Freitag, November 06, 2009

Über Hochbegabung und schwache Prädiktoren

Seit ich mit dem Studium begonnen habe, habe ich immer wieder von Eltern gehört, die furchtbar stolz über ihre hochbegabten dreijährigen Kinder waren. Nun ist natürlich verständlich, dass Eltern auf ihre Kinder stolz sind und jegliche noch so kleine Entwicklung als kleines Wunder wahrnehmen. Auf der anderen Seite hat eine ganze Industrie die Erziehungswünsche der Eltern als Markt entdeckt, und zunehmend strömen "Eliteschulen" selbst für Kleinstkinder auf diesen Markt.

In diesem gesellschaftlichen Klima ist es erfrischend, einmal einen objektiven Blick auf die Entwicklung von Kindern zu werfen. Die Zahlen sprechen nämlich ganz klar gegen die Überbewertung der sogenannten Hochbegabung: von 77 Kindern, die in einem Test als besonders begabt eingestuft wurden, wurde nach nur anderthalb Jahren nicht einmal mehr die Hälfte derart klassifiziert. Umgekehrt lässt sich vermuten, dass wohl auch Kinder, die zunächst nicht als besonders begabt gelten würden, in anderthalb Jahren eine sehr gute Aufholchance haben.

Als gäbe es nicht sowieso schon genug Argumente gegen das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland...

Kommentare:

SpongeTimS hat gesagt…

Ein interessanter Beitrag, aber aus meiner Sichtweise enthält er noch einen Fehler:

"Als gäbe es nicht sowieso schon genug Argumente gegen das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland..."

Haben wir nicht vier Stufen?

Viele Grüße
TS

Nicolai Hähnle hat gesagt…

Das "dreigliedrig" bezieht sich auf die Aufspaltung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium, also auf die parallele Aufspaltung.