den öffentlichen Internetzugang in der Public Library genutzt.
Als die Sonne dann am Untergehen war, bin ich Highway 7, 72 und 119 nach Süden bis zur Interstate 70, und diese dann zurück nach Denver gefahren. Bei Nacht bietet das Lichtermeer einer großen amerikanischen Stadt schon einen faszinierenden Anblick, und ich war für den monotonen Aufbau von Denver dann doch dankbar. Selbst ohne vernünftigen Stadtplan habe ich mich nur einmal auf dem Weg verfahren. Überhaupt merkt man, dass eine Stadt wie Denver nicht um Geschichte, sondern um Autos herum gebaut wurde. Insbesondere die Praxis, den Namen der Querstraße auf Kreuzungen an prominenter Stelle anzuzeigen, könnten wir in Deutschland ruhig übernehmen.
Am Montag habe ich dann in Denver die United States Mint besucht und bin durch die Innenstadt gebummelt.

Denver ist sicherlich ein schönes Städtchen, aber mit den Bergen kann es nicht mithalten - dafür bin ich zu sehr Freund der Natur. Übrigens hat auch Denver sowas wie eine Fußgängerzone, die aber eher wie eine schlechte Kopie von Boulder wirkt. Etwas erstaunt war ich, als ich in einem Virgin Superstore in der internationalen DVD-Sektion Triumph des Willens gefunden habe.

Mein Glaube an das Gute im Menschen lässt mich vermuten, dass im "Bonusmaterial" der DVD auch der geschichtliche Kontext erklärt wird, aber zumindest an der äußeren Präsentation war nicht zu erkennen, dass man den Film nicht wirklich in eine Reihe mit Das Leben der Anderen und Lola rennt stellen kann...
Die Wanderungen des Vortags haben letztendlich doch ihren Zoll in Form von schweren Beinen gefordert, und so habe ich mich irgendwann nur noch in den nächstbesten Film gesetzt, bevor ich zurück zum Flughafen gefahren bin, dem Ende meines Kurzurlaubs entgegen.
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